Beschluss hin oder her

Am Autohaus „Auto & Service“: Nun doch eine weitere Brücke am Säubach

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Wurde abgerissen und bekommt nun eine Nachfolgerin: am Autohaus „Auto & Service“ soll plötzlich doch ein neuer Übergang gebaut werden.

Penzberg – In den unzähligen Seiten, versteckt in einer langen Auflistung von potenziellen Posten, steht sie im Entwurf zum Vermögenshaushalt plötzlich da, schwarz auf weiß: die Brücke am Säubach nahe dem Autohaus „Auto & Service“. Ein „vergessener“ Beschluss und Verwunderung im Haushaltsausschuss. 

Ein wenig seltsam war die ganze Konstellation nahe dem Autohaus „Auto & Service“ ja schon. Führte dort der öffentliche Fuß- und Radweg erst über eine Holzbrücke über den Säubach, welche Passanten und Radler dann vorbei an Abstellplätze für Neuwagen auf Privatgrund leitete. Dass Kinder auf dem Weg zur Schule an der Seeshaupter Straße sowie Gassigänger und Flanierer die Strecke mit wechselnden Sphären, mal öffentlich, mal privat, benutzen konnten, sei dem Autohaus zu verdanken gewesen, welches die Situation geduldet habe, erinnerte Bürgermeisterin Elke Zehtener. Dass die kleine Brücke schließlich vor rund vier Jahren abgerissen wurde, hing letztlich nicht mit der seltsamen Lage des Konstrukts zusammen, sondern mit dem Konstrukt selbst. Ein marodes Fundament konnte kein sicheres Überqueren mehr gewährleisten. 

Noch vor dem Abriss 2015 wurde schließlich über den Bau einer neuen Brücke diskutiert, in einer Entwurfsplanung, erstellt im Sommer 2017, wurden die Kosten für eine neue Brücke schließlich auf mindestens 150.000 Euro geschätzt. 

Viel Geld, das jedoch nicht abschreckte, wenige Monate später folgten Ausschreibungen, doch die Baufirmen waren extrem ausgelastet und die Angebote außerordentlich hoch bepreist. Die Verfahren wurden aufgehoben. Eine zweite Ausschreibung fand dann nicht mehr statt, die Mehrheit des Bauausschusses stellte die Notwendigkeit einer Brücke in Frage, im November 2018 beschloss das Gremium, dem Säubach keine neue Überführung zu geben. 

Eine Entscheidung, die den Anwohnern bis heute zu missfallen scheint, sind sie doch diejenigen, welche sich seither mit längeren Wegstrecken herumschlagen müssen. Da sind wohl auch die Ausweichrouten, Geh- sowie Geh- und Radwege, kein Trost, denn „Bürger kommen immer wieder auf uns zu“, sagt Zehetner. Doch als der Haushaltsausschuss nun den Posten Brücke in der jüngsten Sitzung auf der Entwurfsplanung entdeckt, ist das Gremium doch ein wenig irritiert, klammheimlich scheint sich das Thema wieder einen Platz im künftigen Vermögenshaushalt verschaffen zu wollen. 

Wenig begeistert von der Vorstellung, den Weg, der seit dem Abriss ins Wasser fällt, wieder von öffentlichen auf privaten Grund laufen zu lassen, zeigt da Adrian Leinweber (SPD): „Es kann nicht sein, dass ein Radweg auf Privatgrund endet“, kritisiert er, die Strecke ende „im Nichts.“ 

Eine große Diskussion oder gar Widerstand gegen den überraschenden Posten erhebt sich dann aber nicht, Zehetner, die selbst am Säubach wohnt, bittet darum, das Thema „drin zu lassen“. Damit ist der Käse gegessen. Stadtkämmerer Johann Blank weiß, dass der Posten ex abrupto seinen Weg aufs Papier gefunden hat, womit man sich wissentlich über einen erst vor rund einem Jahr gefassten Beschluss hinwegsetzt, welcher ausdrücklich keine neue Überführung an jener Stelle vorsieht. „Jetzt ist die Brücke halt wieder drin“, sagt Blank, lacht und wagt es nicht, zu verraten, wer konkret für das Revival der Brückenthematik verantwortlich ist. Überraschend ist auch, dass die neue Überführung am Säubach nun ein Drittel weniger kosten soll als 2017. „Drei Brücken für 300.000 Euro“, so Blank, stehen nun in dem Haushaltsentwurf, „pro Brücke 100.000 Euro.“ Sie alle sollen über das Wasser des Säubachs führen, eine an der Grundschule an der Birkenstraße, eine weitere an der neuen Kinderkrippe und eine, die besagte Überraschung, an der Seeshaupter Straße. ra

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