Bis die Nähte platzen

Auf der Suche nach einem Grundstück: Karin Ratzek-Endreß möchte ein Tierheim in Penzberg errichten

+
Tausend Euro von der Stadt: Bürgermeister Stefan Korpan überreicht Karin Ratzek-Endreß den Spendenscheck für den Tierschutzverein.

Penzberg – Da sitzt sie auf der Bank zum Vorzimmer des Bürgermeisters. Auf ihrem Mundschutz sind viele bunte Katzen gedruckt. Karin Ratzek-Endreß, Vorsitzende des Tierschutzvereins Penzberg, wischt Bilder auf ihrem Smartphone hin und her, bis ein Video erscheint. Darin filmt sie die 16 Babykatzen, die sie gerade bei sich zuhause aufpäppelt, versorgt und streichelt. Ratzek-Endreß bekommt gleich die jährliche Spende vom Tierschutzverein Penzberg überreicht. Doch als sie im Zimmer des Bürgermeisters sitzt, wagt sie gleich einmal einen Vorstoß, der Bürgermeister Stefan Korpan keineswegs missfällt.

Der große Scheck über eine Summe von 1.000 Euro liegt auf dem Tisch im Bürgermeisterbüro. Das Geld ist bereits überwiesen. Der Rathauschef überreicht das großformatige Papier nur noch symbolisch Karin Ratzek-Endreß. Normalerweise, so sagt er, übergebe man den Scheck ja beim Sommerfest. Doch dieses musste wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Stefan Korpan zeigt sich dankbar, dass sich der Tierschutzverein für das Wohl von Hund, Katze und Co. einsetzt, von der Entgegennahme von Fundtieren über die ärztlichen Versorgung bis zur Unterbringung und schließlich Vermittlung. „Das Engagement ist nicht selbstverständlich, aber wichtig“, sagt der Bürgermeister. Ratzek-Endreß lächelt. Und das fällt ihr nicht immer leicht, denn gerade hat sie, die sich neben ihrem Beruf ehrenamtlich für die Tiere einsetzt, eine 80 Stunden-Woche, wenngleich sie auf zwei Helferinnen und zwei Fahrerinnen setzen kann. Allein in diesem Jahr hatte es die Tierschützerin schon mit etwa 400 Tierschutzfällen zu tun, im vergangenen Jahr waren es insgesamt an die 800. Korpan reißt die Augen auf, als er diese Zahl hört. Ebenso Rathaussprecher Thomas Sendl an dessen Seite. „Ist es schwierig, aktive Mitglieder zu gewinnen“, fragt Sendl da. „Ja“, sagt Ratzek-Endreß, ohne lange nachzudenken. Immerhin brauche sie Menschen, die diese Arbeit nicht für sie, sondern für die Tiere machen. „Ich würde mir ein Tierheim wünschen“, sagt Ratzek-Endreß schließlich, eines, das nicht von der Stadt, sondern von einer Stiftung geleitet wird. „Ich hätte schon einen Sponsor“, meint sie. Und rasch zückt Korpan einen Stift, um sich das Anliegen zu notieren. Was genau er schriftlich festhält, verrät er nicht, doch bei 800 Fällen im Jahr finde er das Thema schon wichtig, wie er sagt. An Geld, so legt Ratzek-Endreß nahe, dürfte ein solches Vorhaben dank Sponsor also nicht scheitern, jedoch fehle ein Grundstück, das genügend Fläche für die Unterbringung und Quarantäne bietet, vor allem für Katzen, aber auch für Fundhunde, welche vorübergehend in Zwingern aufgenommen werden müssen. 

Momentan gleicht derweil Ratzek-Endreß‘ Zuhause einem kleinen Tierheim. Im Garten stehen ein Kaninchenstall und Käfige für Schildkröten, beide Unterbringungen sind derzeit leer, aber Ratzek-Endreß weiß, wie schnell sich das ändern kann. Unmittelbar unterm Dach ihres Hauses beherbergt die Vorsitzende des Tierschutzvereins gerade 16 Babykätzchen und am Hauseingang in einem Käfig ein einsames Papageienmännchen. „Ich hab in Leipzig ein Weibchen gefunden, aber wer fährt es zu dorthin?“, fragt Ratzek-Endreß keine Antwort erwartend. 

Ein volles Haus mit viel Arbeit. „Ich mache das gerne, aber wenn jetzt noch was reinkommt...“, sagt Ratzek-Endreß und bricht den Satz ab. Wenn jetzt noch was reinkommt, dann platzt das Haus vermutlich aus allen Nähten. ra

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Teststation auf der Berghalde: Reduzierte Öffnungszeiten
Corona-Teststation auf der Berghalde: Reduzierte Öffnungszeiten
Penzberg: Turnhalle-Sanierung wird teurer und dauert länger – das hat zwei Gründe
Penzberg: Turnhalle-Sanierung wird teurer und dauert länger – das hat zwei Gründe
Am Kesselberg: Biker stürzt und landet in der Klinik
Am Kesselberg: Biker stürzt und landet in der Klinik
Landkreis Weilheim-Schongau: Sieben neue Corona-Fälle - einer davon in Penzberg
Landkreis Weilheim-Schongau: Sieben neue Corona-Fälle - einer davon in Penzberg

Kommentare