Ehemaliges Bildungszentrum

„Verdi“-Heim in Kochel: Abbruch ist gestoppt - jetzt prüft Denkmalschutz

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An dem markant geschwungenen Bauwerk haben Abbrucharbeiten begonnen.
  • Christine Weikert
    VonChristine Weikert
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Kochel - Wieder beschäftigt ein Abbruch in Kochel. Diesmal geht es um das „Verdi“-Heim. Die Arbeiten wurden erstmal gestoppt.

Seit bald 20 Jahren herrscht Stillstand auf dem ehemaligen Verdi-Gelände an der Kochler Uferpromenade. Im Dezember waren nun Bagger angerollt, die mit dem Abbruch des Hauptgebäudes begannen. Doch die Arbeiten wurden gestoppt. Ob die Bautätigkeiten rechtens sind, klärt derzeit das Landratsamt.

1930 im Bauhaus-Still errichtet

Das 1930 erbaute, geschichtsträchtige Bauwerk steht bislang nicht unter Denkmalschutz. Allerdings wird sich in Kürze der Landesdenkmalrat mit der Frage nach einem möglichen Ensembleschutz befassen. Das bogenförmige Gebäude im Stil der Bauhaus-Architektur wurde 1930 als „Ferienheim für Arbeiter, Beamte und Angestellte“ erbaut. Entworfen hat es der deutsche Architekt Emil Freymuth, aus dessen Werk bereits einige Häuser unter Denkmalschutz stehen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Erholungsheim von den Nationalsozialisten zur Gebirgsmotorsportschule umfunktioniert.

Von Gewerkschaft genutzt

Heute ist das Gebäude als „Verdi-Heim“ bekannt, da es lange Zeit von der Gewerkschaft ÖTV/verdi als Bildungszentrum betrieben wurde. Ende 2002 schloss die Gewerkschaft die nach einem Brand stark sanierungsbedürftige Bildungsstätte und verkaufte 2011 schließlich das gesamte 1,4 Hektar große Grundstück an den Unternehmer Bert Bleicher, wovon die Gemeinde Kochel wohl erst nach Vertragsabschluss erfuhr. Ende 2015 verkaufte Bleicher das Grundstück an die „Kochel Grundbesitz GmbH“ mit Sitz in Straubing weiter, deren Geschäftsführer Thomas Gerl bereits mehrfach als Bauträger für Hotels in Erscheinung trat.

Noch kein Bauantrag

2016 stattete eine Kochler Delegation um Bürgermeister Thomas Holz (CSU) dem neuen Eigentümer einen Besuch ab, mit dem Ziel, die gemeindliche Planung für den Neubau der „Seestube“ auf dem benachbarten Seegrundstück mit Gerls Plänen abzustimmen. Fünf Jahre später ließ Gerl nun die Bagger anrollen. Seine konkreten Pläne für das Grundstück, für welches der gemeindliche Flächennutzungsplan eine Hotelnutzung vorschreibt, sind öffentlich nicht bekannt. „Aktuell können wir mitteilen, dass kein Bauantrag vorliegt und derzeit geprüft wird, ob die Bautätigkeiten rechtens sind“, teilt Pressesprecherin Marlies Peischer vom Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen mit.

Landesdenkmalamt berät

Der Abrissbeginn wurde auch von Denkmalschützern registriert. Allerdings ist das Gebäude durch Brand- und Wasserschäden innen stark beschädigt, weshalb sowohl eine Begehung vor zehn Jahren sowie eine weitere Begehung im vergangenen Oktober nicht zu einer Unterschutzstellung als Baudenkmal führten. Abgeschlossen ist die denkmalpflegerische Untersuchung dennoch nicht: Voraussichtlich Ende Januar wird der Landesdenkmalrat darüber beraten.

Hoffen auf Ensembleschutz

Der Weilheimer Architekt und Denkmalschützer Heiko Folkerts hofft derweil auf einen Ensembleschutz. Eingebettet in den schönen Landschaftspark mit Terrassenanlagen, Stützmauern und Wegeführung, sei das Gebäude ein klassisches Uferensemble, meint Folkerts. Für dessen Form und Fassade hofft er auf Bestandsschutz. „Innen kann man dafür mehr machen, das wäre ein guter Kompromiss“, findet er.

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