Ein Workshop soll Lösungen finden, um das Parkchaos am Walchensee zu beenden

Alle an einen Tisch

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Mittlerweile mehr Realität denn Ausnahme: Die wilde Parkerei am Walchensee erfordert schon vom normalen Autofahrer viel Geduld. Rettungsorganisationen, bei denen es schnell gehen muss, haben hier keine Chance.

Kochel – Sie parken am Fahrbahnrand, im Halteverbot oder auf Privatgelände: Das Verkehrschaos, das im Sommer in der Walchensee-Region herrschte und die Walchensee-Region beherrschte, soll sich nicht wiederholen. Deshalb wird nun ein Zielfindungsworkshop angestrebt.

Anfang des Jahres klagten Kochels Bürgermeister Thomas Holz und sein Amtskollege aus der Jachenau, Georg Riesch, hochrangigen Vertretern verschiedener Staatsministerien ihr Leid, nämlich dass die zwei Gemeinden alleine nicht mehr die Herausforderungen schultern können, die der anwachsende Strom Erholungssuchender am Walchensee mit sich bringt. Auf Runde Tische sollen nun Taten folgen, und dazu findet Mitte Dezember zunächst ein Zielfindungsworkshop statt, bei dem Lösungswege für die Verkehrs­problematik in Verbindung mit der zukünftigen Ausrichtung der Region erarbeitet werden sollen. 

Der Zustrom der Naherholungssuchenden nimmt in gleichem Maße zu, wie die Landeshauptstadt München und ihr Speckgürtel wachsen. Damit begründet Thomas Holz den Umstand, dass sich chaotische Zustände beim Parken am Walchensee nicht mehr – wie noch vor fünf Jahren – nur auf ein paar warme Tage an Sommerwochenenden beschränken, sondern durchwegs an der Tagesordnung sind, sobald schönes Wetter angekündigt ist. Für die einheimische Bevölkerung sei dieser Druck teilweise nicht mehr zu ertragen. Und mit Blick auf die in diesen Fällen mittlerweile an der Garmischer Autobahn aufgestellte Hinweistafel, das darauf hinweist, wenn das Walchenseegebiet „überlastet“ ist, meinte Holz: „Ob solche Maßnahmen eine Linderung bringen, daran scheiden sich die Geister.“ Eine Evaluation des viermonatigen Versuchs mit der Hinweistafel werde erst nach einem zweiten Durchlauf „im Herbst nächsten Jahres erfolgen“, teilte Rainer Popp von der Regierung von Oberbayern mit. Zum einen sei die Tafel erst „recht spät im Jahr aufgestellt worden“, zum anderen sei die Routenwahl durch die zahlreichen zeitgleich vorhandenen Baustellen wie an der B 472 zwischen Sindelsdorf und Bichl heuer „nicht aussagekräftig“, begründet Popp.

In einem Jahr wolle man sich mit den Beteiligten, also den Vertretern der Kommunalen Parkraumüberwachung, der Polizei in Kochel, der Autobahnmeisterei, dem Staatlichen Bauamt Weilheim sowie den Bürgermeistern aus Kochel und der Jachenau, zusammensetzen und die Erfahrungen diskutieren. Vielleicht sind bis dahin schon Alternativen auf den Weg gebracht. Am 14. und 15. Dezember jedenfalls sollen in einem zweitägigen Workshop „realisierbare Ziele zur künftigen Tourismusentwicklung in der Region Walchensee unter besonderer Berücksichtigung der Eindämmung beziehungsweise besseren Steuerung des Verkehrsaufkommens“ erarbeitet werden. Dabei werden möglichst viele Interessengruppen eingebunden: neben regionalen Vertretern, den Rettungsorganisationen und Wassersportlern auch Repräsentanten von Tourismuswirtschaft, Staatsforsten, Wirtschaftsministerium und Wasserkraft. In einem ersten Schritt sollen die verschiedenen Gruppen ein gemeinsames Verständnis herstellen, in einem zweiten Schritt werden dann in Kleingruppen Lösungsvorschläge erarbeitet – und zwar zunächst ohne jegliche „Denkverbote“, wie Rainer Popp unterstrich.

Die gesammelten Ideen werden anschließend auf Plausibilität und Realisierbarkeit geprüft und die erarbeiteten Lösungsvorschläge in einem dritten Schritt im Plenum präsentiert und diskutiert. Am Ende des Workshops soll die Definition der weiteren Schritte wie erste Maßnahmen, Aufgabenverteilung und Zeitplan stehen. Der Teilnehmerkreis ist auf 40 Personen beschränkt. Nach Abzug der behördlichen Vertreter können die Gemeinden Kochel und Jachenau jeweils etwa 15 Mitwirkende benennen. Die Kochler entsenden neben den beiden Walchenseer Gemeinderäten Isidor Gerg (CSU) und Reinhard Dollrieß (Freie Wähler) jeweils einen Vertreter der Touristischen Abteilung sowie des Tourismusausschusses. Ferner dürfen Wasserwacht, Feuerwehr Walchensee und die Bergwacht Kochel eine Person entsenden. Folgende weitere Einrichtungen wird Bürgermeister Holz ebenfalls um Nennung eines Vertreters bitten: Verkehrsverein Walchensee, Walchensee-Stiftung, Fischereigenossenschaft Walchensee, Dorfleben Walchensee sowie Wassersportler wie Segelverein und - wenngleich schwierig, weil nicht in einem Verein organisiert - Windsurfer und Taucher. Auch das Hotel- und Gastronomiegewerbe sowie den Campingplatzbetreiber will Holz mit ins Boot holen. Zudem gehöre seiner Meinung nach die Firma Uniper, die den Walchensee zur Strom­erzeugung nutze und die Uferpflege übernehme, mit dazu. 

Die Kosten des Zielfindungsworkshops in Höhe von 9.000 Euro teilen sich der Landkreis und die beiden Gemeinden, so dass der Kocheler Haushalt mit 3.300 Euro belastet wird. cw

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