Nur 41 Stimmen Vorsprung

Toni Ortlieb gewinnt die Bürgermeisterstichwahl gegen Hanns-Frank Seller hauchdünn

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Als fairer Verlierer gab sich Hanns-Frank Seller, (links), als er Toni Ortlieb zu seinem Sieg in der Stichwahl gratulierte.

Vier Monate nach dem Tod von Hans Kiefersauer hat Benediktbeuern wieder einen Ersten Bürgermeister.  Mit einem Vorsprung von gerade mal 41 Stimmen auf Hanns-Frank Seller konnte Toni Ortlieb das Rennen um den Chefsessel im Rathaus letztlich für sich entscheiden.

Fünf Minuten vor Schluss landeten noch Wahlumschläge im Rathausbriefkasten, die letzten Wähler betraten zwei Minuten vor sechs das Wahllokal. Spannend blieb es auch während der Auszählung, als in allen vier Räumen beide Papierstapel nahezu gleichmäßig anwuchsen. Im Vorraum des Sitzungssaals traten beide Kandidaten nebst ihren Frauen von einem Fuß auf den anderen, und auch im Saal war die Anspannung spürbar, als endlich Geschäftsleiter Franz Pölt den Raum betrat, gefolgt von Toni Ortlieb und Hanns Frank Seller. Letzterer ließ sofort die Bombe platzen und rief: „Ihr könnt dem Toni gratulieren.“ So blieb Pölt nur das Verkünden der nackten Zahlen. Zunächst begrüßte Pölt aber die zahlreich erschienenen Benediktbeu­rer und meinte sarkastisch, es seien ja „fast mehr Leute herinnen als bei der Wahl waren“. Nach der Wahlbeteiligung von 68 Prozent im ersten Wahlgang hatten sich nämlich nur noch rund 65 Prozent zwischen Ortlieb und Seller entscheiden wollen. Als Zünglein an der Waage erwies sich dabei das Unterdorf, denn im Wahlbüro des Pfarramtes hatte Seller knapp die Nase vorn, während sich in der Gästeinfo 64 Zettel mehr auf Ortliebs Stapel auftürmten. Schlussendlich reichte das Plus von 41 Stimmen für einen äußerst knappen Sieg mit 51,05 Prozent der gültigen Stimmen für Ortlieb. Der nur haarscharf unterlegene Seller gratulierte seinem Kontrahenten zuerst. Er freue sich, dass die Interimszeit nun vorbei sei und das Dorf wieder einen Bürgermeister habe, denn als Stellvertreter sei man „nicht Fisch nicht Fleisch“, sagte der 57-Jährige. Das Konzept, von Haus zu Haus zu gehen, habe seinem Konkurrenten sicherlich Stimmen eingebracht, glaubt Seller, zumal es im Dorf durchaus Leute gebe, die einen gar nicht kennen. Ortlieb sei nun sieben Jahre im Amt, viel Neues „wird aber nicht kommen, weil der Gemeinderat thematisch schon Vieles auf den Weg gebracht hat“, meinte Seller und fügte hinzu: „Ich werde gut mit Anton zusammenarbeiten.“ Für seine Aussage „Die Bürger haben entschieden und sie haben gut entschieden“ erhielt Seller anschließend lang anhaltenden Applaus. „Mi gfreits narrisch“ strahlte derweil Toni Ortlieb und dankte seinen Wählern. Er wolle mit allen gut zusammenarbeiten, die bisherigen Projekte „sauber weiterführen“, neue Projekte „sauber zusammen entwickeln“ und für die Rathausmitarbeiter ein guter Chef sein, kündigte der Vater dreier Buben an und erhielt dafür Bravorufe und jubelnden Applaus. Den überraschend knappen Ausgang müsse er erstmal sacken lassen, erklärte er, auch wolle er die andere Hälfte der Wähler „mit guter Arbeit“ überzeugen. Schon seit Dienstag kann der frisch gebackene Bürgermeister dies tun, da war nämlich sein Amtsantritt. Vereidigt wird Ortlieb, der am heutigen Mittwoch seinen 46. Geburtstag feiert, in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates am 22. Juli. Auch ein Nachrücker aus der Liste der Benediktbeurer Bürgervereinigung wird dann bestimmt. Vize-Bürgermeister bleibt Hanns Frank Seller und zwar bis zur Kommunalwahl 2020, bei der er „mit Sicherheit eine gute Liste für die CSU“ zusammenstellen will. Ob er selbst darauf stehen wird, ließ er offen, auch wenn seine 18-jährige Erfahrung dafürsprechen würde. Und wie geht es der neuen Frau Bürgermeister? „Oje, daran muss ich mich erst gewöhnen“, schmunzelte Elisabeth Ortlieb. Sie sei froh, dass die Zeit des Wahlkampfs jetzt vorbei sei und freue sich sehr, weil „der Toni das Zeug dazu hat und ein guter Bürgermeister wird“.cw

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