Wenn 23.000 Steine leuchten

Am Palmsonntag wird in der Iffeldorfer Pfarrkirche wieder das Heilige Grab aufgebaut

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Kein Einzelstück, sondern Katalogware, deshalb aber nicht minder beeindruckend: das Heilige Grab von Iffeldorf.

Iffeldorf – Wie unermesslich wertvolle Diamanten funkeln sie, doch es sind nur Mosaiksteine aus Glas. Aber nicht der materielle Wert ist von Belang, sondern die Wirkung, wenn es am Palmsonntag im Inneren der Pfarrkirche St. Vitus dunkel ist und allein das Heilige Grab leuchtet.

Am Sonntag ist es wieder so weit: Traditio­nell am Palmsonntag wird in der Iffeldorfer Pfarrkirche St. Vitus das Heilige Grab aufgebaut, das dort dann bis Karsamstag auf das nahe Osterfest einstimmt. Dies geht nun schon seit über zehn Jahren so, seit man dieses von hinten beleuchtete Grab auf dem Dachboden des damaligen Pfarrheims zufällig entdeckt hatte. 

Das Heilige Grab wurde zwischen 1894 und 1895 von der Firma Zbitek aus Neustift im Sudetenland gefertigt und 1895 von der Pfarrgemeinde Iffeldorf für 1.000 Goldmark erworben. Bei dieser Nachbildung des Grabes Christi handelt es sich aber nicht um ein Einzelkunstwerk, sondern um Katalogware. Von den bis zur Betriebsschließung im Jahr 1922 in dieser Art hergestellten etwa 900 bis 1.000 Gräbern bestehen heute nur noch wenige; zu den acht, die nach wie vor aufgebaut werden, zählt auch jenes von Iffeldorf. Das Heilige Grab besteht aus über 23.000 Glasmosaiksteinen, von denen zirka 7.000 Stück die Wächter, ungefähr 6.000 den Portikus und rund 10.000 das Innere bilden. Dieser zentrale Bereich wiederum besteht aus den Blumenvasen mit 4.000, den Engeln mit ebenfalls 4.000 sowie dem Kreuz samt Tuch und Strahlen mit etwa 2.000 Glassteinen. Die Bundeslade ist mit rund 370 Steinen besetzt. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1962 wurden aber viele liturgische Bräuche allmählich aufgegeben und gerieten in Vergessenheit, so auch das Heilige Grab von Iffeldorf. Man brachte es auf dem Dachboden des Pfarr- und Jugendheimes unter, wo man es 2005, als das Gebäude abgerissen wurde, wiederentdeckte. Es wurde daraufhin fachmännisch restauriert und mit einer elektrischen Beleuchtung versehen. 

Nach dem Palmsonntagsgottesdienst werden in St. Vitus traditionell die Kirchenfenster schwarz verhängt und die den ganzen Chorraum füllende, leuchtende Grabkonstruktion aufgestellt. Dafür müssen die neun voluminösen Bauteile des Grabes vom Speicher des Pfarrzentrums in die Kirche transportiert werden, und ein gutes Dutzend Helfer ist etwa fünf Stunden mit dem Aufbau beschäftigt. Bis die 23.000 farbigen Glassteine leuchten, müssen 45 Glühbirnen im Inneren der Bauteile angeschlossen, getestet und auch schon mal ausgewechselt werden.

Erstmals erstrahlen wird das Heilige Grab dann am Palmsonntag um 19.30 Uhr zur Musik der renommierten und seit 2014 in Iffeldorf lebenden Pianistin Felizitas Rodach, welche die Goldberg-Variationen von Johann Sebas­tian Bach interpretieren wird. Auch das Ende der Karwoche wird in der Pfarrkirche musikalisch gestaltet: Am Karfreitag, 19. April, gibt es um 19 Uhr Lieder, Musik sowie Gedanken von Julius Döpfner zum Kreuzweg zu hören, vorgetragen von Martha Horn (Klarinette), Ellen Hennen (Fagott), Heinz Hennen (Flöte), Franz Schesser (Zither) sowie dem Heuwinkl-Zweigesang und Monika Heiß (Sprecherin). Der Eintritt frei. 

Das Heilige Grab ist von 15. bis 19. April täglich zwischen 9 und 21 Uhr zu besichtigen (ausgenommen sind die Gottesdienstzeiten am Gründonnerstag und Karfreitag); eine öffentliche Führung von Brigitte Roßbeck findet am Mittwoch, 17. April, um 17 Uhr statt. Am Karsamstag ist die Kirche noch bis 14 Uhr geöffnet, anschließend wird das Heilige Grab abgebaut und die Pfarrkirche für das Osterfest vorbereitet. la

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