Petition im Internet

Tierschützer schlagen Alarm: Sorge um die Gams am Heimgarten

Zwei Gämsen stehen an einer Felswand.
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Die Gams ist eine Ikone der Alpen.

Kochel – Die Region um den Heimgarten ist zum Schauplatz einer Tragödie geworden: Tierschützer machen sich Sorgen um die Gams. Noch bis zum 31. Dezember läuft unter www.change.org die Petition „Rettet die Gams“.

Nicht nur die Jagd auf die Gams führt zu einer Reduzierung der Bestände. Während viele heimische Jäger das Maskottchen der Alpen schonen möchten, sieht der Forst in ihm einen Schädling, der Verbissschäden an ihren Setzlingen und Jungbäumen anrichtet. Dabei ist bekannt, dass die Aufhebung der Schonzeiten, die Einengung ihrer Lebensräume und nicht zuletzt ein noch nie dagewesener Touristenstrom einher gehen mit dem Schadensausmaß an den Bäumen. „Wald vor Wild“: Mit dieser Devise hat die Forstwirtschaft das Tauziehen um Wildtiere hierzulande stets gewonnen. Wären da nicht Wanderer und Naturschützer, die einen dramatisch sinkenden Bestand vor allem der Gämsen verzeichnen würden. Quasi vor der Haustür ist der Heimgarten, zum Schauplatz eines leisen Sterbens geworden.

Miller: „Todeszone“

Die Wildtierbiologin und Naturschützerin Dr. Christine Miller vom Verein Wildes Bayern prangert an, dass dort die Gämsen „in eine Knochenmühle geraten“ seien. Im Süden ab der Ohlstädter Alm wurde laut Miller eine „Todeszone“ erst im vergangenen Jahr erweitert. Der Forstbetrieb Bad Tölz schießt hier das ganze Jahr über auf Gämsen. Im Westen grenzen „Eigenbewirtschaftungen“ unter forstlicher Leitung an, die laut Miller ebenso in die Bestände eingreifen. Nicht nur am Heimgarten wurde vor zwei Jahren die Schonzeit aufgehoben. „Rund hundert Gebiete in Bayern sind davon betroffen“, so Miller. Normalerweise dauert die Schonzeit vom 16. Dezember bis 31. Juli. Die Aufhebung bedeutet, dass das Wild ganzjährig geschossen werden darf.

Christine Miller vom Verein Wildes Bayern.

Mit der Petition wirbt der Verein um breite Unterstützung von Bergwanderern und Naturfreunden, von denen bislang viele nichts von der Not der Tiere wussten. Auch nicht davon, dass die Gams im Oktober sogar auf die „Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands“ gerutscht ist. Die Experten des Rote-Liste-Zentrums am Bundesamt für Naturschutz nennen die Gründe für den dramatischen Rückgang der Art deutlich: „Durch die gebietsweise Aufhebung der Schonzeiten und stärkere Bejagung, die mit waldbaulichen Zielen begründet wird, aber oft ohne Rücksicht auf Alters- und Geschlechterstruktur stattfindet, nehmen die Bestände in Bayern vielerorts ab.“ Der Verein Wildes Bayern sowie die „AkTIERvisten Oberland“ fordern ein fundiertes Monitoring. „Nur wenn wir wissen, wie viele Tiere es gibt, ihre Alters und Geschlechterstruktur kennen, einen Überblick darüber haben, wie viele Junge sie jährlich bekommen und wie es um ihre Gesundheit bestellt ist, können wir Maßnahmen ergreifen“, so die Kochlerin Sylvia Arlette Greif von den „AktTIERvisten“.

Diensteifrige Politik

Die Politik indes gibt sich diensteifrig: Seit 2016 bereits laufe im Karwendel und an der Kampenwand ein Forschungsprojekt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben Bad Tölz und Ruhpolding der Bayerischen Staatsforsten. So zumindest die Verlautbarung der Staatsforsten. Noch vor einem Jahr ließ Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) mitteilen, dass erste Ergebnisse auf stabile und vitale Populationen hindeuteten. Jetzt gibt selbiges Ministerium 400.000 Euro für ein weiteres Projekt aus. In einer Pressemitteilung heißt es: „Der Freistaat will seine Spitzenposition in der Gamsforschung weiter ausbauen.“ Auftragnehmer ist die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Laut Ministerium wende es eine neuartige Forschungsdisziplin, die „Landschaftsgenetik“, an. „Dabei gewinnen die Forscher aus Gewebeproben erlegter Gämsen genetische Informationen, die zuverlässige Aussagen zur genetischen Vielfalt, zur räumlichen Verteilung und zu den Wanderrouten der Tiere liefern. Diese geben Rückschlüsse auf Populationsgröße und Populationszusammensetzung“, heißt es in der Presseinformation.

Runder Tisch angeregt

Wildtierbiologin Miller hält davon gar nichts. „Im Grunde genommen wiederholen die meine Doktorarbeit von vor 30 Jahren“, so die Tierschützerin. Ihre Vorgehensweise beim Monitoring hingegen koste nur ein Zehntel und lasse stichhaltige Rückschlüsse auf den Gamsbestand zu. Fanden Millers Erkenntnisse bislang nur wenig Widerhall, meldete sich vor einigen Wochen Florian Streibl, Mitglied des Landtags und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, im Plenum als Unterstützer der „sympathischen und weithin bekannte Ikone des Alpenraums“ zu Wort. Streibl fordert einen „Runden Tisch Gams“. Auch er habe den Eindruck, dass das vom Landwirtschaftsministerium beauftragte Institut nur „sehr selektiv“ vorgehe. „Darüber hinaus fällt mir auf, dass der Forst die Wildtiere nur als Schädling betrachtet.“ Eine ganzheitliche Herangehensweise sei unabdingbar. Letztlich brauche es die Eingabe von Praktikern – von Menschen, die direkt vor Ort leben und arbeiten und nicht graue Theorie aus dem Labor.

Gespräch mit Minister

Der Oberammergauer Streibl versprach, in dieser Angelegenheit gleich im Januar das Gespräch mit Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) zu suchen, um im Umweltministerium für eine stärkere Unterstützung der Gams zu werben. „Wenn wir jetzt nichts für den Erhalt der Gams tun, wäre es so, als würden in Norddeutschland die Robben aussterben.“ Sandra Gerbich

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