Waghalsiges Schwingen

Gefährliche Abkühlung an der Eisenbahnbrücke in Schönmühl

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Liane in die Loisach: An der Eisenbahnbrücke in Schönmühl haben Unbekannte ein Seil angebracht.

Penzberg – Das Seil hängt lasch herab und saugt sich mit Wasser voll. Doch nicht immer ruht der Strick im Nassen. Gerne schwingen sich Kinder und Jugendliche an der Liane in die kalte Loisach. Doch dabei schwingt die Gefahr mit, denn das Seil ist an das Stahlgerüst der Eisenbahnbrücke geknüpft, und über die Überführung rollen regelmäßig und rasch Züge.

Schon vor Jahren sei Schlimmes dort in Schönmühl passiert, erinnert sich der Penzberger Walter Heußler ohne Konkretes auszusprechen. Zu gerne kühlen sich Kinder und Jugendliche an der Eisenbahnbrücke über der Loisach ab. Ein Sprung ins Nass, geschwungen von einem Seil. Wenn Heußler, der als Naturschutzwächter viel in Penzberg umherstreift, durch Schönmühl spaziert, dann beobachtet er immer wieder das Geschehen an der Brücke, das gefährliche Geschehen. Erzürnt ist Heußler keineswegs, wenn er das sieht. Im Gegenteil: Er kann die Abenteuerlust und die Suche nach einem Adrenalinkick der Jungen und Mädchen gut nachvollziehen. Zumal in Corona-Zeiten viele Familien nicht in den Urlaub reisen und das Freizeitangebot deutlich eingeschränkt ist. Hinzu kommt, dass die Sonne dieser Tage heiß herunterbrennt. 

Eigentlich, so Heußler, sei es ja verboten, von der Brücke zu springen oder sich von dieser herabzuschwingen. Doch das Verbot wird eben einfach missachtet. Die Verstöße an sich sind für Heußler nicht der Dorn im Auge. Der Penzberger sorgt sich vielmehr um die Sicherheit der Springer und Schwimmer. „Die Züge sind so leise“, sagt er. Und selbst bei einem lauten Pfiff könnte es passieren, dass jubelnde und grölende Jungs den heran­nahenden Zug nicht bemerken. „Ich stehe schon im Kontakt mit der Bundespolizei“, sagt Heußler, der auch Eltern für die Gefahren in Schönmühl sensibilisieren möchte. 

Auch Susanne Kettl, stellvertretende Polizeiinspektionsleiterin in Penzberg, weiß um die heikle Stelle über der Loisach. Erst kürzlich sei eine Streife dorthin gefahren und habe das Seil baumeln gesehen. „Die Jugendlichen klettern wohl eine Böschung hinauf und gehen die Wege für die Gleisarbeiter entlang“, mutmaßt sie. Tatenlos sieht die Polizei da selbstredend nicht zu. „Wir werden dort verstärkt Präsenz zeigen und regelmäßig vorbeifahren“, sagt Kettl, die jedoch betont, dass die Bundespolizei für diesen Bereich zuständig ist. Die Bundespolizei setzen die Penz­berger Beamten aber stetig über die Situation an der Brücke in Kenntnis. Dass die Kinder und Jugendlichen von der Stelle ferngehalten werden müssen, steht für Kettl außer Frage, denn dort oben auf der Brücke in Schönmühl, „wo der Zug pfeift“, ist es „saugefährlich“, mahnt die Polizistin. ra

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