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Hunderte Bücher vor dem Rathaus: StadtLesen kommt wieder nach Penzberg

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Tausend Euro für tausende Seiten: Florian Pildner (rechts) von der VR-Bank unterstützt das 8.500 Euro teure StadtLesen mit einer Spende. Leiterin Katrin Fügener (Mitte) und Bürgermeister Stefan Korpan (links) freut‘s.

Penzberg – Ob es nun ein gutes Gespür war oder einfach nur Glück, ist letztlich nicht von Belang. Jedenfalls lächelt Katrin Fügener, die Leiterin der Stadtbücherei, wenn sie daran denkt, dass das StadtLesen auch im Mai und nicht im Oktober hätte stattfinden können. Wie gut, dass sich das Team für den Herbst entschied, denn ansonsten hätte das Event ins Wasser fallen müssen, nicht wegen Regens, sondern wegen Corona.

Es ist das zweite Mal, dass das für Besucher kostenlose Stadt­Lesen von 1. bis 4. Oktober nach Penz­berg kommt. Rund 280 Bewerbungen seien bei den Initiatoren des Festivals eingegangen, „25 wurden genommen“, sagt Fügener, die genau weiß, welche Faktoren bei der Auswahl eine Rolle spielen, denn neben einem schönen Stadtbild beziehungsweise einem schönen Platz als Location für das Event müssen auch die Bewohner fleißig für ihre Stadt voten. Das haben die Penz­berg scheinbar getan. „Es sind viele große Städte dabei und ein paar kleinere“, lächelt Fügener, der die Teilnahme ein großes Anliegen ist, nicht, weil so endlich etwas los ist in der Stadt, sondern, weil „Leseförderung extrem wichtig ist“. Denkt Fügener an aktuelle Studien, so verschwindet ihr Lächeln: Rund sechs Millionen funktionale Analphabeten gebe es unter den Erwachsenen in Deutschland, etwa ein Fünftel der Jugendlichen zeige Leseschwächen. Ein Event wie das StadtLesen soll die Menschen nun dazu bewegen, ein Buch in die Hand zu nehmen, und das frei und ungezwungen. 

Dabei wird es genug Literatur für alle Generationen und Geschmäcker geben. Vor zwei Jahren „waren es ungefähr 2.500 Bücher“, erinnert sich Fügener. Um die Wälzer, Regale und Sitzgelegenheiten kümmern sich die Organisatoren des viertägigen Lesefestivals, genauso wie um die Lesung an Tag eins, bei welcher der Autor Klaus Modrick aus seinem Buch „Keyserlings Geheimnis“ liest. Das Rahmenprogramm aber gestaltet das Team der Stadtbücherei. An Tag zwei ist dabei wieder einen Poetry-Slam mit Reimrausch geplant, dieses Mal zum Thema „Demokratie“, angelehnt an „Die lange Nacht der Demokratie“, welche die Volkshochschule geplant hatte, diese aber wegen der Corona-Pandemie nicht umsetzen konnte. Tags darauf sollen dann wieder Penzberger für Penzberger lesen, „aus ihrem Lieblingsbuch“, sagt Fügener. Am Abend kommt dann Autorin Thekla Kraußeneck auf die Bühne und liest aus „Cronos 2“. Am Finaltag wird es vormittags mit Zauberer Zodiac magisch, ehe nachmittags Geschichten für Kinder zu hören sein könnten. Konkretes für kleine Leser ist aber noch nicht geplant, jedoch „haben wir einiges in der Pipeline“, versichert Fügener, die wegen Corona erst vor kurzem die Stadtbücherei wieder öffnen durfte, und das auch nur für kontaktfreie Ausleihen und Rückgaben. 

Dass im Herbst die Welt noch immer von Corona eingenommen sein könnte, will Fügener nicht ausschließen, doch der Stadtplatz biete schließlich reichlich Raum, um auf Abstand zu schmökern. Ebenso die geräumige Stadthalle, die Fügener schon einmal für den Fall des Regenfalles reserviert hat. Dem Frühlingsregen ist die Stadtbücherei-Leiterin aber schon einmal aus dem Weg gegangen. Weil eine Stadt absagte, hatten sie und ihr Team in Januar die Wahl, das StadtLesen im Mai oder erst im Oktober nach Penz­berg zu holen. Wegen des launischen Wetters und der Pfingstferien habe man sich für den Herbst entschieden. Eine weise Entscheidung, wie sich einige Wochen später herausstellen sollte. ra

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