Kein Plastik, dafür Punkte

Workshop der Jungbürger: Jugendliche beschäftigen sich mit der Zukunft Penzbergs

+
Pläne für Penzberg: Gemeinsam mit Klimaschutzmanager Andreas Wowra schauten sich Max Link und Niklas Mauritz (von links) die Taktung des Busverkehrs genau an.

Penzberg – Andy Warhol war der Meinung, dass eine Person eine Gesellschaft ist, zwei eine Menge bilden und drei eine Party. In Penzberg könnte man den Ausspruch nun fortführen und sagen: Vier Personen sind ein Workshop. Denn zu einem solchen fanden sich jüngst nicht mehr Jugendliche zusammen.

Üppige weiße Plakate warteten im großen Sitzungssaal darauf, dass sich Eddingtinte in ihre Papierfasern frisst. Jedes Blatt galt dabei einem Thema, dessen sich die Jungbürger auf ihrer Versammlung in der Stadthalle annehmen wollten. Doch als es dann wenige Wochen später konkret werden sollte, standen lediglich vier Jugendliche im Rathaus, und keiner der vier hatte zuvor an der Versammlung teilgenommen. Gute Miene zu dem etwas traurigen Spiel machte da Andreas Wowra. Der Klimaschutzmanager zog erst einmal ein Resümee über die Versammlung, um die Workshopteilnehmer auf den Stand der Dinge zu bringen und zückte dann den Filzstift. Gemeinsam mit den Jugendlichen klapperte Wowra die in den Augen der nicht anwesenden Jungbürger wichtigsten Themen ab, an welchen die Stadt die kommenden Jahre arbeiten sollte. Unterstützung erhielt er dabei von Jugendreferent Holger Fey, der froh war, einmal die Sicht der jungen Leute zu hören, da „wir im Stadtrat manchmal Scheuklappen haben“. Die Jugendlichen, so sein Appell, sollen „der Verwaltung in den Hintern treten“. Fey ließ sich seine Motivation nicht nehmen, obgleich sich nur ein „sehr, sehr kleiner Kreis“ von vier Leuten für diesen Tritt in den Hintern bereit erklärte.

Weniger Autos dank Apps

Während es auf der Versammlung noch darum gegangen war, lediglich herauszufinden, was denn gut läuft und was nicht, sollten die vier Jugendlichen nun konkrete Verbesserungsvorschläge bringen. Und so standen Max Link, Niklas Mauritz, Talina Troung Cam und Timon Metzler nun vor dem ersten Plakat und mussten sich die Frage stellen, wie man Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen kann und ob ein kostenloser Stadtbus realisierbar ist. Vorschläge wie eine bessere Taktung des Busverkehrs, eine App, welche alle Haltestellen und Abfahrtszeiten auf einer Stadtkarte anzeigt, sowie eine App, mit der das Ticket bezahlt werden kann, oder auch größere Busse zu Stoßzeiten wanderten da aufs Plakat. Und Max Link konnte nicht so richtig verstehen, weshalb manche sich für kurze Strecken ins Auto setzen, denn „in Penzberg kommt man mit dem Rad in zehn Minuten gefühlt überall hin“. Einem kostenlosen Stadtbus für jedermann war dabei keiner abgeneigt, wenngleich erst einmal eine „Probezeit“ erfolgen sollte, war sich das Grüppchen einig. 

Eine Prämie für Radfahrer

Als verbesserungswürdig erachteten die Jugendlichen auch das Radwegenetz und monierten, dass es mal hier, mal da einen Radweg gebe, insgesamt aber zu wenig Radstreifen vorhanden seien. „Mir ist auch nicht immer ganz bewusst, wo ich fahren darf“, warf da Fey ein und kritisierte die ständigen Wechsel von Straßen und kombinierten Fuß- und Gehwegen. Um mehr Menschen nicht nur in den Bus, sondern auch auf den Sattel zu bringen, könnte sich Niklas Metzler zudem vorstellen, eine Fahrradprämie einzuführen. 

Unverpacktes in der alten Bücherei

Ob es die braucht, weiß Max Link nicht, doch „den braucht es dringend“, meint der Gymnasiast, als er auf das nächste Plakat mit dem Thema „Unverpacktladen“ blickt. Die Preise dürften in einem solchen Laden dann aber nicht höher sein als im Discounter, um Kunden zu gewinnen. Die Produkte müssten „ja nicht unbedingt bio sein, aber regional“, findet der Schüler. Timon Metzler pflichtet ihm bei. Er könne sich eine Art Dorfladen ohne Plastik und Papier vorstellen, den die Stadt betreibt. Einen geeigneten Ort dafür gäbe es auch, „die alte Bücherei“, ergänzte Link. 

Punkte für Umweltfreundlichkeit

Als „schwierigen Punkt“ betrachtete Wowra dagegen eine S-Bahnstation in Penzberg. Talina Troung Cam ging noch einen Schritt weiter und bezeichnete den Bau einer solchen als „unnötig“. Auch ihre drei Kollegen konnten mit der Idee wenig anfangen und konzentrierten sich abermals auf den Busverkehr, in den mehr investiert werden sollte, um eine „bessere Verbindung unter den Gemeinden“ zu erreichen, wie Timon Metzler überlegte, der sich auch einen ökologischen Bus auf den Strecken rund um Penzberg vorstellen könnte, um die Ausweitung umweltfreundlicher zu gestalten. Apropos umweltfreundlich: Auf der Jungbürgerverammlung hatten die Jugendlichen auch über ein Belohnungssystem für Umweltmanagement diskutiert. Das soll heißen: Wer sich umweltfreundlich verhält, der soll dafür belohnt werden, in welcher Form auch immer. „Das müsste dann aber kontrolliert werden“, befand Niklas Mauritz. Auch ein System müsse dahinter stecken. Und dieses „muss Sympathie erwecken“, meinte Max Link. Freiwilligkeit, Einheitlichkeit, Nachprüfbarkeit und Einfachheit sammelten die vier Jugendlichen schließlich als Eckpfeiler eines solchen sympathischen Systems. Und dieses könnte ähnlich wie das Punktesammeln von Payback funktionieren, schlug Timon Metzler vor. 

Vom Workshop in den Stadtrat

Viel Input lieferte das Quartett, Input, der nun, wenngleich wahrscheinlich nur in Teilen, dem Stadtrat unterbreitet werde, so Holger Fey. Auf jeden Fall sollen die Themen aber in den künftigen Klimarat kommen. Und als Bürgermeisterin Elke Zehtetner kurz beim Workshop vorbeischaute, versprach sie den vier Jugendlichen, dass alles realisiert werde, was realisierbar sei. Ein Versprechen, dass mehr als vier junge Penzberger motivieren sollte, sich für die Zukunft der Stadt einzusetzen. ra

Auch interessant

Meistgelesen

Hündin stirbt nach Gassigang in Iffeldorf qualvoll
Hündin stirbt nach Gassigang in Iffeldorf qualvoll
„Eine ganz heiße Nummer“: Oberlandler brillieren mit bissig-schlüpfriger Komödie
„Eine ganz heiße Nummer“: Oberlandler brillieren mit bissig-schlüpfriger Komödie
Wolfgang Heubisch appelliert beim Dreikönigstreffen an die Herzen der FDP-Politiker
Wolfgang Heubisch appelliert beim Dreikönigstreffen an die Herzen der FDP-Politiker
In Schaufenstern der Innenstadt glänzt Faschingsnostaglie aus fünf Jahrzehnten
In Schaufenstern der Innenstadt glänzt Faschingsnostaglie aus fünf Jahrzehnten

Kommentare