Das Debakel von Penzberg

Suche nach den Schuldigen: Bocksberger, die Presse oder vielleicht doch die SPD?

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Dieser Schuss ging nach hinten los: Die SPD verteilte im Wahlkampf zwei Geschenke mit Symbolgehalt, eine Samenmischung, die Sonne ins Leben bringen sollte, aber tiefe Dunkelheit brachte, und eine Fliegenklatsche, die sich im Nachhinein als veritable Wahlklatsche entpuppen sollte.

Penzberg – Die Analyse der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Penzberg fällt bei den unmittelbar Betroffenen naturgemäß höchst unterschiedlich aus. Allerdings brauchen beide Seiten nur wenige Argumente, um ihre Sicht der Dinge auf den Punkt zu bringen.

„Es ist bitter, dass die SPD ausgerechnet nach dem 100. Jahr ihrer Stadt­erhebung das Amt des Bürgermeisters verloren hat“, heißt es in einer Stellungnahme des Ortsvorsitzenden Bayram Yerli, der als „trauriger, aber guter Verlierer“ Stefan Korpan noch am Wahlabend zu seinem Sieg gratuliert hat. So deutlich das Ergebnis auch ausgefallen ist, so groß ist die Ratlosigkeit darüber bei Yerli: „Für mich ist diese Wahlentscheidung sehr verwunderlich, denn Penzberg steht hervorragend da und ist der Top-Industriestandort im Oberland.“ Dies sei nicht zuletzt ein Verdienst von Elke Zehetner, die „sieben Tage die Woche für das Wohl der Penzberger gearbeitet hat“. Die SPD hat nach Ansicht von Yerli keine Fehler gemacht und einen „fairen Wahlkampf“ geführt. Dies könne aber von einigen politischen Gegnern nicht gesagt werden: „Manche Gruppierungen haben einen Wahlkampf unter der Gürtellinie geführt. Sie haben die Bürgermeisterin persönlich angegriffen, und haben sie, nachdem sie ihr fachlich nicht das Wasser reichen konnten, mit unsachlichen Behauptungen und Halbwahrheiten verunglimpft“, so Yerli. Und weiter: „Einige Gruppierungen haben angefangen, miteinander gegen die Bürgermeisterin Schmutzkampagnen zu fahren, ohne Rücksicht darauf, was das mit einem Menschen und seiner Familie macht.“ Letztendlich hätten die SPD und Zehetner aber die Wahl nicht allein gegen die politischen Gegner verloren, „sondern auch aufgrund einer örtlichen Presselandschaft, die Ausgewogenheit verhindert. Hauptmeinungsbildner ist hier ein Anzeigenblatt, das in der Tat Meinung statt Journalismus bietet“, schreibt Yerli. Die SPD könne jedenfalls „mit Stolz sagen, dass die Stadt in blendendem Zustand an den neuen Bürgermeister und den neuen Stadtrat übergeben wird“. Die SPD werde sich auch weiterhin „mit aller Kraft für unsere Stadt einsetzen, denn das sind wir unseren Altvorderen schuldig“. 

„Diesen Erdrutsch hat die SPD selbst ermöglicht“

Dieser Argumentation kann Kerstin Engel, die als Bürgermeisterkandidatin der Grünen im ersten Wahldurchgang ausgeschieden ist, überhaupt nicht nachvollziehen. „Dass es zu diesem Erdrutsch und dem Ende der SPD-Ära in Penzberg gekommen ist, hat die SPD selbst ermöglicht“, erklärt Engel. Der große Fehler der Sozialdemokraten sei es ihrer Ansicht nach gewesen, Elke Zehetner erneut als Bürgermeisterkandidatin ins Rennen geschickt zu haben: „Wenn man die Zeichen der Zeit nicht erkennt und nicht sehen möchte, dass die Menschen in der Stadt diese Bürgermeisterin nicht mehr wollen, dann darf man sich über solche Ergebnisse nicht wundern.“ Engel zeigte sich am Abend der Stichwahl jedenfalls „erleichtert“ über den Ausgang, „weil ich mir nochmal sechs Jahre unter der amtierenden Bürgermeisterin nicht hätte vorstellen können“. Dabei hatten die Grünen vor sechs Jahren noch auf einen eigenen Bürgermeisterkandidaten verzichtet und statt dessen Zehetner unterstützt. Im Laufe der Jahre kam es dann aber zum Bruch. Stefan Korpan jedenfalls wünscht Engel alles Gute, verbunden mit der Hoffnung, „dass wir in dem neuen, bunter gewordenen Stadtrat wieder mehr miteinander arbeiten“.

