Protest vor dem Winterschlaf

Mit einem Fußmarsch demonstriert Walchensee gegen das Verkehrschaos

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Parken und Zelten direkt vor der Kirche St. Margareth auf der Halbinsel Zwergern: So was stinkt den Walchenseern.

Walchensee – Am kommenden Sonntag könnte am Walchensee Geschichte geschrieben werden: Dann findet dort die vermutlich erste Demonstration statt, die der türkisblaue Alpensee je gesehen hat.

Mit einer Versammlung und einem anschließenden Marsch samt Transparenten und Bannern wollen Bürger auf die immer wieder aufkommenden, nach wie vor ungelösten Themen des Übertourismus und der Verkehrs­problematik aufmerksam machen. „So kann’s nicht weitergehen“, findet Frank Sommerschuh, denn der „Overtourism“ an dem malerisch gelegenen See werde von Jahr zu Jahr schlimmer und immer extremer. „Es werden viele schöne Worte gesagt, aber gemacht wird nichts“, beklagt der Initiator der Veranstaltung. Das vor einem Jahr aus der Taufe gehobene „Entwicklungskonzept Walchenseeregion“, bei dem die Gemeinden Kochel und Jachenau gemeinsam mit Behörden und Interessensvertretern am Runden Tisch nach Auswegen aus dem Touristik- und Verkehrschaos suchten, nimmt er davon nicht aus. „Man redet und redet und redet, aber passiert ist seit diesem Tag nichts“, bemängelt Sommerschuh. Vielen Nachbarn und Einheimischen gehe es genauso, aber wie viele Menschen sich am Sonntag um 11.15 Uhr tatsächlich beim Strandcafé Bucherer einfinden werden, kann er noch nicht abschätzen. 

Den Weg für eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung hat er jedenfalls bereitet und die Versammlung ordnungsgemäß beim Landratsamt angemeldet. Begeisterung sei ihm dabei aber nicht entgegengeschlagen, berichtet Sommerschuh. Straßensperre und Konvoi wurden zwar verboten, ein Fußmarsch auf der Seestraße bis zum Gasthof Edeltraut ist hingegen erlaubt. Die Polizei wird den Bereich in beide Richtungen absperren, so dass für Autofahrer in dieser Zeit kein Durchkommen ist. 

Unter dem Slogan „Uns stinkt’s“ haben Bürger mehrere Transparente und Plakate vorbereitet, mit denen sie zwar niemanden persönlich angreifen, aber dennoch Tacheles reden wollen, und zwar noch bevor die Region wieder in den Winterschlaf versinkt. Wirksame Ahndung von Parkverstößen und ein richtiges Toilettenhäuschen sind nur einige Themen, die der Initiative unter den Nägeln brennen. Tirol mache es richtig, findet Sommerschuh und nennt ein Beispiel: „Dort müssen Falschparker 300 Euro zahlen und werden abgeschleppt.“ Ein anderes Thema ist die Regulierung des zum Teil viel zu großen Andrangs angesichts von nur 1.000 Parkplätzen am Südufer. Über ein digitales Erfassungssystem bei der Ein- und Ausfahrt der Mautstraße könnte man recht einfach die Besucheranzahl an die Parkkapazität anpassen. „Die Staatsforsten stellen sich aber quer, denn es geht ums Geld“, sagt Sommerschuh. Auch wenn die Gegend weitgehend vom Tourismus lebe, findet er: „Man muss nicht seine Seele an Ramschtouristen verkaufen, die kein Geld, sondern nur ihren Müll da lassen“. cw

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