Vom Euter in die Flasche

Bei Landwirt Benedikt Heinritzi in Antdorf gibt es Milch rund um die Uhr

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Will dem Endverbraucher begegnen: Landwirt Benedikt Heinritzi vor seiner Milchhütte, der klassischsten aller Formen von Direktvermarktung.

Antdorf – Es heißt ja, Kühe, die sich wohlfühlen, geben besonders gute Milch. Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann müsste die Milch vom Stammehof in Antdorf an Geschmack nicht zu übertreffen sein. 

Die Kühe von Benedikt Heinritzi futtern in ihrem Stall genüsslich Silage mit Blick auf die Berge. Den Stall mit alpinem Panorama hat der Landwirt eigenhändig errichtet. Und weil dem gelernten Zimmerer das so gut von der Hand ging, hat er auch gleich noch eine kleine Hütte danebengesetzt. Darin: keine Kühe, sondern Milch und Käse.

Benedikt Heinritzi öffnet einen der beiden Kühlschränke, die in der wenige Quadratmeter großen Hütte surren. Ein paar Flaschen Rohmilch und ein paar Stücke Käse werden darin gekühlt. „Da müssen wir wieder auffüllen“, meint der 45-Jährige und öffnet den Kühlschrank daneben. Auch hier schaut er auf nur noch wenige Flaschen, diesmal mit pasteurisierter Milch gefüllt. Das Angebot des Stammehofs kommt gut an. Der Landwirt lächelt. Er erinnert sich zurück an die Zeit, als der Milchwagen der Molkerei in aller Herrgottsfrüh kam, um viele hundert Liter Milch abzuholen. Nachbarn und Bekannte hätten sich bei Heinritzi aber immer wieder beklagt, dass sie keine frische Milch auf dem Hof bekommen können. Das wollte der Landwirt ändern. Vor drei Jahren fing er daher an, Rohmilch zu verkaufen. Seit einem Jahr pasteurisiert er Milch in seiner eigenen Molkerei. Der Milchwagen kommt zwar heute noch immer zu einer unchristlichen Stunde, doch einige Liter behält der Landwirt eben auf seinem Hof. 

Wer nach Rieden 1 kommt, muss Heinritzi aber nicht aus dem Haus klingeln oder im Stall beim Misten suchen, um an Milch oder Käse zu kommen, denn in der kleinen Holzhütte herrscht Selbstbedienung, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Man wolle aber keine Konkurrenz zu den Nachbarn sein, meint der 45-Jährige, deshalb konzentriert er sich auf Milchprodukte. Die Nachbarn bieten dagegen Eier, hausgemachte Nudeln oder Kartoffeln an.

 Derzeit versorgen drei Kühe die Milchhütte. „Unser Ziel ist es, sechs Kühe zu vermarkten“, verrät der Landwirt. Das sollte kein Problem sein, denn insgesamt ist Heinritzi Herr über 50 Milchkühe, und davon geben derzeit 43 frische Milch, jeweils rund 24 Liter am Tag. Daher bleibt Heinritzi genug Milch für seine kleine Hütte, auch wenn er eine große Molkerei mit seiner Milch sowie Supermärkte und Dorfläden in der Umgebung mit seinen Flaschen beliefert. 

In der Milchhütte ist der Umsatz vergleichsweise gering, 15 bis 20 Liter Milch verschwinden am Tag gegen ein paar Münzen aus den Kühlschränken. Darüber hinaus lässt Heinritzi einen Teil der Milch von einer mobilen Käserei verarbeiten. Die kleinen in Folie gewickelten Päckchen, Schnittkäse, Camembert und Kräutervariationen, werden ebenfalls in dem Holzhäuschen angeboten. Auf die Wirtschaftlichkeit der Hütte, die der Zimmerer eigenhändig und aus seinem eigenen Holz in die Höhe gezogen hat, kommt es nicht an. 

Heinritzi genießt vielmehr den engen Kontakt, den er nun zu den Verbrauchern hat. Und die wiederum sehen, woher die Milch stammt, denn wenige Meter von der Hütte entfernt befindet sich der neue große Laufstall, auch diesen hat Heinritzi eigenhändig mit Holz aus seinem Wald errichtet. Unmittelbar um den Stall herum: Weiden, rund zehn Hektar, auf denen das Fleckvieh jeden Sommer verbringt und grast, Weidehaltung eben. „Ich mache das Tor auf, und sie kommen raus“, lächelt Heinritzi. Mit Gentechnik will der Landwirt nichts zu tun haben, daher bekommen seine Damen nur Heu, Silage, Kraftfutter, Grasdrops und frisches Gras zum Wiederkäuen zwischen die Zähne. Im Winter bleiben die Kühe im Laufstall, doch auch dort kauen die Damen entspannt auf ihrer Silage herum und geben bereitwillig Milch, vielleicht, weil sie von dort aus auf die im Frost glitzernden Halme und die überzuckerten Berge blicken können. ra

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