Zweimal Zukunft

„Fifty Fifty“: Schülertheater stimmt nachdenklich

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Für die Optimisten steht fest: Plastikmüll ist in der Zukunft kein Problem mehr.

Penzberg – Neon trifft auf Schwarz, Optimismus auf Pessimismus, blinde Hoffnung auf absolute Resignation: Die Theater-AG des Penzberger Gymnasiums brachte ein Stück auf die Bühne, das so tragisch wie komisch war und das Publikum mit nachdenklicher Miene in den Abend entließ.   

Der kreative Stolz lässt sich nicht einfach ablegen: Die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Penzberger Gymnasiums wagte sich in diesem Jahr zwar nicht an die Aufführung eines selbst geschriebenen Stücks heran, doch die Tragikomödie „Fifty Fifty – wie die Welt wird“ aus der Feder von Volker Zill wollten die Schüler nicht eins zu eins auf die Bühne bringen. Und so wurden kurzerhand einige Szenen und Textpassagen abgeändert. Heraus kam eine Aufführung, die noch nachhallte. 

Auf den ersten Blick schien das Stück keine große Herausforderung zu sein: die Gymnasiasten sollten in eine Rolle schlüpfen, welche sie tagtäglich einnehmen, in die von Schülern. Doch die Handlung hatte es in sich: Die Schüler sitzen in einem Klassenzimmer, die Freude ist groß, der Ethiklehrer erscheint nicht und eine Vertretungsstunde verspricht Entspannung und Leere im Kopf. Doch dann werden die Köpfe doch gefüllt, mehr, als dem ein oder anderen lieb ist. 

Nur widerwillig setzen sich die jungen Menschen mit ihrer Zukunft auseinander. Und ehe sich die Klasse versieht, ist sie in zwei Gruppen gespalten. Da sind zum einen die Optimisten, die glauben, dass sich alle Lebensbereiche positiv entwickeln werden, selbst die technischen Neuerungen, die wie Walzen über die Menschheit rollen. In neonfarbenen T-Shirts mit „High-tech-Brillen“ auf der Nase stellen sie die bessere Zukunft dar, in der es nur so vor St. Martin-Menschen wimmelt: hilfsbereit, herzlich, selbstlos. Selbst das Müllproblem ist passé. Der letzte Abfall der Erde, verkörpert von in Plastiktüten gehüllten Schauspielern, wird von Multicleanern entsorgt, der Planet kann wieder atmen. Und Schule ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. In 30 Jahren kann man in der „Wohlfühl-Schule“ den Unterricht freiwillig besuchen, in die Ferien gehen, wann man will, oder im Wellness-Bereich statt auf der Schulbank sitzen. Und natürlich sind Lehrer und Schüler per Du. 

Auf der anderen Seite formiert sich eine Gruppe aus Pessimisten, die vom Schlimmsten ausgehen. Die Zukunft ist für die Schwarzseher böse und verdorben. Es herrscht Gewalt, welche die Schüler in brutalen Szenen vor Augen führen. Während die Optimisten in blendenden Shirts der blendenden Zukunft entgegensehen, tragen die Pessimisten schwarze Kleidung, die über muskelbepackte Körper gespannt ist. Körper, mit denen sich die Gruppe für die Zukunft zu wappnen scheint. Sie klagen laut und klagen an, nämlich die Menschen, die den Planeten geschändet und ihr Verhalten nicht rechtzeitig geändert haben. ra

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