Der Trubel ist vorbei

Stadtrat lenkt ein: Jugendtreff „Chill out“ soll Platz machen für die neue Kinderkrippe

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Zwei Mützenträger und der Mann vom Bauamt: Roman Reis, Günter Fuchs und Wolfgang Sacher (von links) diskutieren, wohin der Jugendtreff „Chill out“ (hinten) verlegt werden soll, wenn auf dessen Areal die Krippe gebaut wird.

Penzberg – Zwar ist der Pausenhof der Grundschule an der Birkenstraße für denn Neubau einer Kinderkrippe noch nicht endgültig vom Tisch, aber der Stadtrat hat seinen Fokus bei der Suche nach einem alternativen Standort nun auf das Areal des Jugendtreffs „Chill out“ gerichtet.

Die Mitglieder des Elternbeirats der Grundschule, die in den vergangenen Wochen so leidenschaftlich gegen die Krippe auf dem Pausenhof gekämpft hatten und nun zahlreich auf den Zuhörerbänken in der Stadtratssitzung am vergangenen Dienstag saßen, konnten aufatmen. Denn die Vehemenz des Stadtrats, den Pausenhof mit aller Gewalt noch vor Weihnachten als Standort durchzudrücken, ist verpufft. Stattdessen zeigte sich plötzlich quer durch alle Fraktionen die Einsicht, dass dieser Standort doch nicht so optimal sei und statt dessen jener des Jugendtreffs „Chill out“ favorisiert werden soll. 

Knackpunkt Blockheizkraftwerk

Das Gelände, so wurde tags zuvor auch bei einem Ortstermin mit Architekt Holzer klar, ist groß genug, um einen Neubau für eine viergruppige Kinderkrippe sowie eine Kindergartengruppe unterzubringen. Knackpunkt allerdings ist das benachbarte Blockheizkraftwerk der Stadtwerke. Diskutiert wurde deshalb auch, ob die Energiezentrale, die auch das künftige Familienbad mit versorgt, nicht versetzt werden kann. Zumindest aber sollte sie eingehaust werden und weiter gedämmt werden, denn sie ist schlichtweg zu laut, um daneben einen Krippenbetrieb zu ermöglichen.

Chillen in der alten Molkerei

Doch der Reihe nach: Rathaus-Geschäftsleiter Roman Reis verwies noch einmal kurz auf die Rahmenbedingungen. Die Container, in denen die Krippe derzeit neben der neuen Sporthalle des Landkreises untergebracht sind, hätten die Hälfte ihrer Lebensdauer erreicht. Zudem zahlt die Stadt dafür 12.000 Euro Miete pro Monat. „Was als Interimslösung gedacht war, braucht nun endlich eine feste Einrichtung“, so Reis. Und er machte auch klar, dass es einen Ersatz für den Jugendtreff geben müsse, sollte das „Chill out“ der Krippe weichen. Gefunden wurden hier Räume in der alten Molkerei an der Christianstraße. „Die Jugendlichen waren davon begeistert und strotzten vor Tatendrang“, fasste Reis die Begehung zusammen. Aber: „Die Stadt muss hier schon auch Geld in die Hand nehmen.“ Die Lage dort sei aber ideal: „Die Nähe zur Innenstadt und zu den Schulen, und die Jugendlichen wären dort geschützt“, zählte Reis auf. 

Eine Einhausung passend zum Parkdeck

Josef Vilgertshofer, der Chef der Stadtwerke, erklärte indes, dass eine Verlagerung der Heizzentrale und des Blockheizkraftwerks kaum möglich sei. „Das alles ist komplett verdrahtet“, sagte er. 1,4 Millionen Euro seien hier verbaut worden. Auch Fördermittel seien geflossen, da sei man gebunden. Und: Die Anlage steht im Zusammenhang mit dem neuen Familienbad. Möglich wäre allerdings eine Einhausung, an die ohnehin gedacht sei. „Das soll die gleiche Fassade bekommen wie später das Parkdeck für das Schwimmbad“, so Vilgertshofer. Die Heizzentrale könnte in dem Zusammenhang auch gedämmt werden, um den davon ausgehenden Lärm zu reduzieren. Tatsächlich ist dies der Knackpunkt für nahezu alle Fraktionen. 

„Das nimmt viel Last“

Adrian Leinweber (SPD) etwa sagte, die Heizzentrale müsse nochmals im Verwaltungsrat der Stadtwerke diskutiert werden. Ansonsten erklärte er, dass der Pausenhof für die Krippe zwar immer noch ideal, die nun gefundene Alternative beim „Chill out“ aber „gut vorstellbar“ sei. Armin Jabs (BfP) lobte die Entscheidung, den Pausenhof als Standort aufzugeben: „Das nimmt viel Last.“ Maria Probst (CSU) meinte, dass der nun im Raum stehende alternative Vorschlag eine „planerische Herausforderung“, letztlich aber ein „guter Standort“ sei. Kerstin Engel (Grüne) forderte, die Verlagerung des „Chill out“ lückenlos zu gestalten, „der Umzug muss dann zeitnah erfolgen“. 

Sicherheiten für die Jugendlichen

Überhaupt: Vertreter aller Parteien waren sich einig, dass die Jugendlichen für einen neuen Standort ihres Treffs auch Sicherheiten bräuchten. Nick Lisson (CSU) sprach hier von fünf Jahren, Jack Eberl (FLP) von „einer Generation, der man dort eine feste Bleibe geben muss“. Eberl schlug zudem vor, die Container , in denen sich derzeit die Krippe befindet, gleich zu erwerben und sie einstweilen an die Parkharfe an der Nonnenwaldstraße aufzustellen. „Das bringt uns Zeit, einen guten Krippenplatz zu finden.“ Dieser Vorschlag wurde aber nicht mehr weiter thematisiert. Johannes Bauer (Grüne) wiederum lobte, dass der Trubel aus der Diskussion „raus ist“. Allerdings stört sich auch er an der Heinzzentrale in unmittelbarer Nähe zur Krippe. Und Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) regte an, auch ungewöhnliche Schritte zu überlegen: „Etwa ein Jugendzentrum im Zusammenhang mit dem Parkdeck.“ Das sei in vielen größeren Städten längst möglich. 

Platz für noch mehr Kinder?

Stadtbaumeister Justus Klement zufolge müsste nun im Zuge einer Bebauungsplanänderung eine Schallschutzuntersuchung erfolgen. Derlei Prüfungen will Hardi Lenk (SPD) unbedingt vorziehen „und dann erst ins Verfahren starten. Der stellvertretende Bauamtsleiter Günter Fuchs wies aber darauf hin, dass es günstiger sei, einen Aufstellungsbeschluss zur Bebauungsplanänderung zu fassen: „Wir sind dann noch nicht gebunden, können mit den Prüfungen aber starten.“ Genau das soll nun auch erfolgen. Auf Anregung von Nick Lisson und später auch Johannes Bauer soll mitgeprüft werden, ob es nicht sinnvoller wäre, neben den vier Krippengruppen dann gleich zwei Kindergartengruppen zu errichten. 

Änderungsbeschluss zum Bebauungsplan

Am Ende stimmte der Stadtrat geschlossen für den Änderungsbeschluss zum Bebauungsplan und erklärte in einer zweiten Abstimmung, dass das „Chill out“ mit mindestens dem bisherigen Standard in die Räumlichkeiten der ehemaligen Molkerei an der Christianstraße verlegt werden soll. Die Verwaltung wurde zudem beauftragt, eine Kostenschätzung zu erstellen. dd

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