Zwei Neue im Visier

Penzberg will jetzt auch mit Lugau und Differdingen eine Städtepartnerschaft eingehen

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Auf dem Platz der Städtepartnerschaften flattern ihre Fahnen schon mal im Wind, jetzt soll es auch konkret werden mit Differdingen und Lugau.

Penzberg – Das Jubiläumsjahr hat Folgen: Die Stadt Penzberg will nun auch Städtepartnerschaften mit Differdingen (Luxemburg) und Lugau (Sachsen) eingehen. Der Stadtrat votierte einstimmig für den Ausbau der freundschaftlichen Bande.

Im Rahmen der 100-Jahr-Feierlichkeiten waren nicht nur Vertreter aus den offiziellen Partnerstädten Ahlen, Langon und des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg, sondern auch aus Lugau und Differdingen nach Penzberg gereist. Mit der Gemeinde Lugau befindet sich die Stadt Penzberg bereits seit Anfang 1990 in einem freundschaftlichen Verhältnis. Die damalige Kontaktaufnahme erfolgte auf Initiative der bayerischen kommunalen Spitzenverbände, die auf diese Weise nach dem Untergang der DDR den Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung in den neuen Bundesländer forcieren wollten. Mit der Stadt Differdingen besteht seit Begründung der offiziellen Städtepartnerschaft zwischen Penzberg und Ahlen im Jahr 2007 ebenfalls ein freundschaftliches Verhältnis, auch hier gab es seither einen regen Austausch vor allem auf offizieller Ebene. Beide Gemeinden weisen, wie Rathaus-Geschäftsführer Roman Reis vor dem Stadtrat ausführte, „in ihrer Geschichte und ihren strukturellen Rahmenbedingungen hohe Gemeinsamkeiten zu Penzberg auf“. Um die bereits bestehenden Verbindungen auch auf die Bürger und interessierte Vereine auszuweiten, schlug die Verwaltung nun vor, jeweils Städtepartnerschaften anzustreben. Differdingen hat sich zwischenzeitlich schon dafür ausgesprochen, Lugau will nachziehen. 

Lugau 

Lugau im Erzgebirgskreis beheimatet etwa 8.000 Einwohner. Die Stadt in Sachsen wurde bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts als Bauerndorf gegründet. Bis Mitte der 1850er Jahre lebten die Einwohner fast ausschließlich von der Landwirtschaft, später auch vom Handwerk. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich dies, eine Vielzahl von Schachtanlagen zum Abbau von Steinkohle entstand. Das Lugau-Oelsnitzer Steinkohle­revier nahm auch durch den Bau der „Chemnitz-Würschnitzer-Kohlenbahn“ im Jahr 1858 an Fahrt auf: So konnte die Kohle nach Chemnitz transportiert werden. 1924 erhielt das weiterhin florierende Lugau das Stadtrecht. 1971 wurde schließlich der letzte Hunt mit Kohle aus der Steinkohlenlagerstätte Lugau-Oelsnitz gefördert. Nach der Wende gründeten sich zwar viele kleinere Unternehmen in der Gemeinde, die aber den Verlust der vielen Arbeitsplätze nicht kompensieren konnten. Dennoch: Die Nähe zu Chemnitz und die allgemein wirtschaftlich gute Situation trugen dazu bei, dass die hohe Arbeitslosigkeit überwunden werden konnte. Zwischenzeitlich wird in Lugau eines der modernsten Blankstahlbetriebe der Welt betrieben. An die Bergwerkszeit erinnern noch der Steinkohlenweg sowie ein Kohlbahnradweg. 

Differdingen 

Die Stahlindustrie wiederum dominiert Differdingen, das als Hochburg in der Stahlregion im Südwesten des Herzogtums Luxemburg im Dreiländereck mit Belgien und Frankreich gilt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in der heute 26.800 Einwohner großen Stadt Differdingen Eisenerz entdeckt, das zunächst in Bergwerken, später dann im Tagebau abgebaut wurde. Damit einher ging ein rasantes Wachstum. Differdingen ist die drittgrößte Stadt in Luxemburg und weist mit über 50 Prozent einen hohen Migrationsanteil in der Bevölkerung auf. Die Stahlkrise in den 1970er Jahren beutelte die Region, viele Arbeiter wurden entlassen, bis heute hält die Sondierungsphase zur Überwindung dieser Krise an. Trotz alledem: Noch immer produziert ein Stahlwerk in Differdingen, und zwar High-Tech-Produkte. Die berühmten „Grey-Träger“ werden im Hochhausbau weltweit eingesetzt, darunter in dem 541 Meter hohen Freedom Tower in New York, der nach dem Anschlag auf das ­Wolrd Trade Center am Ground Zero errichtet wurde. Und: Die frühere Differdinger Umladestation für Eisenerz „Fond-de-Gras“ zählt inzwischen zur Europäischen Route der Industriekultur. 

Christine Geiger (CSU) betonte im Rahmen der Debatte, dass sich nach dem Besuch der Delegationen zum Stadtjubiläum „richtige Freundschaften“ entwickelt hätten, und Regina Bartusch (SPD) betonte, beide Städte seien „gute Partner“. Ute Frohwein-Sendl (Penzberg Miteinander) bewertete die Bande zwar positiv, dennoch wollte sie von Reis wissen: „Die Partnerschaften gehören gepflegt, ist das noch zu stemmen?“ Reis zufolge hängt dies von der Intensität ab, „vielleicht sollte ein Verein gegründet werden“, empfahl er. Der Stadtrat votierte letztlich einstimmig für die zwei neuen Städtepartnerschaften. dd

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