Triebfeder des Friedens

Ernsthaftes Interesse am Dialog mit den Muslimen: Imam Benjamin Idriz, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Gönül Yerli, die Vizedirektorin des Islamischen Forum (von links).

„Wechselseitige Wertschätzung“ und „interreligiöser Dialog“ waren die Schlagworte, die Heinrich Bedford- Strohm bei seinem Besuch in Penzberg gebrauchte. Der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern war am Dienstag zu Gast im Islamischen Forum und wurde dort von Imam Benjamin Idriz sowie von Bayram Yerli, dem Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde, begrüßt.

Idriz und Bedford-Strohm schüttelten heftig die Hände, umarmten sich und sprachen von einer Freundschaft, die sie verbindet. Hochrangige Gäste waren anlässlich des Besuchs des Landesbischofs zur Penzberger Moschee gekommen. Vertreter von muslimischen Gemeinden aus Augsburg, München und Rosenheim, Gesine Weinmiller vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und nicht zuletzt die lokale Prominenz: Bürgermeister Hans Mummert, der evangelische Pfarrer Klaus Pfaller und der katholische Geistliche Josef Kirchensteiner. In seiner Begrüßung hob Benjamin Idriz die „Penzberger Troika“ hervor, wie die drei kirchlichen Würdenträger Idriz, Kirchensteiner und Pfaller einmal genannt wurden. „Wir gehören zum Stadtgeschehen und sind eng befreundet“, sagte Idriz. Heinrich Bedford-Strohm fand warme Worte für seine Gastgeber, um zugleich Forderungen zu stellen. „Ich sehe sie als Bündnispartner, jetzt soll der Dialog vertieft werden“, sagte er zu Idriz. Es sei an der Zeit, die Religionsfreiheit offensiv anzubringen, um die Religion frei praktizieren zu können, betonte der 52-Jährige. Er forderte darüber hinaus eine „öffentliche Theologie des Islam“ und wünschte sich, dass es in Deutschland öffentliche islamische Fakultäten gebe. Weiterer Wunsch von Bedford-Strohm: Muslime und Christen sollen keine Angst haben, die Unterschiede ihrer Religionen beim Namen zu nennen. „Ein weltoffener Islam und ein weltoffenes Christentum leisten einen Beitrag zur demokratischen Gesellschaft und werden zur Triebfeder des Friedens“. sagte er. Der Besuch des evangelischen Landesbischofs sei ein „Zeichen“, stellte Benjamin Idriz zufrieden fest. „Ich spüre ein ernsthaftes Interesse der evangelischen Kirche am Dialog mit den Muslimen“, sagte der Imam, das Verhältnis sei von „Offenheit und Akzeptanz“ geprägt. Dann wurde Idriz aber sehr ernst mit Blick auf die eigenen Reihen. Er erwarte sich mehr Einsatz von den muslimischen Gemeinden. Gleichzeitig verurteilte er die unvermindert in der deutschen Gesellschaft vorherrschenden Vorurteile gegenüber Ausländern und Fremdenfeindlichkeit. Nach wie vor gebe es rechtsradikale Anschläge, und mit dem „skandalösen Versagen der Behörden“ nahm Idriz Bezug auf den Umgang des Verfassungsschutzes mit der Zwickauer Terrorzelle. Trotz allem betonte der Imam: „Meine Quintessenz lautet: Deutschland bietet den fruchtbaren Boden, um eine gleichberechtigte Teilnahme der Religionen zu ermöglichen.“ Hans Mummert sprach von einer „gewissen Normalität“ im Umgang mit der Islamischen Gemeinde. „Die Menschen leben bei uns und gehören zu uns, die Islamische Gemeinde ist ein Teil der Gesellschaft in Penzberg.“ Der offene Umgang miteinander habe die anfangs kritischen Stimmen verstummen lassen. Dass die Islamische Gemeinde wiederholt im bayerischen Verfassungsschutzbericht auftauchte? „War für uns kein Thema“, versicherte der Bürgermeister. Es werde künftig weitere Zuwanderung nach Penzberg geben, eine „Durchmischung“ werde kommen. „Das Miteinander ist eine Bereicherung“, erklärte der Bürgermeister, man müsse sich diesem Trend zubewegen. Heinrich Bedford-Strohm war da ganz auf Mummerts Seite - angesichts einer bayerischen Bevölkerung, von der 20 Prozent einen Migrationshintergrund aufweise. Der Landesbischof nannte Mummert einen „eindrucksvollen Bündnispartner“. Und der so um- schmeichelte Rathauschef entgegnete, er werde oft auf seine häufigen Besuche in der Penzberger Moschee angesprochen. „Aber ich gehe ja auch in unsere Kirche, aber nicht so oft“, sagte der Bürgermeister zögernd und erntete einen strengen Blick von Pfarrer Josef Kirchensteiner und Gelächter im Gebetsraum der Moschee.

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