Unerwarteter Erfolg

Stadtrat wertet Klimamanager auf und beschließt einen Klimabeirat

Noch ist er ein 50-Prozent-Klimamanager: Andreas Wowra, dessen Stelle nun aufgewertet wird. Hier mit  Penzbergs Bürgermeisterin Elke Zehetner.

Penzberg – Ob in Penzberg der Klimanotstand ausgerufen wird, konnte am Mittwoch nicht mehr geklärt werden. Nach fast fünf Stunden vertagte der Stadtrat eine Entscheidung darüber auf den kommenden Dienstag. Da war es 23 Uhr und das Binnenklima im großen Sitzungssaal des Rathauses von merklicher Sauerstoffknappheit geprägt. Die Fraktion der Grünen hatte den Stadtrat zuvor mit einem Wust an klimapolitischen Anträgen an den Rand der Erschöpfung und selbst umweltbewusste Menschen im Publikum ans Ende ihrer Geduld gebracht. Einen unerwarteten Erfolg durften die Grünen dabei aber doch verbuchen: Der Klimaschutzmanager im Rathaus wird zu einer Vollzeitstelle aufgewertet. Und als Kollateralerfolg wurde gleich auch noch die Gründung eines Klimabeirats beschlossen.

Man konnte beinahe den Eindruck gewinnen, dass die Grünen die stundenmäßige Aufwertung des Klimaschutzmanagers alleine deshalb forderten, damit sie jemanden in der Stadtverwaltung haben, der sich ausschließlich ihrer Anträge annimmt. Die sonst häufig gescholtenen Leute im Rathaus haben jedenfalls reichlich Überstunden gemacht, um sich mit all dem zu beschäftigen, was im grünen Wunschkonzert aufgelistet war. Das reichte vom Ausbau der Radwege über den verstärkten Schutz von Mooren und Wäldern bis zum Antrag, dass die Stadt die Bundesregierung zur Einführung eines Klimaschutzkonzeptes auffordern soll. Dass die Grünen damit im Prinzip in die richtige Richtung vorgestoßen sind, zeigte sich schon daran, dass viele ihrer Forderungen letztlich einstimmig verabschiedet wurden. Allerdings wurden auch viele Einzelforderungen in langatmigen Diskussionen so lange modifiziert, bis alle zustimmen konnten. 

Das zeigte sich etwa bei der Prämie von 7.500 Euro, welche die Grünen jedem zukommen lassen wollten, der bei Neubau oder Sanierung den Passivhausstandard erreicht. Das ging sogar Stefan Drexlmeier von der Energiewende Oberland zu weit: „Passiv­häuser machen das Kraut nicht fett“, sagte er. Statt einige wenige Projekte zu fördern, sei es viel sinnvoller eine größere Zielgruppe zu erreichen. Und so beschloss der Stadtrat, in den kommenden beiden Jahren jeweils 25.000 Euro zur Verfügung zu stellen, mit denen unter anderem individuelle Beratungstermine bei jenen finanziert werden sollen, die eine schrittweise Sanierung ihrer Immobilien anstreben. „Klimaschutz ist nicht nur eine Sache der Politik, wir brauchen dafür auch die Menschen, die mitmachen“, sagte Markus Kleinen (SPD).

Kleinen war es dann auch, der bei den Grünen für große Überraschung sorgte: Dass die SPD die Forderung nach einer Vollzeitstelle für den Klimaschutzmanager teilen würde, hatte Grünen-Sprecherin Kerstin Engel nicht erwartet. Letztlich erfolgte die Zustimmung dazu sogar einstimmig, ebenso wie das Bekenntnis, im Januar ganz offiziell einen Klimabeirat als beratendes Gremium ins Leben zu rufen. la

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