Ohne Parteizwang mitgestalten

UWK geht mit sieben Herren und einer Frau in die Kommunalwahl

+
Sie wollen für die Unabhängige Wählergemeinschaft Kochel in den Gemeinderat: Achim Schäfer, Dominik Flügel, Maria Bäck und Heiko Schlüter (vorne von links) sowie Thomas Eberl, Jens Müller und Robert Wisolek (hinten von links).

Kochel – Die Unabhängige Wählergemeinschaft Kochel (UWK) geht bei der Gemeinderatswahl mit acht Kandidaten an den Start. Bei ihrer Aufstellungsversammlung stellten sich die sieben Männer und eine Frau in den Kocheler Stuben in der Heimatbühne der Öffentlichkeit vor.

Seit ihrer Gründung im November 2007 sieht sich die UWK als Zusammenschluss aktiver Bürger, die „eigenverantwortlich und unabhängig die Zukunft der Gemeinde mitgestalten möchten“. Dies erklärte Thomas Eberl, der sich um eine dritte Amtszeit als Gemeinderat bewirbt und seine langjährige Erfahrung als zweiter Bürgermeister auch in das neue Gremium einbringen will. Er sei häufiger angesprochen worden, ob er nicht für das Amt des Rathaus­chefs kandidieren wolle, sagte der Wassermeister. Und: Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sehe aber „aus persönlichen Zukunftsplänen“ davon ab, auch weil er sich nach der schweren Erkrankung des Vorsitzenden des Wasserbeschaffungsverbandes Kochel (WBV) dort weiterhin mit seinem Wissen und Können für die Allgemeinheit einbringen wolle. 

Beim Rückblick auf die Abarbeitung der vor sechs Jahren gesteckten Ziele, hob Eberl besonders die Verbesserung beim ÖPNV, die energetische Sanierung gemeindlicher Immobilien und die Förderung der Vereinstätigkeit hervor. Entwarnung habe es für die Sportstätten auf dem Gelände der ehemaligen Hausmülldeponie gegeben. Als Beleg für eine vorausschauende Dorfentwicklung zählte Eberl acht Bebauungspläne auf, räumte aber ein: „Der verträgliche Einklang verschiedener Nutzerinteressen ist eine manchmal sehr schwer zu erreichende Aufgabe.“ Auch bei der Straßensanierung komme noch viel Arbeit auf die Gemeinde zu. Finanzierbarer Wohnraum sei hingegen im Einheimischenmodell mit sieben Grundstücken geschaffen worden, führte Eberl weiter aus. Zudem konnte das Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg verhindert werden, wobei man weiterhin ein Auge darauf haben werde, denn das Projekt sei noch immer auf der Homepage des potentiellen Betreibers aufgeführt. „Nun treten wir mit einer starken Mannschaft an, mit der wir in der Gemeinde einiges bewegen wollen“, erklärte der 50-Jährige. Ihm selbst liegen der Erhalt des dörflichen Charakters, das Gewerbe vor Ort sowie Straßenbau und Wasserleitungen am Herzen. 

Eine weitere Amtsperiode strebt auch der Rechtsanwalt und Forstwirt Jens Müller an, der ebenso wie Eberl gerne auf einer Einheitsliste kandidiert hätte. Beide bezeichneten die Zusammenarbeit im Gemeinderat als „sehr gut“, Müller ließ sich sogar zu einem Superlativ hinreißen und rief aus: „Das war der perfekteste Gemeinderat der letzten Jahre, vielleicht sogar seit es Kochel gibt.“ Dabei sei ihm die Einigkeit der Mitglieder des Gremiums immer mal wieder vorgeworfen worden, räumte der 51-Jährige ein. Dass „dem Bürgermeister nachgebetet wird“, stimme aber nicht, vielmehr führe die gründliche Vorbereitung anhand umfassender Informationen am Ende zu Lösungen, „die alle mittragen können“. 

