Vom Welpen zum Bürgermeister

Ein Abend mit Frau und Kindern, der Penzberg verändert: Stefan Korpan gewinnt unerwartet klar

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Jetzt ist er Bürgermeister: Stefan Korpan schaut seiner Frau Christina ganz tief in die Augen, als das Ergebnis der Stichwahl feststeht. Dabei haben 6.245 Penzberger ihr Kreuz bei dem Mann von der CSU gemacht.
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Jetzt ist er Bürgermeister: Stefan Korpan schaut seiner Frau Christina ganz tief in die Augen, als das Ergebnis der Stichwahl feststeht. Dabei haben 6.245 Penzberger ihr Kreuz bei dem Mann von der CSU gemacht.

Penzberg – Es heißt ja nicht von ungefähr, dass ein Bild mehr sage, als tausend Worte. Bilder aber gibt es kaum welche von diesem Sonntag, der das politische Penzberg in seinen Grundfesten erschütterte und eine seit hundert Jahren geltende Gewissheit binnen einer langen Stunde über den Haufen warf.

Von dem ehemaligen englischen Nationalspieler Gary Lineker ist der wunderbare Satz überliefert, dass es sich bei Fußball um einen Zeitvertreib handele, bei dem 22 Spieler einem Ball hinterherjagen und am Ende immer die Deutschen gewinnen. So war es bislang auch in Penzberg: Wahlen, so galt hier, sind eine Abstimmung, an deren Ende immer die SPD gewinnt. Das ist nun vorbei, denn zwei Wochen nach Halbierung der SPD-Stadtratsfraktion wurde Bürgermeisterin Elke Zehetner aus dem Amt gekegelt. Nur 33,9 Prozent der Penzberger wollten sie weiter an der Spitze des Rathauses sehen, 66,1 Prozent hingegen votierten für CSU-Mann Stefan Korpan, eine Sensation. 

Man kennt das von Olympiasiegern, die plötzlich die Goldmedaille um den Hals baumeln haben und nicht wissen, wie ihnen geschieht. So ist es an diesem denkwürdigen Abend auch Stefan Korpan ergangen, der daheim mit Frau und Kindern dem Ergebnis entgegenfieberte. „Das muss ich erst mal sacken lassen, so ganz kann ich es nicht begreifen“, sagt er ein paar Stunden, nachdem im Rathaus die Gewissheit vorherrschte, dass es dort am 1. Mai einen Wechsel auf der Chefetage geben wird. In diesem Moment hätte man auch glauben können, dass er gerade eine Medaille über 100 Meter Freistil gewonnen hat. Und in gewisser Weise hat Korpan dies auch getan: Als absoluter Neuling, der bislang mehr mit Fußball als mit Politik am Hut hatte, war er angetreten, um sich alsbald immer mehr frei zu schwimmen. Gerade seine Unerfahrenheit aber hat die Konkurrenz überheblich werden lassen. Bürgermeisterin Elke Zehetner, die von Korpan angesichts der Deutlichkeit des Ausgangs der Stichwahl beinahe gedemütigt wurde, hatte noch in der heißen Phase des Wahlkampfes erklärt, dass sie dem kleinen Mann von der CSU, gerade weil der politisch doch so unbefleckt sei, bereitwillig Welpenschutz einräume. Hätte sie das mal lieber nicht getan, wie so manche unbedachte Äußerung in den vergangenen sechs Jahren. „Wer hat das schon gedacht: vom Welpenschutz hin zum Bürgermeister? Das hat viel ausgemacht. Ich bin anfangs von einigen unterschätzt worden, aber das hat sich geändert“, sagt Korpan, als feststand, dass er der neue Bürgermeister ist. Zuvor war er schon „ganz schön nervös“ gewesen, wie er bekennt. Zwar habe das Ergebnis vom ersten Durchgang am 15. März gezeigt, dass es in der Stadt einen „Wechselwillen“ gebe, „aber mit solch einem deutlichen Ergebnis habe ich beim besten Willen nicht gerechnet“. 

Und während Korpan noch vor sich hin sinniert, schlägt die Stellungnahme von Elke Zehetner im Mail-Postfach auf. Sie erweist sich als faire Verliererin und schreibt: „Ich gratuliere Herrn Korpan zum Wahlsieg und wünsche ihm eine glückliche Hand für unsere Stadt und die notwendige Kraft, um die jetzt anstehenden, schwierigen Aufgaben zu bewältigen.“ Zugleich bedankt sich Zehetner, bei „meinen“ Wählern, insbesondere der SPD-Penzberg, deren Ortsvorsitzenden Bayram Yerli, dem Wahlkampfteam sowie Altbürgermeister Hans Mummert mit seiner Frau Evi „von ganzem Herzen für die großartige Unterstützung“. Bedanken möchte sie sich aber auch dafür, „dass ich in den vergangenen sechs Jahren unsere Bürgermeisterin sein durfte“. Dieses Amt „habe ich mit viel Freude und Leidenschaft erfüllt“, so Zehetner, die abschließend versichert, „dass ich noch alles in meiner Macht Mögliche tun werde, um die erforderlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise zu ergreifen“.

Langsam gewinnt Stefan Korpan seine Fassung wieder: „Es fühlt sich gut an, der erste CSU-Bürgermeister Penzbergs zu sein“, strahlt er dieses korpansche Welpenlächeln. Und er verspricht: „Ich werde so bleiben wie ich bin und auch weiter am Fußballplatz stehen.“ Dann aber nicht mehr als Trainer und sicher auch nicht mehr so oft wie bisher. Überhaupt waren die Korpans an diesem Abend recht tiefenentspannt. „Ja“, meinte seine Frau Christina nachdem es aktenkundig war, dass sie die neue First Lady sein wird, „dann muss ich jetzt wohl shoppen gehen.“ Eine Ansage, die er trocken kommentierte: „Und ich muss ‘ne Kündigung schreiben.“ 

Bis zur Amtsübergabe am 1. Mai wartet aber nicht nur die Kündigung auf Korpan, sondern auch jede Menge Arbeit. „Wir haben ja einen Wahlauftrag, der umgesetzt werden muss“, sagt er. Und dann ist da auch noch die Corona-Krise, deren Folgen er gemeinsam mit den Leuten im Rathaus bewältigen muss. „Da werde ich jetzt viel telefonieren“, meint er und verspricht das, was er schon im Wahlkampf immer gesagt hat: „Wir machen das zusammen, miteinander. Und mit mehr Bürgernähe und Transparenz.“ la

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