Bilanz im Verwaltungsrat

Stadtwerke Penzberg: Applaus für die Energiewende - was der scheidende Vorstand sagt

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Penzberg - Die Stadtwerke Penzberg sind breit aufgestellt und stehen auf soliden Beinen. So lautete die letzte Bilanz des scheidenden Vorstand Josef Vilgertshofer im Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens (KU).

Für Josef Vilgertshofer (57) war es nach vier Jahren an der Spitze der Stadtwerke (32 Mitarbeiter, rund 9,5 Millionen Euro Jahresumsatz) der letzte offizielle Auftritt. Der KU-Vorstand hatte bekanntlich zum 30. September frühzeitig seinen auf fünf Jahre angelegten Vertrag gekündigt, macht aber bis Ende Oktober weiter. Vilgertshofer begründete seinen Schritt mit privaten Gründen (Rundschau berichtete). Im jüngsten Verwaltungsrat berichtete der Chef sichtlich zufrieden über die jüngsten Projekte unter seiner Ägide. „Die Stadtwerke tragen maßgeblich zum Klimaschutz bei“, betonte Vilgersthofer. Erst unlängst wurde mit einem symbolischen Spatenstich im fernen Uffing der Baubeginn für das erste Kooperationsprojekt mit einer Kommune gefeiert.

Erstes Projekt mit Kommune

Der KU-Vorstand, praktisch im Urlaub, fuhr extra hin, weil es ihm wichtig war. Zwischen Uffing und dem Ortsteil Schöffau, auf einer Konversionsfläche im Schachmoos, entsteht eine große PV-Freiflächenanlage. Dort will man heuer noch Gas geben: „Im Dezember werden wir am Netz sein“, kündigte Vilgertshofer den Ausschussmitgliedern an. 2740 PV-Module auf dem 12.660 Quadratmeter großen Areal sollen im Endausbau 1000 kWp liefern. Der erzeugte Strom wird mit 115.000 kWh pro Jahr angegeben. Es wird Strom für mehr als 330 Haushalte erzeugt, auch E-Fahrzeuge könnten sich perspektivisch direkt vor Ort bedienen. Es ist eine Premiere in dieser Dreier-Konstellation. Die Stadtwerke und die Gemeinde Uffing bringen je 37 Prozent der Investition ein, den Rest trägt der altbekannte Penzberger Firmenpartner Vispiron aus München, mit dem man schon die eigene Anlage stemmte. Eine Investitionssumme nennt Vilgertshofer auf Nachfrage nicht. 

"Modell für Zukunft"

Für das KU war die Suche nach einem kommunalen Partner nicht einfach gewesen. Im Sindelsdorfer Gemeinderat holte man sich eine Abfuhr. In Uffing hatte die Gemeinde das Vorhaben mit einem anderen Partner gestoppt und im zweiten Anlauf mit den Penzbergern realisiert. „Der Gemeinderat war durchaus sehr interessiert“, sagt Vilgertshofer. Eine Kooperation, die sich Vilgertshofer durchaus für weitere Geschäftsmodelle des KU vorstellen kann. Er bezeichnet es als „Modell für die Zukunft“. Auch, weil die Bürger über ihre Gemeinde finanzielle Mittel einbringen könnten. „Sie erhalten eine gewisse Ausschüttung.“ Die Penzberger haben den Blick zudem weit über die Grenzen des Oberlands geworfen. In Wadern/Saarland und in Neutz/Sachsen-Anhalt ist man an Windparks beteiligt. Im Saarland laufen die Arbeiten an den drei Anlagen. Das KU ist über die Energieallianz Bayern, in der rund 25 vorwiegend bayerische Stadtwerke sitzen, mit im Boot. Ende 2020 soll die Inbetriebnahme sein. „Wir liegen voll im Zeitplan“, so Vilgertshofer im Verwaltungsrat.

Abschied wird bedauert

Für seinen Bericht erhielt der scheidende KU-Vorstand Applaus von den Stadträten. Was in der Vergangenheit nicht häufig vorkam, siehe Badneubau. Sein Abschied sei etwas, „was wir sehr bedauern, sagte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). Korpan, seit Mai im Amt, würdigte Vilgertshofer umgesetzte Projekte – vom neuen Familienbad über die Erweiterung des Fernwärmenetzes hin zum Breitbandausbau in der Stadt. Korpan: „Was Sie alles in Richtung Energiewende auf den Weg gebracht haben, ist schon erstaunlich.“ Amtsvorgängerin und Verwaltungsratsmitglied Elke Zehetner (SPD) sprach von einer „respektablen Liste“ und einem erfolgreichen Wandel des KU über das reine Wasser- und Abwassergeschäft hinaus.

Andreas Baar

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