Die einzige Frau in der Runde ist Maria Bäck, die als Hotelbetreiberin im Tourismusausschuss ihr Branchenwissen einbringen möchte. Die gelernte Steuerfachangestellte will Ideen entwickeln und umsetzen und zwar „nicht nur einmal im Jahr bei der Vermieterversammlung, sondert stetig“. Die 36-Jährige will als Ansprechpartnerin für alle Vermieter da sein, um sich nicht zuletzt für den Erhalt des Papiermeldescheins als Alternative zur elektronischen Gästekarte einzusetzen. 

Die Dorfentwicklung im öffentlichen Raum, Verkehrs- und Schulweg­sicherheit liegen Robert Wisolek am Herzen. Der gelernte Fernmeldeelektroniker lebt seit 35 Jahren in Kochel, ist im Theaterverein, im Kirchenchor und als Revierleiter des Bayerischen Seglerverbandes engagiert. Seine Erfahrung bei der Projektlösungsfindung mit internationalen Teams will der IT-Infrastrukturplaner auch im Gemeinderat einbringen und dort Themen zu Verkehrsberuhigung, Parkplatzkonzepte und die allgemeinverträgliche Standortsuche für G5-Sendemasten anschieben. Zudem setzt sich der 53-Jährige für einen Jugendtreff ein, „der nun mal zu einem lebendigen Dorf gehört“. Für junge Leute will sich auch Dominik Flügel einbringen, da es für sie schwierig sei, „Platz zum Wohnen oder zur Existenzgründung“ zu finden. Zudem will der 25-jährige Fachinformatiker den Wochenendverkehr aktiv angehen, damit Kochel weiterhin lebenswert bleibt. Florian Franz wiederum, 49 Jahre alt und Feuerwehrgerätewart, möchte sich für den Erhalt der Kulturlandschaft, einen verträglichen, modernen Tourismus und die Förderung des Ehrenamtes einsetzen. 

Heiko Schlüter, Physiotherapeut und Osteopath, outete sich erfrischend als „absolut unpolitisch“. Er sei kein Freund von Parteibüchern und wolle vielmehr an Sachthemen arbeiten. Zu seinen Hauptanliegen zählen Kindergarten, Schule und Schulweg sowie die Verkehrsproblematik. Neben der Vision eines Tunnels hat der 54-Jährige einige pragmatische Verbesserungsvorschläge im Kopf, darunter mehr Absenkungen am Bürgersteig, die Verschönerung der Seepromenade und die Entwicklung des dort brachliegenden Geländes in Gemeindebesitz. 

Ein Verfechter der Gemeinwohlökonomie, ein alternatives Wirtschaftssystem mit Fokus auf dem Menschen und seinen Bedürfnissen, ist Achim Schäfer. Der gelernte Bürokaufmann war als Sachbearbeiter am Oberlandesgericht und Geschäftsstellenleiter der Rechtsanwaltskammer tätig. „Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und Sozial­staat, er dient dem Gemeinwohl“, zitierte der 64-Jährige aus der Verfassung des Freistaates. Von der Aufbruchstimmung für die Gemeinwohlökonomie, die auch in Kommunen umsetzbar ist, will er „etwas nach Kochel tragen“. Am Herzen liegen ihm zudem Umweltschutz und Nachhaltigkeit“. cw

Die Kandidaten nach Listenplätzen: 1. /2. Thomas Eberl, 3./4. Jens Müller, 5./6. Maria Bäck, 7./8. Robert Wisolek, 9./10. Florian Franz, 11./12. Dominik Flügel, 13./14. Heiko Schlüter, 15./16. Achim Schäfer.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Verkehrsrowdy im Lamborghini - wilder Ritt auf der A95
Verkehrsrowdy im Lamborghini - wilder Ritt auf der A95
Landkreis Weilheim-Schongau: Sieben neue Corona-Fälle - auch Pflegeschule in Penzberg betroffen
Landkreis Weilheim-Schongau: Sieben neue Corona-Fälle - auch Pflegeschule in Penzberg betroffen
Penzberg: Vermisster wohlauf gefunden
Penzberg: Vermisster wohlauf gefunden
Veränderungen am Seeshaupter Badeplatz: ein Gemüt erhitzt, das Rathaus gelassen
Veränderungen am Seeshaupter Badeplatz: ein Gemüt erhitzt, das Rathaus gelassen

Kommentare