Schaukeln im Regen

Team des AWOlino Kindergartens sammelt während der Schließzeit Kraft für das neue Jahr

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Einer der vielen Bereiche im AWOlino-Garten: Auf der neuen Palettenlounge können sich die Kinder ausruhen oder daneben mit Straßenmalkreide Kunstwerke schaffen.

Penzberg – Stühle stapeln sich, Tische sind beiseite geschoben. Der Boden liegt frei und ist bereit, geschrubbt zu werden. In der Küche dampft es noch ein letztes Mal. Es riecht nach Bolognese. Tobias Szekeli läuft am vergangenen Freitag durch die Räume des AWOlino Kindergartens und steuert den Garten an. Der stellvertretende Einrichtungsleiter lächelt, nicht nur, weil der Kindergarten nun für zwei Wochen geschlossen ist und die Mitarbeiter wohlverdiente Entspannung genießen können, sondern auch, weil er sichtlich stolz darauf ist, was das Team gemeinsam mit den Kindern und den Eltern in den vergangenen Wochen geschafft hat.

Die Morgensonne scheint kräftig herunter auf den Garten der AWOlino-Einrichtung. Auf einer Picknickbank vertilgen Buben und Mädchen gerade Honigbrote. Die Finger sind klebrig. „Hallo Tobias!“, rufen die Kleinen, als Szekeli in den Garten kommt. Dort verbringen die Kinder und Betreuer seit Wochen viel Zeit. Die acht Gruppen verteilen sich dabei nach einem festen Gartenplan auf drei verschiedene Bereiche im Freien: Sandkasten, Fahrzeugareal und Wasserspielplatz, gelbe Rutsche und Schaukeln oder große Rutsche und Blancierbalken. „Jeder Bereich hat was Besonderes“, betont Szekeli. Mit den Einschränkungen kommen die Kinder bestens zurecht, sie lernen dabei sogar. „Sie beschäftigen sich viel intensiver und ruhiger“, konnte der stellvertretende Leiter feststellen. Wenn es heiß draußen wird, verschaffen die Erzieher den Kindern in den verschiedenen Bereichen Abkühlung, so wird etwa in Pools geplanscht und an den Schaukeln regnet es aus Spritzanlagen auf die Kinder herunter. Das Team setzte in den vergangenen Wochen viel daran, den Garten in Zeiten von Corona noch aufregender zu machen und zu optimieren. So bauten sie auch Matschküchen, die sie gemeinsam mit den Buben und Mädchen bemalten und die mit reichlich Wasser und Sand eingeweiht wurden. Und unmittelbar an der Treppe, wo einst eine Holzterrasse war, steht nun eine Lounge aus Paletten und mit dicken Polstern. 

Polster, die am selben Tag noch nach drinnen geräumt werden. Die zweiwöchige Schließzeit steht an, trotz Corona. „Wir hätten, um den Eltern entgegenzukommen, eine Ferienbetreuung angeboten“, sagt Szekeli. Doch bei einer Abfrage meldeten nur „ein, zwei Familien“ Bedarf an, so der stellvertretende Einrichtungsleiter. Und die Betroffenen hätten dem Team mitgeteilt, dass sie das mit der Betreuung irgendwie hinbekämen, sollte der Kindergarten tatsächlich schließen. So wirkt Szekeli nun beruhigt, wenn er auf die freien Tage blickt, welche die Eltern den Mitarbeitern gönnen. Erholung, die dringend von Nöten zu sein scheint, denn „das Personal hat richtig Gas gegeben und dafür gesorgt, dass alles läuft“. Sogar ein Sommerfest stellten die Betreuer auf die Beine, kein großes, das alle Gruppen vereint, mit Kuchenverkauf, Spielen und Musikaufführungen, sondern viele kleine Feiern in den einzelnen Gruppen, ganz ohne Eltern. Ausflüge führten ins Biotop nach Benediktbeuern oder in naheliegende Wälder. Doch auch der Kreativität der Kinder wurde freien Lauf gelassen: Die Kleinen stellten die Geschichte des Dschungelbuches nach, festgehalten auf zahlreichen Fotos, die nun in gebundenen Dschungelbuch-Büchern Platz gefunden haben. Jedes Kind durfte ein Exemplar mit nach Hause nehmen. 

Viele Aktivitäten, die jedoch nicht von der Krise ablenken können. „Corona ist schon noch ein Thema“, sagt Szekeli. „Die Frage ist nur, inwieweit die Kinder das verstehen“. Doch Szekeli konnte feststellen, dass die Kinder das Virus prinzipiell als etwas Negatives begreifen. Wie mit der aktuellen Situation umzugehen ist, versuchen die Mitarbeiter den Buben und Mädchen in täglichen Stuhlkreisen altersgerecht zu vermitteln. Doch für die nächsten Tage bleiben die Stühle erst einmal gestapelt. „Jetzt kann das Team im Urlaub wieder Kraft sammeln“, sagt Szekeli. Kraft, welche sie für den Start des neuen Kindergartenjahres aufwenden wollen. Für eine mögliche zweite Corona-Welle ist das Team bereits gerüstet, doch Szekeli hofft, dass die 30 bis 40 Neuzugänge möglichst normal eingewöhnt werden können. ra

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