Eine ziemliche Bugwelle

Erinnerungen an Benediktbeuerns verstorbenen Hans Kiefersauer

„Weil ich diesen Ort liebe“: Für Hans Kiefersauer bedeutete Benediktbeuern alles, deshalb wollte es als Bürgermeister auch noch einmal wissen.

Benediktbeuern – Am 13. März verstarb Benediktbeuerns Bürgermeister Hans Kiefersauer an den Folgen seiner Krebserkrankung. Eine Nachricht, die tiefe Betroffenheit im Rathaus und unter den Gemeinderäten auslöste.

Hans Kiefersauer hatte sich nach seiner letzten Reha-Maßnahme als geheilt betrachtet und wollte 2020 erneut zur Bürgermeisterwahl antreten. Ende Januar erkrankte er jedoch an einem schweren Infekt, der infolge seines geschwächten Immunsystems lebenswichtige Organe in Mitleidenschaft zog und zum Tod führte. 

Der selbständige Raumausstatter engagierte sich 29 Jahre lang in der Kommunalpolitik, von 1990 bis 2014 im Gemeinderat, davon ab 2002 als Vizebürgermeister und nach der Kommunalwahl 2014 als Rathauschef. Anfang 2016 hatte Kiefersauer seine Krebserkrankung öffentlich gemacht, nicht zuletzt deshalb, damit Gemeinderäte und Bürger seine Fehltage während notwendiger Behandlungen und Reha-Aufenthalte richtig einordnen konnten. Die Behandlungen schlugen gut an, im letzten Jahr wurde dann aber von den behandelnden Ärzten kurzfristig eine Operation anberaumt. Auch diese verlief erfolgreich, nach der anschließenden Reha-Maßnahme fühlte sich Hans Kiefersauer ganz gesund. „Sein ganz großes Ziel war die Wiederwahl im nächsten Jahr“, sagt seine Sekretärin Inge Ambrugger. Auf ihre Nachfrage, warum er bei seiner gesundheitlichen Vorgeschichte zur Wiederwahl antreten wolle statt sich zu schonen, habe Kiefersauer geantwortet: „Weil ich diesen Ort liebe.“ Selbst während seiner Chemotherapie zu Beginn seiner Erkrankung sei ihr Chef jeden Tag ins Büro gekommen, schildert Ambrugger. Sein Amt sei sein Motor gewesen und habe ihn über Krankheitsphasen hinweggetragen. Hanns-Frank Seller, Kiefersauers Stellvertreter, bestätigt dies. „Hans hat seine Krankheit mit äußerstem Mut und viel Selbstdisziplin ertragen“, sagt Seller anerkennend. „Dass er jeden Tag in sein Rathaus gehen konnte, war wichtig für ihn.“ 

Unter der Federführung von Hans Kiefersauer wurden in den vergangenen Jahren etliche Projekte angestoßen, wie der Bau des neuen Feuerwehrhauses, der behindertengerechte Umbau des Rathauses sowie der Glasfaserausbau und das Einheimischen-Modell. Mit besonders viel Herzblut habe Kiefersauer sich dem Kinderspielplatz im Gästepark gewidmet, berichtet Seller. „Es war so seine Art, sich leidenschaftlich für etwas einzusetzen, auch wenn er manchmal eine ziemliche Bugwelle vor sich hergeschoben hat“, erinnert er sich und meint damit wohl manch hitzig geführte Debatte, für die Benediktbeuerns Gemeinderat vor allem zu Beginn der aktuellen Amtsperiode bekannt war. Ähnlich äußert sich Rudi Mühlhans von der zweitgrößten Fraktion im Gemeinderat FBM. „Mit dem viel zu frühen Tod von Hans Kiefersauer verliert Benediktbeuern einen leidenschaftlichen Kommunalpolitiker, der für seine Überzeugung einstand, unabhängig davon, ob sie konsensfähig war“, sagt er und würdigt Kiefersauers großen Fleiß und Einsatz. Unvergessen, so Mühlhans, blieben auch seine traditionellen Reden in den letzten Gemeinderatssitzungen vor Weihnachten. 

Kiefersauer war ein barocker Mensch, ein richtiger Bayer eben, einer der gerne mal deftig hinlangte und, wenn er es für richtig hielt, auch kräftig austeilte. Er war keiner, der mit dem Florett kämpfte, wenn es der Säbel auch tat, eine Eigenschaft, die er in seiner Jugend als Außenverteidiger des TSV Benediktbeuern lernte und die er auch als Bürgermeister mitunter pflegte. Aber er konnte, typisch Außenverteidiger, auch einstecken. Und eine Niederlage war für ihn eine Niederlage und nicht etwas, das man im Nachhinein durch Trickserei in einen Sieg verwandelt. Als vergangenes Jahr die Benediktbeurer mehrheitlich das von Kiefersauer mit viel Herzblut angestrebte Gewerbegebiet im Lainbachwald abgelehnt hatten, da erklärte er umgehend, dass ein neuerlicher Anlauf, um dieses Ziel doch noch zu erreichen, nicht in Frage komme. Und, auch wenn es in Benediktbeuern vielleicht nicht jeder glaubt: Man konnte mit ihm in der Sache trefflich und bisweilen leidenschaftlich streiten und sich hinterher wunderbar vertragen. Man kam als Gegner und ging als Freund. Kurzum: Hans Kiefersauer war ein Mann mit Ecken und Kanten und er war gerade deshalb so besonders, weil es Menschen wie ihn in der Politik, in der kleinen wie der großen, heute kaum mehr gibt. cw/la

Auch interessant

Meistgelesen

Hörmann-Areal: Antrag der FLP erntet Kritik der SPD
Hörmann-Areal: Antrag der FLP erntet Kritik der SPD
Schließung von Hörmann Automotive in Penzberg: Überwältigende Resonanz auf Stellenportal des Rathauses 
Schließung von Hörmann Automotive in Penzberg: Überwältigende Resonanz auf Stellenportal des Rathauses 
Habacher Starkbierfest mit feiner Fastenpredigt
Habacher Starkbierfest mit feiner Fastenpredigt
Sondierungsgespräche gestartet
Sondierungsgespräche gestartet

Kommentare