Freie Jobwahl

Berufsfachschule für Altenpflege entlässt 28 dringend benötigte Absolventen

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Dürften wohl ihr Lebtag keine Probleme mehr bekommen, einen Job zu finden: die frisch gebackenen Altenpfleger und Altenpflegehelfer mit Schulleiter Stephan Meuß (rechts).

Penzberg – Wenn Abschlussklassen von Berufsfachschulen sich zur Zeugnisübergabe versammeln, dann gibt es in den Reihen immer Leute, die noch keinen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag in der Tasche haben und deshalb wohl erstmal Hartz IV beantragen. Im Steigenberger Hof ist das anders.

Dort, im Steigenberger Hof, können sich die Absolventen der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe aussuchen, von wem sie sich bezahlen lassen. Der Pflegenotstand macht es möglich, dass Schulleiter Stephan Meuß den 13 frisch gebackenen Altenpflegehelfern und den 15 Altenpflegern sehr entspannt entgegen rufen konnte: „Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, denn pro Absolvent warten vier bis fünf offene Stellen.“ Äußerst erfreut stellte Meuß beim Blick in die Runde fest, dass sich immer mehr Männer für die Altenpflege entscheiden. 

Vizebürgermeister Johannes Bauer betonte, dass die Absolventen ein „hochinteressantes Berufsleben“ erwarte, das angesichts des demographischen Wandels wohl nicht dazu führen werde, dass auch nur einer der Absolventen jemals beim Arbeitsamt vorstellig werden müsse. Zugleich sagte Bauer, er hoffe, dass möglichst viele der neuen Altenpfleger und Pflegehelfer in Penzberg oder im Landkreis tätig werden. Doch damit sieht es nicht allzu gut aus, denn die jungen Damen und Herren werden vorzugsweise in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen tätig sein. Von den 28 Absolventen arbeiten gerade mal drei in Einrichtungen im Landkreis Weilheim-Schongau. 

Ungeachtet dessen kritisierte Bauer die unzureichende Bezahlung der Pflegekräfte, weshalb es nicht verwundere, „wenn sich leider viel zu wenige Personen bei der Berufswahl für diese Aufgabe entscheiden“. Angesichts aktueller Prognosen, die für das Jahr 2030 in Deutschland von rund drei Millionen Pflegefällen in Deutschland ausgehen, hofft Bauer auf den von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angedachten Tarifvertrag für Pflegekräfte mit deutlich höheren Löhnen. Diakonin Tina Dehm von der Rummelsberger Diakonie, dem Träger der Penzberger Schule, meinte dazu: „Man muss nicht verrückt sein, um in diesem Beruf zu arbeiten, aber es hilft ungemein.“ 

Schulleiter Meuß gab seinen scheidenden Schützlingen schließlich „eine kleine Anleitung zum Glücklichsein“ nach „How to be an artist“, dem weltberühmten Gedicht von Susan Ariel Rainbow Kennedy. Lehrerin Michaela Fiedler-Adelhardt hatte darüber hinaus eine „Erinnerungskiste“ für ihre Schüler gepackt und präsentierte mit viel Humor Gegebenheiten aus den zurückliegenden Ausbildungsjahren. Den Lehrkräften wiederum dankten die Klassensprecher Raphae­la Beckert, Selvir Alic und Sandra Bierbichler: „Sie haben uns viel abverlangt, was allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte“, stellte das Trio mit Augenzwinkern fest. fw

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