Für Alternativen ist gesorgt

Wellenbad-Schließung: Vereine könnten woanders unterkommen, es bleiben aber Fragen

Am 30. Juni ist Schluss, dann sitzt auch die Aquagymnastik auf dem Trockenen, weiter als bis ins Trimini will man dann aber nicht fahren.

Penzberg – In wenigen Wochen ebbt die Welle ab, das Wasser versiegt und die Lichter gehen aus. Die Schließung des Penzberger Wellenbads rückt immer näher. Und damit auch die Frage, auf welche Alternativen die Vereine und Gruppen setzen können. Darüber wurde nun am vergangenen Mittwoch gesprochen.

Wenn das Wellenbad am 30. Juni erst geschlossen und dann abgerissen wird, können all jene Vereine und Gruppen, die dann in Penzberg auf dem Trockenen sitzen, in Bäder der Umgebung ausweichen. „Wir haben hier wider Erwarten viele Angebote erhalten“, sagte Ulrike Franz, bei den Stadtwerken für das Wellenbad zuständig, am Mittwochabend vor dem Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens. Kochel, Garmisch-Partenkirchen, Oberammergau, Weilheim, Schongau, Geretsried und Bad Tölz hatten bei den heiß begehrten Wasserzeiten ihre Unterstützung angeboten. Allein die meisten Offerten wurden bei einem Treffen mit den Vereinsvertretern am 1. April ausgeschlagen, weil fast alle ins Trimini wollen. 

„Das Alpspitzbad in Garmisch hätte fast alle Kurse abdecken können“, sagte Franz mit Blick auf Baby- und Kinderschwimmen, Aqua- und Seniorengymnastik sowie die Angebote des Reha-Sportvereins. Die Begeisterung darüber hielt sich bei den Betroffenen aber in Grenzen, „weil fast allen eine Fahrt weiter als nach Kochel zu weit ist“, wie Franz feststellte. Dass sogar Geretsried beim Babyschwimmen nicht punkten konnte, habe vor allem daran gelegen, so Franz, „dass dort die Wassertemperatur zu niedrig ist“. Ein Umstand, der im Verwaltungsrat ebenso unstrittig war wie das große Lob für Franz, die es tatsächlich geschafft hat, für jeden Bedarf eine Alternative zum Wellenbad an Land zu ziehen, wonach es lange Zeit überhaupt nicht ausgesehen hatte.

Etwas ambivalenter stand der Verwaltungsrat der Schwimmgemeinschaft Oberland (SGO) gegenüber, was an zweierlei lag: Erstens ist dies der Verein mit dem höchsten sportlichen Anspruch, der bisher das Wellenbad genutzt hat, und zweitens wurde aus dessen Reihen das letztlich erfolglose Bürgerbegehren gegen den Schwimmbadneubau angestrengt, was ein beiderseitiges Einvernehmen nicht einfacher macht. SPD-Stadtrat Thomas Keller, der als Sportreferent und Zeitzeuge der Versammlung vom 1. April aufgerufen war, sagte vor dem Verwaltungsrat der Stadtwerke: „Die Erwartungshaltung der SGO ist ex­trem hoch.“ So habe man dort etwa den Anspruch, dass die Trainingszeiten im Wellenbad eins zu eins in ein anderes Bad übertragen werden. Dies sei aber kaum machbar. 

Weil in der Schwimmgemeinschaft, die nach Geretsried, Bad Tölz und Weilheim ausweichen kann, aber auch zahlreiche Kinder und Jugendliche aus umliegenden Orten trainieren, sah man sich flugs mitten in einer Grundsatzdebatte über die finanzielle Unterstützung all jener, die während der schwimmbadlosen Zeit in Penzberg irgendwo anders eintauchen müssen. Adrian Leinweber (SPD) erinnerte mehrfach daran, dass die Stadt den Vereinen, also dem TSV, der SGO und dem Reha-Sportverein, zwar die erforderlichen Shuttlebusse zu anderen Schwimmbädern zahlen solle, diese Subven­tion aber vor allem Penzbergern zugute kommen solle. Leinweber tat dies so nachhaltig, dass sich Kerstin Engel (Grüne) bemüßigt sah, festzustellen, dass es doch nicht angehen könne, vor der Abfahrt der Shuttlebusse in Penzberg bei den Kindern der SGO eine Ausweiskontrolle durchzuführen und alle jene stehen zu lassen, die nicht in Penzberg wohnten. 

Darüber wird nun der Stadtrat Ende Juni entscheiden. Dabei geht es um die grundsätzliche Frage, wie viel Geld überhaupt zur Verfügung gestellt wird, um den Vereinen den vorübergehenden Verlust eines Schwimmbads in Penzberg und den Umzug in ein anderes Bad finanziell auszugleichen. Und es geht auch um die Frage, ob die Stadt die anfallenden Mehrkosten für die Nutzung der anderen Bäder übernimmt. Hierin sieht Ulrike Franz allerdings das geringste Problem: „Die Kosten für die anderen Bäder liegen nur unwesentlich über jenen des Wellenbads“, sagte sie. Sie habe jedenfalls spezielle Konditionen ausgehandelt, jetzt obliege es jedem Verein und jeder Gruppierung mit dem jeweiligen Kooperationspartner selbst einen Vertrag zu schließen. Dies wiederum, so mahnte Sportreferent Keller, könnten die Vereine aber erst dann tun, wenn sie wüssten, wie hoch die Förderung durch die Stadt ausfällt. „Wir müssen deshalb im Stadtrat unbedingt in der nächsten Sitzung für Klarheit sorgen“, forderte er. 

Allerdings könnte sich dann Widerstand von anderer Seite regen – und zwar von jenen Vereinen, bei denen der Nachwuchs seit jeher ohne städtische Subvention zu Training und Wettkampf kutschiert wird. Michael Futterknecht, bei den Stadtwerken für Internet und Breitband zuständig und deshalb qua Amtes Zeuge der Sitzung des Verwaltungsrates, berichtete kurz von seinem ehrenamtlichen Engagement im Ski-Club: „Wenn bei uns die Kinder trainieren oder an Rennen teilnehmen wollen, müssen die Eltern mit ihrem eigenen Auto fahren. Anders geht das nicht.“ Bürgermeisterin Elke Zehetner nickte besorgt, weil sie weiß, „dass wir eventuell Ärger mit anderen Vereinen bekommen“, sollte der Stadtrat den vorübergehenden Wegfall des Wellenbads für die davon Betroffenen zu üppig alimentieren. Wenigstens von einer Seite braucht die Stadt keinen Widerstand zu befürchten: Gymnasium, Realschule und Mittelschule haben bereits erklärt, bis zur Eröffnung des neuen Bades keinen Schwimmunterricht durchführen zu wollen, und die Grundschule gebe sich damit zufrieden, einmal jährlich einen Badetag anzubieten. la

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