Preißngockl im Wahlkampf

Gelungene Premiere der Komödie „d’Wahl-Lump’n“ in der Heimatbühne

+
Dass die Kampagne der Wahlhelfer gegen den pfiffigen Herausforderer Stüder ausreicht, bezweifelt Bürgermeister Irlbacher.

Kochel – Wenn die Spieler selbst Spaß haben, gefällt das auch dem Publikum. Diese alte Bühnenweisheit haben Regisseur Friedl Söhl und seine Akteure vom Theaterverein Kochel bei der Premiere der Komödie „d’Wahl-Lump’n“ in der Heimatbühne, wenn auch nur vor rund 100 Zuschauern, wunderbar umgesetzt.

Etwas später als üblich startete der Theaterverein in die neue Saison. „Wir wollten zeitnah an der Kommunalwahl sein“, erklärte Regisseur Söhl, der als Premierengäste auch den amtierenden Rathauschef Thomas Holz begrüßte. Dieser konnte die Vorstellung ganz entspannt genießen, denn anders als sein Bühnenpendant, muss Kochels Bürgermeister bis dato nicht mit einem Gegenkandidaten rechnen, schon gar nicht mit einem Preußen. 

Den uralten Zwist zwischen Bayern und Preußen haben schon viele Komödienschreiber für den Erfolg ihrer Werke genutzt, dennoch kommen die Lacher nicht von alleine. Dazu braucht es Spieler, die ihre Rolle glaubhaft verkörpern und mit Leidenschaft ausfüllen. Den Kochler Theaterern ist dies gelungen – und zwar von den Hauptrollen bis zu den Nebenfiguren. Da ist etwa Peter Heimbeck, der zuerst den selbstzufriedenen, in seinem Sessel fläzenden Bürgermeister gibt, dann aber angesichts des unerwarteten Gegenkandidaten nervös im Viereck springt, von Selbstzweifeln geplagt Rat bei seiner Gattin (Marlene Heimbeck, als Fäden in der Hand haltende Kontrollinstanz) sucht und seinem Gemeindebeamten Wimmerl plötzlich Druck macht. Dessen Rolle scheint übrigens Hans Rauch auf den Leib geschneidert, denn dieser spielt den loyalen Wimmerl so inbrünstig und lebensnah, dass man meinen könnte, im Kochler Rathaus, wo Rauch lange Jahre Geschäftsleiter war, sei es genau so und nicht anders zugegangen. 

Wer spielt den Preußen? Das dürfte Kennern der Theatergruppe kein großes Rätsel gewesen sein, denn Hellmuth Schönsteiner hat sich in den letzten Jahren als sehr wandelbarer Schauspieler gezeigt. Als Nordlicht Gustav Stüder überzeugt er sehr charmant und ist in der hanseatischen Aussprache so konsequent, dass an seiner hiesigen Herkunft durchaus Zweifel aufkommen könnten. Quasi einen Gegenpart stellen die kracherten bayerischen Weiber dar, allen voran Maria Schretter als Kramerin Apolonia Hanftl und Marianne Seybold als Großbäuerin Maria Villmayrin, die als scheltende Furien dem Charme des weltgewandten Städters erliegen und mädchenhaft dahinschmelzen. Benedikta Lautenbacher dagegen geht als Bedienung Rosa Datschl dem Gsodmoar (Andreas Rauch) so unverblümt an die Wäsche, dass dem Feuerwehrhauptmann nicht nur vom Schnaps warm wird. Einen Betrunkenen zu mimen, kann bei Übertreibung leicht in Klamauk kippen, Andreas Rauch meistert die Gratwanderung jedoch und spielt den etwas einfältigen Fonsi trefflich. Auch die übrigen einheimischen Mannsbilder hat Peter Landstorfer in seinem Stück als bauernschlaue Einfaltspinsel angelegt, die von Ralf Beer (Bauer Heignmoser), Hubert Schwaller (Bauer Kruznbichler) und Stefan Oppowa (Pfannenflicker Henschl) genauso verkörpert werden. 

Die Komödie bedient sich als klassisches Volksschauspiel munter aus der Klischee-Kiste. Der bräsige, veränderungsscheue Bürgermeister, der vor dem Weißwurstfrühstück nicht gestört werden darf, bringt ebenso viele Lacher ein wie der formularwütige Beamte, der Stempel und Stifte im rechten Winkel auf seinem Pult anordnet. Auch beim Schlagabtausch auf Kosten der „Zuagroastn und Dabliebm“ kommt im Publikum Freude auf, etwa wenn der Irlbacher feststellt, dass er im Rededuell gegen den „Preißngockel“ keine Chance hat, weil „a Bayer lieber sei Mei hoit, bevor er an Scheiß redt, und a Preiß lieber an Scheiß redt, statt sei Mei hoit“. Flach gerät der Drei-Akter jedoch nicht, dafür enthält er zu viele Körnchen Wahrheit vom Politparkett. Als die Bürgermeistergattin in einem schlauen Buch eine Muster-Wahlrede nachschlägt, die als Inhalte Bürgernähe, weniger Bürokratismus und Förderung des Brauchtums sowie der Vereine vorschlägt, wird aus lautem Lachen ein leises Schmunzeln. Auch dass sich die Wahlreden kaum voneinander unterscheiden, weil jeder Kandidat sich die Ziele des anderen auf die eigene Fahne schreibt, erscheint selbst im Bühnenlicht nicht wirklich überzeichnet. Da war im Übrigen der Zeitpunkt gekommen, als der textsichere Hellmuth Schönsteiner eine kurze Pause einlegen und ein Lachen unterdrücken musste. In seiner Rolle als preußischer Neubürger forderte er nämlich, das bayerische Brauchtum müsse „geschützt werden vor dem Einfluss Nicht-Ansässiger“, was das Publikum mit spontanem Zwischenapplaus quittierte. 

Nach einem angesichts der Wahllumperei auf beiden Seiten überraschenden Ausgang, endet die Komödie mit einer durchaus tiefsinnigen Feststellung. Diese wird aber nicht verraten, sondern kann bei einem Besuch der weiteren Vorstellungen von jedem selbst auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Dazu gibt es in der Heimatbühne noch die Gelegenheit am 12. und 26. Januar um 20 Uhr. Karten zum Preis von 10 Euro (Erwachsene) und 5 Euro (Kinder bis 14 Jahre) gibt es im Vorverkauf bei der Tourist Info Kochel am Bahnhof (Tel: 08851/338) und an der Abendkasse eine Stunde vor Spielbeginn. cw

  • 0 Kommentare
  • E-Mail
  • Merkliste
    schließen
  • Weitere
    schließen 503 Service Unavailable

    Hoppla!

    Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.

Auch interessant

Meistgelesen

Hündin stirbt nach Gassigang in Iffeldorf qualvoll
Hündin stirbt nach Gassigang in Iffeldorf qualvoll
„Eine ganz heiße Nummer“: Oberlandler brillieren mit bissig-schlüpfriger Komödie
„Eine ganz heiße Nummer“: Oberlandler brillieren mit bissig-schlüpfriger Komödie
Wolfgang Heubisch appelliert beim Dreikönigstreffen an die Herzen der FDP-Politiker
Wolfgang Heubisch appelliert beim Dreikönigstreffen an die Herzen der FDP-Politiker
In Schaufenstern der Innenstadt glänzt Faschingsnostaglie aus fünf Jahrzehnten
In Schaufenstern der Innenstadt glänzt Faschingsnostaglie aus fünf Jahrzehnten

Kommentare