Die rote Bastion ist gefallen

CSU wird stärkste Fraktion, SPD fällt auf den politischen Tiefpunkt

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Es werden nicht mehr: Am Ende mussten die Wahlhelfer ein für die Sozialdemokraten desaströses Ergebnis weitergeben.

Penzberg – Der 15. März 2020 wird in die Annalen von Penzberg eingehen: Seit diesem Tag ist gewiss, dass die SPD erstmals seit Gründung der Stadt nicht mehr die stärkste politische Kraft stellt. Mehr noch als das.

Im Vergleich zur Kommunalwahl vor sechs Jahren wurde die SPD-Fraktion im Stadtrat mit nunmehr fünf Sitzen halbiert. Dass die CSU nun mit sechs Mandaten zahlenmäßig am stärksten vertreten ist, hat den Christsozialen zwar eine feierselige Nacht beschert, bei nüchterner Betrachtung bleibt aber festzuhalten, dass die Partei im Vergleich zu 2014 sogar einen Sitz verloren hat. Damals waren es noch sieben, ehe sich das Trio Anderl-Eberl-Bocksberger mit der FLP verselbständigte. Das ist im Taumel über Korpans Einzug in die Stichwahl etwas untergegangen. Der große Sieger dieser Stadtratswahl ist nämlich Penzberg Miteinander, die um den Bürgermeisterkandidaten Markus Bocksberger vor knapp einem Jahr aus dem Boden gestampfte Liste, die auf Anhieb vier Sitze errang. Komplettiert wird das Kommunalparlament von den Grünen mit vier, den BfP mit drei sowie der FLP mit zwei Mandaten.

Penzberg war in den vergangenen hundert Jahren politisch ein Hort der Stabilität: Wenn dort gewählt wurde, gewannen die Sozis, das war so sicher wie das Amen von Stadtpfarrer Holz in der Christkönig-Kirche. Damit ist es jetzt vorbei, entsprechend konsterniert war Adrian Leinweber, der Fraktionsvorsitzende der SPD, auch noch am Tag danach. „Dass wir nicht mehr auf zehn Sitze wie beim letzten Mal kommen würden, das war uns klar“, räumt er ein, „aber dass man uns halbiert, das ist desaströs.“ Leinweber ist ratlos, sagt, er könne es sich einfach nicht erklären, weshalb Stadträte wie Markus Kleinen oder Thomas Keller, „die hohe Fachkompetenz haben und nie polemisch waren“, aus dem Kommunalparlament geflogen sind. Und dann sagt er mit Blick auf das Ergebnis von Elke Zehetner bei der Stadtratswahl, die mit 4.558 Stimmen hinter Korpan, Engel und Bocksberger nur auf Rang vier gelandet ist, einen bemerkenswerten Satz: „Das ist eine Watsch‘n für sie, aber auch damit haben wir gerechnet.“

Die rote Bastion ist also gefallen. Und wenn man den Ausgang der Stadtratswahl näher betrachtet, dann stellt man fest, dass sich die SPD im Prinzip selbst halbiert hat, woran Elke Zehetner nicht ganz schuldlos ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Sie hat nicht nur innerhalb des Stadtrates stark polarisiert, sondern auch innerhalb der eigenen Fraktion. Die Austritte von Markus Bocksberger und dann von Ute Frohwein-Sendl haben Penzberg Miteinander überhaupt erst ermöglicht – und damit eine Stimmenwanderung vom Original zur Absplitterung. 

Im Gegensatz dazu ist es der FLP nicht im erhofften Maß gelungen, den Schwung, den jede neue Liste erst einmal hat, für sich zu nutzen. Im Gegenteil: Statt drei hat die FLP jetzt nur noch zwei Sitze. Die Abspaltung von Anderl-Eberl-Kühberger von der CSU hat aber, im Gegensatz zur SPD, die Christsozialen in gewisser Weise befriedet und vielleicht auch mit dazu beigetragen, dass sie ihr Ergebnis von vor sechs Jahren nur einigermaßen halten mussten, um stärkste Fraktion zu werden. Mit anderen Worten: Die CSU brauchte nicht viel selbst zu tun und konnte in aller Ruhe zusehen, wie die SPD filetiert wird. Dass Penz­berg Miteinander hierbei die Kärrnerarbeit erledigt hat und dafür nicht mit Bocksbergers Einzug in die Stichwahl belohnt wurde, hat zu vielen Tränen geführt und ist vielleicht die größte Ironie dieser Wahl. 

Dass die Grünen nicht mehr vom bundesweiten Hype profitierten und nur um ein Mandat auf nunmehr vier zulegen konnten, hat zum einen ebenfalls mit Bocksbergers Liste zu tun, aber auch damit, dass sie kaum Wahlkampf geführt haben. Und dass die BfP von vier auf drei Mandate gestutzt wurden, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass sie bisher noch nicht aus ihrer Rolle als Daueropposition herausgefunden haben. la


Kommunalwahl 2020 - Penzbergs neue Stadträte

CSU (25,12 %) 

Stefan Korpan, Ludwig Schmuck, Nick Lisson, Christine Geige,r Christian Abt, Aleksandar Trifunovic

SPD (19,92 %) 

Elke Zehetner, Regina Bartusch, Hardi Lenk, Bayram Yerli, Adrian Leinweber,

Grüne (15,21 %)

Kerstin Engel, Katharina von Platen, Sebastian Fügener, John-Christian Eilert

Penzberg Miteinander (18,06 %) 

Markus Bocksberger, Anette Völker-Rasor, Ute Frohwein-Sendl, Martin Janner

FLP (7,51 %)

Michael Kühberger, Jack Eberl 

BfP (12,49 %) 

Armin Jabs, Wolfgang Sacher, Rüdiger Kammel

Bei der SPD oder der CSU wird sich dieses Ergebnis abhängig vom Ausgang der Stichwahl noch verändern. Je nachdem ob Elke Zehetner oder Stefan Korpan zum neuen Bürgermeister gewählt wird, rückt entweder Maria Probst (CSU) oder Thomas Keller (SPD) in die jeweilige Fraktion nach.

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