Verkehrszwänge

Dorferneuerung in Benediktbeuern votiert bei der Asamstraße für eine Planänderung

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Die alte Kastanie (obere Bauminsel) auf der Verkehrsinsel zur Dorfstraße bleibt möglicherweise erhalten.

Benediktbeuern – Eine Straße mit Aufenthaltsqualität, verkehrsberuhigt und mit viel Grün, das schwebte dem beauftragten Ingenieurbüro Heubeck bei seiner Neuplanung für die Asamstraße vor. Weil die Parallelstraße der Benediktbeurer Dorfstraße aber eine zentrale Verkehrsachse zwischen Unterdorf und Oberdorf darstellt, insbesondere auch für landwirtschaftliche Fahrzeuge, gibt es von Seiten der Gemeinde und Anwohner hierfür wenig Zustimmung. In ihrer jüngsten Sitzung diskutierte die Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung unter Vorsitz von Peter Oster vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) die Pläne und beschloss, dem Gemeinderat zahlreiche Änderungen der Planung vorzuschlagen.

Es war eine Mammutsitzung, welche die Vertreter der Dorferneuerung im Rathaussaal abhielten. Alleine zwei Stunden nahm die Asamstraße in Beschlag, denn Peter Oster hatte zahlreiche Stellungnahmen des ALE zum Vorentwurf des Planungsbüros mitgebracht. Anders als bei der Dorfstraße fungiert hier die Gemeinde als Bauherr, die Teilnehmergemeinschaft muss als fördernde Stelle eine Lösung mittragen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse, denen die Asamstraße gerecht werden soll, unter einen Hut zu bringen, scheint jedoch nicht ganz einfach zu sein. So soll etwa der Verkehr gut abfließen können, aber zugleich beruhigt werden. Mehr parkende Autos will man verhindern, weshalb die vorgesehenen acht Baum­inseln weniger aus ökologischem Blickwinkel betrachtet, sondern mehr als Einladung zum Parken angesehen wurden. Hanns-Frank Seller mutmaßte angesichts des vielen Blattwerks, Planer Heubeck habe wohl „seinen grünen Daumen entdeckt“ und betonte, die Entscheidung liege letztlich bei der Gemeinde. 

Für den geplanten Fußgängerweg sieht das ALE zwingend eine Mindestbreite von 1,20 Meter als erforderlich. Am liebsten solle der Gehsteig durchgehend verlaufen, statt mit der Überquerung der Straße eine Gefahrenstelle aufzuweisen. Weil betroffene Eigentümer jedoch weder Grunderwerb noch Flächentausch zustimmten, kann die Gemeinde dies nicht realisieren. Somit muss die Fahrbahn verschmälert werden, die begrünbaren Engstellen müssen entfallen. Die acht Bauminseln fanden als „Verkehrshindernis“ und „Einladung zum Parken“ ohnehin wenig Anklang. Auch sind wohl manche der eingezeichneten Standorte gar nicht möglich, etwa wegen kreuzendem Lieferverkehr oder weil dort Leitungen verlaufen. 

Auf mehr Zustimmung in der Runde stieß die Idee, mit öffentlichen Mitteln heimische Obstbäume in private Vorgärten zu pflanzen. Dazu braucht es allerdings Anlieger, die bereit sind, einen solchen Baum für mindestens zwölf Jahre auf ihrem Grund stehen zu lassen. Dem Plan dampfte die Teilnehmergemeinschaft deshalb auf nur noch drei neue Bäume ein. Neben jenen an den beiden Einmündungsstellen zur Dorf- und Kreisstraße soll ein Exemplar als optische Bremse auf dem von Christian Höck als „Rennstrecke nach dem Knick“ bezeichneten Straßenabschnitt fungieren. 

Von einem, den vielen Ausfahrten geschuldeten, mehrfachen Wechsel zwischen Hoch- und Tiefbord des Gehwegs riet Oster ab. Die sich ständig ändernde Querneigung sei für auf Rollstuhl oder Rollator angewiesene Passanten ungünstig. Forciert wurde stattdessen ein überfahrbarer Gehsteig, welcher allerdings eine erhöhte Rücksichtnahme von Autofahrern voraussetzt, insbesondere in der Begegnungssituation von zwei Fahrzeugen und zusätzlichen Fußgängern. Ferner gab das ALE zu bedenken, statt eines Grünstreifens entlang der Straße einen Mineralbeton mit pflegeleichtem „grünen Flaum“ einzubauen. Ein Dorn im Auge sind Oster zudem die zahlreich vorhandenen Beton-Mauersockel an Gartenzäunen, weshalb er deren Entfernung durch eine projektbegleitende Förderung schmackhaft machen wollte. „Das Gesamtbild wäre bei Garten mit Holzzaun und Grünstreifen sicher dorftypischer als die jetzigen Betonsockel“, warb er. 

In einigen Punkten wie Bodenproben, Entsorgungskosten, Bodendenkmälern und Entsiegelungsfläche muss die Gemeinde dem ALE noch detailliertere Angaben mitteilen. Der nördliche Bereich der Planung wurde auf Eis gelegt, da dieser mit der Planung für die Dorfstraße abgestimmt werden muss. Zum einen müsse der Kreuzungsbereich funktionieren, zum anderen wolle man beide Straßen gestalterisch aufeinander abstimmen, erläuterte Oster. Laut den beiden Planungsbüros solle der Pflasterbelag zueinander passen, jedoch auch die Wertigkeit der beiden Straßen widerspiegeln. Bei einer Exkursion nach Marktoberdorf und Umgebung hat sich die Teilnehmergemeinschaft ein Bild von gelungenen Pflasterbelägen vergleichbarer Dorfprojekte gemacht und die Erkenntnisse nach Benediktbeuern mitgenommen. cw

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