Klaus Barthel soll ein Konzept zur Fortführung der Vollmar-Akademie erarbeiten

SPD will Aspenstein retten

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Unterstützung von oben: Carmen König-Rothemund wird bei der Rettung der Vollmar-Akademie auch von Florian Pronold unterstützt.

Kochel – Es fehlen schlichtweg Fördergelder, um die Bildungsstätte zu finanzieren und somit zu erhalten. Doch es besteht die Hoffnung, die Georg-von-Vollmar-Akademie retten zu können, ein zweites Mal. Nicht nur der SPD, auch der Gemeinde Kochel ist daran gelegen.

Auf dem Landesparteitag der BayernSPD in Bad Windsheim spielte die Georg-von-Vollmar-Akademie gleich in zweifacher Hinsicht eine Rolle. Zum einen erhielt die Vorsitzende der Akademie, Carmen König-Rothemund, die Georg-von-Vollmar-Medaille, zum anderen wurde die Erarbeitung eines Bildungskonzeptes beauftragt, das den Erhalt und die Finanzierung der SPD-nahen Bildungsstätte sicherstellen soll. 

Noch im Herbst schien Carmen König-Rothemund davon überzeugt, es bliebe ihr aufgrund mittelfristig fehlender Fördergelder in sechsstelliger Höhe nichts anderes übrig, als die Akademie im 50. Jahr ihres Bestehens zu schließen. Doch der Aufschrei, der auf diesen Entschluss folgte, brachte Bewegung in den Prozess, und der SPD-Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen stellte auf dem Landesparteitag der BayernSPD einen Antrag zum Erhalt der Akademie. In der Zwischenzeit besteht wieder Hoffnung, dass der Aspenstein ein zweites Mal gerettet werden kann. Vor 70 Jahren, als die politische Bildungsstätte noch eine Parteischule war, wurde mit dem „Kochelzehnerl“ eines jeden bayerischen SPD-Mitglieds die schwierige Finanzierung in den Anfangsjahren bewältigt. Mit einem Zehnerl ist es freilich diesmal nicht getan, aber „wenn sich 3.000 Menschen fänden, die sich als Fördermitglieder zu einer jährlichen Zahlung von 100 Euro bereit erklären, dann wäre unsere Bildungsstätte am Aspenstein bereits gerettet“, teilt die Vollmar-Akademie auf ihrer Homepage und in den sozialen Medien mit. 

Erste Erfolge der Kampagne zeigen sich bereits, wie Klaus Barthel berichtet. Neue Mitglieder kämen dabei nicht nur aus der SPD, sagt der stellvertretende Kochler Ortsvorsitzende, schließlich sei die Vollmar-Akademie eine parteiunabhängige politische Bildungsstätte. „Die Fördermitgliedschaften bilden einen finanziellen Sockel und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Überleben der Akademie“, ist Bar­thel überzeugt. „Bevor wir von anderen und von der Gemeinde etwas erwarten, müssen wir erstmal unsere Hausaufgaben machen“, sagt der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete selbstkritisch. Barthel selbst erwartet ein umfangreiches Pensum, denn der Kocheler erhielt vom SPD-Landesvorstand den konkreten Auftrag, bis Jahresmitte ein Konzept für politische Bildung in SPD-nahen Einrichtungen zu erarbeiten. Barthel will dazu in den nächsten Wochen und Monaten viele Gespräche führen und ausloten, wie man politische Bildungsangebote interessanter machen und stärker auf die Region ausrichten könne. „Wir müssen deutlicher machen, wie Bürger sich für gesellschaftliche Solidarität engagieren können“, betont Barthel. Das Bildungskonzept müsse „ein Gesamtgebäude aus vielen Bausteinen“ sein, welches „uns nicht nur über dieses Jahr trägt, sondern langfristig erhält“. 

Der Erhalt der Akademie am Aspenstein ist auch erklärtes Ziel der Gemeinde Kochel, weshalb Bürgermeister Thomas Holz wiederholt seine volle Unterstützung zusicherte. Bereits im Dezember genehmigte der Gemeinderat nachträglich die derzeitige Nutzung des Gebäudes als Seminarzentrum mit Beherbergungs- und Bewirtungsbetrieb. Seit 70 Jahren fehlt dafür ein entsprechender Antrag, was erst im Zusammenhang mit einer brandschutztechnischen Ertüchtigung vor zwei Jahren festgestellt wurde. Auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung zeigte sich der Rathauschef solidarisch und warb explizit um Fördermitgliedschaften im Trägerverein der Akademie. Holz bat Gemeinderäte und Zuhörer, den Aufruf auch an Freunde und Bekannte weiterzugeben, zumal die Spende an die gemeinnützige Einrichtung steuerlich absetzbar sei. Eine gewisse Eile ist dabei geboten, denn der Beitrag wird von der Vollmar-Akademie nur dann eingezogen, wenn die Gesamthöhe der Spenden bis zum 30. Juni es ermöglicht, das Seminarhaus in Kochel weiter zu betreiben. 

In einem halben Jahr wird sich zeigen, ob Carmen König-Rothemund wirklich aufatmen kann. Auf dem Parteitag in Bad Windsheim wurde die Akademie-Chefin jedenfalls für ihre Verdienste um die soziale Demokratie im Freistaat mit der Georg-von-Vollmar-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Bayern-SPD, geehrt. cw

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