Malle ist gestrichen

„Hannis Eismärchen“ drückt auf die Klimabilanz / Ab 2020 nur noch Ökostrom 

Großen Zuspruch findet „Hannis Eismärchen“ vor allem beim Penzberger Nachwuchs, doch für den winterlichen Zauber auf dem Stadtplatz verbraucht allein die Eismaschine tausende Kilowattstunden Strom und stößt damit einige Tonnen Kohlenstoffdioxid aus.

Penzberg – Seit Wochen ist Tag für Tag Kinderlachen auf dem Stadtplatz zu hören.  Der Nachwuchs strömt zu „Hannis Eismärchen“, um mit Kufen unter den Sohlen über die Eisfläche zu flitzen. Dabei denkt wohl kaum jemand daran, wie viel Strom der ganze Spaß verbraucht.

Manche haben ja gesagt, es sei Etikettenschwindel, wenn der Stadtrat nächtelang übers Klima debattiert, einräumt, dass es schon später als fünf vor zwölf sei, den Klimanotstand aber trotzdem nicht ausrufen mag. Dass man sich statt dessen auf eine Klimaoffensive geeinigt hat, weil das netter klingt, erweist sich nun als unschätzbarer Vorteil. Denn „Hannis Eismärchen“ bringt der Stadt zwar viel Spaß, ist unter Klima-Aspekten aber eine kleine Dreckschleuder, wie man nun im Rathaus einräumen musste: 25,6 Tonnen Kohlenstoffdioxid sind kein Pappenstiel, dafür kann man oft nach Mallorca fliegen. 

Konrad Kürzinger, ein Naturfreund und alleine deshalb schon ein überzeugter Umweltschützer, hatte sich an Bürgermeisterin Elke Zehetner mit der Bitte nach Auskunft über den von „Hannis Eismärchen“ verursachten Stromverbrauch und die daraus resultierende Kohlenstoffdioxidbilanz gewandt. Naja, was will man sagen? Kürzinger hatte ganz bewusst darauf hingewiesen, dass er keine Spaßbremse sein möchte, weil auch ihm bewusst ist, wie sehr das Eismärchen die Akzeptanz der Penzberger (die sich ja immer beschweren, in ihrer Stadt sei nichts los) findet. Aber wenn man es mit dem Klimaschutz ernst meine, so Kürzinger, „müssen wir als Individuen und als Gesellschaft unser Handeln hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks transparent machen“. 

Das hat Rathauschefin Zehenter auch getan: Bei den letzten bereits feststehenden Abrechnungsdaten aus den Jahren 2017/2018 hat „Hannis Eismärchen“ 43.700 Kilowattstunden an Strom verbraucht, schreibt Zehetner. Nehme man den derzeitigen Bundesmix von 588 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilowattstunde als Berechnungsgrundlage, dann bedeute dies, dass die Eisbahn auf dem Stadtplatz für einen Kohlenstoffdioxidausstoß von 25,6 Tonnen verantwortlich sei. Dass dies nicht wenig ist, räumt auch die Bürgermeisterin ein, weshalb sie für die Zukunft Besserung gelobt: „Ab dem Jahr 2020 wird Ökostrom für das Eismärchen geliefert.“ 

Konrad Kürzinger freute sich zwar über die prompte Antwort aus dem Rathaus, er wollte die von dort gelieferten Zahlen dann aber doch in einen Vergleich stellen. Die vom Eismärchen verursachten 25,6 Tonnen an Kohlenstoffdioxidausstoß entsprächen nämlich dem jährlichen Stromverbrauch von etwa 14,5 Dreipersonenhaushalten. Dafür könne man aber auch 42 Mal von München nach Mallorca und wieder zurück fliegen. Und Kürzinger rechnet weiter: Die knapp 26 Tonnen an Kohlenstoffdioxid werden von 960 ausgewachsenen Fichten oder 860 Buchen pro Jahr aufgenommen, was einer Waldfläche von etwa zwei Hektar oder drei Fußballfeldern entspreche. „Die Klimaauswirkungen von Hannis Eismärchen sind also durchaus beachtlich“, schlussfolgert Kürzinger. Wolle man das Kufenspektakel auf dem Stadtplatz klimaneutral gestalten, dann müssten dafür 42 Penzberger dazu gebracht werden, auf einen Urlaubsflug zu verzichten. Wahlweise stünde der Stadt die Option offen, zwei Hektar neuen Wald zu pflanzen. „Irgendwann werden die städtischen Flächen dafür knapp werden“, schreibt Kürzinger an Zehetner und fügt hinzu: „Man sieht, wir können nicht grenzenlos kompensieren, wir kommen vielmehr nicht umhin, uns mit dem Verzicht anzufreunden, und zwar schon sehr bald.“ Kürzinger sieht deshalb „die Politiker“ in der Pflicht, „dies den Bürgern auch klar zu sagen“. Ob die Stadt den Kohlenstoffdioxidausstoß „an anderer Stelle“ einsparen könne, vermag Kürzinger nicht zu sagen. Für ihn verdeutlicht dieses Dilemma aber recht gut, „wie dringend nötig die kürzlich vom Stadtrat beschlossene Klimaoffensive ist“. Bei jeder größeren städtischen Maßnahme müssten, gleichwertig zu den finanziellen Kosten, auch die Klimakosten mit bedacht werden. Kürzinger fordert deshalb: Das müsse der Bevölkerung auch transparent gemacht werden, wolle man die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen ganz allgemein steigern. „Wir treten gerade in eine Zeit ein, da man die Menschen nicht mehr in erster Linie mit Annehmlichkeiten beschenken, sondern sie mit Zumutungen konfrontieren muss“, schreibt Kürzinger an Zehetner. 

Und er weiß: Mit den 43.700 Kilowattstunden an Stromverbrauch und den 25,6 Tonnen Kohlenstoffdioxidausstoß wird es diesmal nicht getan sein: Dafür waren die Tage vor Weihnachten einfach viel zu warm. Die Eismaschine musste auf Hochtouren laufen: Penzbergs Kufenflitzer haben es genossen, Klimaschützer wie Konrad Kürzinger aber haben irgendwann mit dem Hochrechnen aufgehört. Man will ja keine Spaßbremse sein. la

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