„Deutlicher geht es nicht“

Das erhofft sich auch Markus Bocksberger von Penzberg Miteinander, dem nur 165 Stimmen gefehlt haben, um statt Korpan den Sprung in die Stichwahl zu schaffen. Gleichwohl unterstützte er den CSU-Mann umgehend, was ihm in den letzten Tagen vor dem entscheidenden Urnengang massive, zum Teil grenzwertige Kritik von Seiten der SPD eintrug. Zu tief sitzt bei den Genossen noch der Stachel, dass Bocksberger die SPD-Fraktion im Streit verlassen und mit seiner neuen Liste viele Stammwähler der Sozialdemokraten mitgenommen hat. Der SPD rät Bocksberger nach der Abwahl Zehetners über eigene Versäumnisse nachzudenken. „Das Ergebnis der Stichwahl ist so eindeutig ausgefallen, deutlicher geht es nicht. Da sollte man jetzt die Schuld nicht bei anderen suchen“, betont er. Dass er, Bocksberger, als heißer Kandidat für den Posten des zweiten Bürgermeisters gilt, ist ihm wohl bewusst. Allerdings gibt er zu bedenken, dass er als Pächter des Café Extra beruflich sehr eingespannt sei, weshalb eine Übernahme dieser Aufgabe, sofern sie überhaupt an ihn herangetragen werden sollte, „nicht ganz einfach werden würde“. Viel wichtiger ist Bocksberger, „dass die breite Allianz vor der Stichwahl auch die Arbeit des neuen Stadtrats prägt“. Sollte es dort gelingen, „dass wir alle miteinander Penzberg in die Zukunft führen, dann hätten wir unser großes Ziel erreicht“. 

„Geschmacklos und unter der Gürtellinie“

Aus der Stichwahl völlig herausgehalten hat man sich bei der FLP, für die Stadtrat Michael Kühberger und Stefan Fuchs aus dem Vorstand sowohl Korpan gratulierten, sich aber auch bei Elke Zehetner für die Zusammenarbeit während der vergangenen sechs Jahre bedankten. „Wir haben uns vor der Stichwahl ganz bewusst für keinen der beiden Kandidaten ausgesprochen, sondern wollten es unseren Mitgliedern überlassen, wen sie wählen“, teilen die beiden mit. Sauer ist Fuchs und Kühberger vor allem aufgestoßen, wie Mitglieder der BfP am Wahlabend über Zehetner „hergezogen“ sind. „Das ist geschmacklos und unter der Gürtellinie. Frau Zehetner hat die Wahl verloren, hiermit hat der Wähler eindeutig gezeigt, dass er einen Wechsel wollte. Damit hat es sich in unseren Augen auch. Aber es ist natürlich ein leichtes, wenn einer am Boden liegt, weiter auf ihn einzutreten“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Den BfP-Bürgermeisterkandidaten Armin Jabs rufen die beiden FLP-Männer auf, dafür zu sorgen, „dass uns solche Aussagen in Zukunft erspart bleiben“. 

„Nicht im Regen stehen lassen“

Interessanterweise weiß Jabs noch gar nichts vom Zorn der FLP, als er erklärt: „Wir wollen aus der Rolle der Daueropposition herauskommen. Und auch mit dem Scharfmacher-Image muss es vorbei sein.“ Mit ihrer Wahlempfehlung für Korpan sieht man sich bei den BfP zudem als einer der Königsmacher, weshalb Jabs erklärt: „Wir möchten jetzt natürlich auch mitregieren, um unsere Anträge durchzubringen.“ Und wer mitregiere, so fügt er hinzu, „der kann nicht dauernd provokant auf Facebook schreiben“. Der Sieg von Korpan, den Jabs nicht in dieser Deutlichkeit erwartet hatte, obwohl der Wechselwille in der Bevölkerung deutlich spürbar gewesen sei, gewähre dem CSU-Mann einen starken Rückenwind. „Wir werden Stefan Korpan auf jeden Fall unterstützen und ihn nicht im Regen stehen lassen“, so Jabs. la

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