Strobl statt Schafroth

Bürgerversammlung in Habach: Was gut lief, was weniger und was noch aussteht

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Ließen sich den Nockherberg für die Bürgerversammlung entgehen: Land­rätin Andrea Jochner-Weiß und Rathaus­chef Michael Strobl.

Habach – Ein wenig verdutzt sah Michael Strobl schon aus, als er vorne, an der Bühne, in den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal im Trödler blickte. Volles Haus, und das, obwohl zeitgleich Maxi Schafroth auf dem Nockherberg seine Starkbierpremiere feierte.

Der voll besetzter Saal war für Habachs Bürgermeister Grund genug, sein Bierglas zu heben und ein Prosit auf eine erfolgreiche Bürgerversammlung auszusprechen. Was dann folgte, war ein etwa zweistündiger Vortrag, in dem der Rathaus­chef das Jahr 2018 Revue passieren ließ, den Status Quo umriss und in die Zukunft blickte, was sein Auditorium weniger mit Anmerkungen als vielmehr mit Getuschel, Gelächter oder Genicke kommentierte. 

Eine kindergesegnete, junge Gemeinde

Fast ein Dutzend Hochzeiten, ebenso viele Geburten, und damit im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden einen anschaulichen Kindersegen gab es vergangenes Jahr, was „a recht positive Sach“ sei, schmunzelt Strobl. Denn so sei Habach mit einem Altersdurchschnitt von 39 Jahren „a sehr junge Gemeinde“. Nachvollziehbar also, dass im vergangenen Jahr kräftig in einen Schulanbau und in die Sanierung des Altbaus investiert wurde, was sich auch heuer noch fortsetzen soll. Ein neues Büro erhielt, dank einer Spende, der Kindergarten, auf den Strobl mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt: Zwar habe eine anonyme Umfrage ergeben, dass Eltern die Einrichtung fast durchweg mit guten Noten bewerten und diese auch die Gebühren für angemessen halten, doch habe man mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Im vergangenen Jahr investierte die Gemeinde aber nicht nur in Kinder, sondern in viele weitere Projekte: Straßenbau, Hochwassersicherung, Lärmschutz, Breitbandausbau. 

„Dauerärger“ an der B472

Dass in manchen Belangen noch kein Abschluss gefunden wurde, bedauert Strobl. So gehe der Breitbandausbau zwar voran, es sei aber sehr „mühsam“ voranzukommen. Und was das LTE-Mobilfunknetz anbelangt, da „san mia an vorletzter Stelle im Landkreis“, bedauert der Bürgermeister, der natürlich die Ursache für die Misere kennt: Der Sendemast der Telekom ist noch nicht ans Internet angeschlossen. Das sollte eigentlich im August 2018 erfolgen, nun wird der kommende Juli angepeilt. Und auch der Lärmschutz an der B472 sei noch nicht fertig und ein regelrechter „Dauerärger“, schimpft Strobl. Der Grund: die beauftragte Straßenbaufirma, die Nachtrag an Nachtrag gereiht hatte und der mittlerweile der Auftrag entzogen worden sei. Ein anderes Unternehmen sei jetzt am Zuge und müsse unter anderem den Hügel am Kreisel abtragen, denn es könne ja nicht sein, dass man „durch eine Schlucht“ nach Habach fährt, klagt der Rathauschef. 

Habach und das Hochwasser

Ins neue Jahr mitgeschleppt werden auch die Schäden am Kanal. Komplikationen mit dem Ingenieurbüro, die bis vor Gericht führten, sorgten für einen Aufschub der Reparaturen. Die Risse im Beton sollen nun in den kommenden zwei Wochen repariert werden, teilt der Bürgermeister mit und wirft via Beamer einen Bauplan des Kanals an die Wand, übersät mit rot markierten Stellen, die auf die zahlreichen Schäden hinweisen und für Gelächter im Saal sorgen. Als größtes Problem der Gemeinde betrachtet Strobl aber das Hochwasser. Und die Habacher scheinen da einer Meinung zu sein, denn als das Thema angesprochen wird, erfasst deutlich vernehmbares Gemurmel den Saal. Besonders kritisch sei dabei die Situation am Hochwasserweiher, dort müsse in naher Zukunft der Damm ertüchtigt werden. Am Achgraben habe man bereits 2018 mit Arbeiten begonnen, er wurde ökologisch ausgebaut und mit Hochwasserschutzbauten wie einem Wildholzrechen ausgestattet. Neben Hochwasser beschäftigt auch das Trinkwasser die Gemeinde in diesem Jahr: Der Hochbehälter, der nicht nur Habach, sondern auch Antdorf und Söchering versorgt, muss dringend saniert werden. Positiv blickt Strobl hingegen auf das Gewerbegebiet, das schon „relativ voll“, sei. Jedoch werde noch über drei Parzellen verhandelt, und zwei weitere Grundstücke werden für Habacher freigehalten. 

„Die Gemeinden tragen den Löwenanteil“

Was die Wünsche für die Zukunft anbelangt, so hofft Strobl auf eine niedrige Kreisumlage und grinst dabei Landrätin Andrea Jochner-Weiß an. Diese meinte freilich, dass nicht nur kleine Gemeinden viel zu bewältigen hätten, sondern auch der Landkreis Weilheim-Schongau, dessen Projekte nur dank der einzelnen Kommunen finanzierbar seien. „Die Gemeinden tragen den Löwenanteil“, betonte Jochner-Weiß. Das Geld aber fließe wiederum in Dinge, die „Gemeinden auch nutzen“, darunter Krankenhäuser und Schulen, so dass die Landrätin quasi eine Quid-pro-quo-Beziehung zwischen Kommunen und Landkreis andeutete. Strobl lobte sie: Er dürfe stolz sein, dass zur Bürgerversammlung das „Haus brechend voll ist“. Reges Interesse, das vermutlich auf den engen Zusammenhalt in der Gemeinde zurückzuführen sei, auf den der Bürgermeister in seiner Rede immer wieder pocht und durch den immerhin trotz Schließung der VR-Bankfiliale noch immer ein Geldautomat in Habach vorhanden sei und der Dorf­laden existieren könne, sagt Strobl und blickt auf zustimmendes Nicken in den Reihen. ra

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