Und die Bombe platzte nicht

SPD nominiert Zehetner erneut zur Bürgermeisterkandidatin / Vetter ohne Chance

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Eine Wahl mit deutlichem Ausgang: Das musste auch Andreas Vetter anerkennen, als er Elke Zehetner zu ihrer erneuten Nominierung gratulierte.

Penzberg – Penzbergs amtierende Rathauschefin Elke Zehetner wurde mit 53:16 Stimmen von der SPD erneut als Bürgermeisterkandidatin nominiert. Ihr Herausforderer Andreas Vetter war chancenlos.

Mit großer Spannung war dieser Abend erwartet worden, als er sich dann seinem Ende zuneigte, hatte es zwar lange gedauert, spannend aber war es nicht. Die Angespanntheit der Bürgermeisterin sollte unbegründet sein, ebenso die Zuversicht ihres Herausforderers. Mit 53:16 Stimmen wurde Elke Zehetner am Montag in der Stadthalle von den Mitgliedern der SPD erneut zur Bürgermeisterkandidatin gekürt, und dass die Zustimmung für sie mit 76,8 Prozent sehr deutlich ausfiel, lag vor allem an Andreas Vetter, dem es nicht gelungen war, die Mehrheit der Genossen von sich zu überzeugen. 

Draußen vor der Stadthalle stand der kleine knallrote Peugeot mit dem Aufkleber „Wählt Vetter“, drinnen, im kleinen Saal, hatte sich Zehetners Herausforderer im Festtagsloden fein herausgeputzt und sein Ich-bin-der-Andi-Lächeln angeknipst, mit dem er seit seiner Ankündigung, Bürgermeisterkandidat der SPD werden zu wollen, in den sozialen Netzwerken, aber auch im realen Leben aufgetreten ist. Seht her, wollte er damit sagen, ich bin der Lichtblick für die SPD, der für alle das steht, nämlich die kleinen Leute, die bei der Elke etwas aus dem Blick geraten sind. Und obendrein bin ich auch wirklich drin in der SPD, was die Elke schon so oft versprochen, aber noch nie eingelöst hat. Damit ist man auch schon mittendrin in der spannendsten Frage des Abends, deren Auflösung Vetter im Vorfeld so oft zugesichert hat, dass man sich nur noch fragte, wann denn endlich die Bombe platzen würde. Nach Vetters Lesart hätte nämlich Elke Zehetner an diesem Abend gar nicht nominiert werden dürfen, weil sie nicht der SPD angehört und die Penzberger Genossen in ihrer Satzung nicht ausdrücklich die Kandidatur von Nichtmitgliedern vorsehen. Kann also gut sein, dass Zehetners Nominierung ohne Parteieintritt Makulatur ist. Alleine diese vermeintliche Bombe platzte nicht. „Ich wurde ja nicht danach gefragt“, lächelte Vetter tapfer weiter. 

Elke Zehetner wiederum konnte sich an diesem Abend schon bald ihres Sieges sicher sein. Hatte sie zunächst noch nervös und ohne Unterlass an ihrem Halstuch herumgezupft, durfte sie sich rasch entspannt zurücklehnen. Das lag auch an ihrem Herausforderer: Vetter sprach in der Vorstellungsrunde viel über sich und seine Vita, über Penzberg sprach er kaum. Nur so viel: Er wünsche sich einen Neustart für die Start, bei dem man nicht alles vergessen dürfe, aber neue Wege gehen müsse. Und er schloss mit den Worten: „Ich würde gerne Bürgermeister werden und mit euch gemeinsam die Zukunft gestalten.“ 

Der spärliche Applaus, den er dafür erhielt, nahm den Ausgang der Wahl bereits vorweg. Elke Zehetner brauchte da nur noch auf das zu verweisen, was der Stadtrat während ihrer Amtszeit in den vergangenen fünf Jahren auf den Weg gebracht hat, garniert mit ein wenig Selbstbewusstsein im Stile von „Wir haben mit mir eine starke Bürgermeisterin“ oder „Ich bin eine starke Frau und eine leidenschaftliche Bürgermeisterin mit jeder Faser meines Körpers“. Da klatschte der Saal schon erheblich herzhafter in die Hände. 

Hinzu kam, dass Zehetner an diesem Abend viele Fürsprecher hatte, Vetter hingegen keine. Ex-Stadtrat Anton Gumberger etwa attestierte Zehetner ein „hohes Maß an Kompetenz“ und eine „große Akzeptanz in der Bevölkerung“. Dass er sich gegen Vetter aussprach, weil dieser keine kommunalpolitische Erfahrung habe, verwunderte dann aber doch, weil Zehetner bei ihrer Nominierung vor sechs Jahren in keiner anderen Situation als ihr Herausforderer war. Doch solche Spitzfindigkeiten sollten die Nominierung nicht entscheiden, viel mehr ins Gewicht fiel da schon Vetters Vorliebe für das Ungefähre. Immer wieder wurde von den Genossen angemahnt, dass man zu wenig über seine politischen Vorstellungen und Visionen wisse. Als er daraufhin von einem Indoor-Spielplatz für Kinder und einer Seilbahn sprach, mit der er den Autoverkehr aus der Innenstadt bekommen möchte, sowie erklärte, dass er Penzberg ans S-Bahnnetz anschließen möchte, nahm man das gleichgültig zur Kenntnis. Bezeichnend auch dies: Als Vetter mit Blick auf HAP erklärte, man müsse versuchen, einen neuen großen Arbeitgeber nach Penzberg zu holen, rührte sich kein Hand zum Applaus. 

Nur einmal wurde es etwas eng für Zehetner. SPD-Stadträtin Ute Frohwein-Sendl fragte nach dem Grund, weshalb Zehetner noch nicht der SPD beigetreten sei, wobei sie die Bürgermeisterin siezte, was in der roten Duz-Partei ein Sakrileg ist und deshalb umso tiefer blicken lässt. Zehetners Antwort war dann etwas für das Kuriositätenkabinett: „Ich bin ich, und außerdem wollte ich nicht genauso gut sein wie der Andreas Vetter.“ Musste keiner verstehen, war aber auch nicht mehr kriegsentscheidend.Ebenso wie der mahnende Appell von Thomas Link nach dem politischen Profil, das er bei beiden Kandidaten vermisse, ohne das es aber wohl nicht gelingen werde, die Bürgermeisterwahl zu gewinnen. Und er fügte hinzu: „Mir geht das hier zu sehr um den Machterhalt.“ 

Am Ende sollte SPD-Mann Stefan König Recht behalten. „Dass der Andreas nicht gewinnen kann, habe ich ihm schon vor Wochen gesagt.“ Und Elke Zehetner meinte ganz am Ende: „Ich bin nicht nur bereit, das Ruder in der Hand, sondern es auch in die richtige Richtung zu halten.“ Kurz darauf war der kleine rote Peugeot dann vor der Stadthalle verschwunden. la

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