Strom für knapp 500 Haushalte: Photovoltaik-Freiflächenanlage eingeweiht

Sonne statt Wind

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Setzen auf Solarenergie: Projektentwickler Christoph Lohmeier erklärte Bürgermeisterin Elke Zehetner und den Verwaltungsräten der Stadtwerke die neuen Photovoltaik-Anlagen an der Staatsstraße nach Bichl.

Penzberg – Schafe beteiligen sich an der Stromproduktion - also indirekt: Schon bald sollen wollene Mäher die Grasfläche, auf der die neuen PV-Module an der Bichler Straße nach Penzberg stehen, beweiden. Ein symbolträchtiges Bild in Zeiten des Klimawandels: natürliche Beweidung und Solarstrom.

„Ein Vorzeigeprojekt“, meint der ehemalige Bürgermeister Hans Mummert, während er die neuen Solarmodule auf der Wiese an der Staatsstraße zwischen Penzberg und Bichl in Augenschein nimmt. Es ist eine von zwei neuen Photovoltaik-Freiflächen, welche gemeinsam gut 1,7 Millionen kWh Strom im Jahr produzieren. Die Verwandlung des weitläufigen Grüns in eine silber-graue Plattensiedlung ging zügig von statten, denn „man muss in der Entwicklung schnell sein, weil sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz ständig ändert“, sagt Josef Vilgertshofer, Vorsitzender der Stadtwerke. 

Eigentlich wollte die Stadt ja auf den Wind setzen und in Windräder investieren, weil aber nur wenig Böen in Penzberg wehen, sattelte sie kurzerhand auf die Sonne um. Nun sei „die Energiewende in Penzberg deutlich sichtbar“, freut sich Bürgermeisterin Elke Zehetner beim Anblick der in der Sonne glänzenden Photovoltaik-Module. Die Stadt hat die Flächen, auf denen die Anlagen stehen, für 20 Jahre von einem Landwirt gepachtet. Vilgertshofer ist dabei „sehr froh, einen Grundstückseigentümer gefunden zu haben, der an die Zukunft denkt“. Obgleich das Projekt innerhalb eines Jahres, beginnend mit der ersten Kontaktaufnahme zu dem Münchner Projektentwickler Vis­piron bis zur Vollendung der beiden Freiflächen im Sommer, zügig voranschritt, gab es im so windstillen Penzberg dennoch etwas Gegenwind „im Bereich Umweltschutz“, gesteht der Mann von den Stadtwerken ein. 

Damit die Anlagen vor dem Penzberger Ortseingang „gefälliger in der Natur erscheinen“ (Vilgertshofer) wird eine Hecke in der nächsten Bepflanzungsperiode das Gelände umrahmen. Auch Schafe dürfen schon bald das Areal im Schatten der Module beweiden. Immerhin sollen die beiden Freiflächen auch optisch verdeutlichen, welchen zukunftsorientierten Zweck sie haben. „Sauberer Strom, lokal für uns“, beschreibt Florian Schönberger, Geschäftsführer von Vispiron, die Aufgabe der Module, die sich nicht so recht in die Ästhetik der umgebenden Natur einfügen wollen. „Man kann den Klimawandel noch begrenzen“, prophezeit Schönberger mit Verweis auf die polykristallinen Platten. Aber dafür müssten „viele Projekte umgesetzt werden, um das große Ganze zu erreichen“. 

Elke Zehetner ist derweil begeistert: „Seit April haben wir schönes Wetter, und die Platten laden, laden, laden.“ Dank des sonnenreichen Sommers konnten die Anlagen bereits fleißig Strom produzieren. Und pflegeleicht sind die Module obendrein, sie seien „super solide“ und „getestet für Standardhagelgewitter“, erklärt Christoph Lohmeier von Vispiron. Darüber hinaus übernehme das Wetter die Reinigung, grinst er. Die Errichtung der etwa 1,5 Millionen Euro teuren Anlagen war hingegen nicht so einfach: Der Boden sei entweder sehr „weich“ oder aus hartem „Sandstein“, betont Lohmeier. Jetzt, da sie stehen, werden die PV-Flächen etwa 20, vielleicht sogar 25 Jahre auf der Sonnenseite des Lebens weilen und jährlich etwa 500 Vier-Personen- beziehungsweise 1.000 Single-Haushalte in Penzberg mit Strom versorgen. Selbstverständlich gebe es „einen Alterungsprozess“, so Lohmeier, und die Leistung der Module nehme mit der Zeit ab. „Aber nicht gravierend“, wie er versichert, zumal sie ein paar mal im Jahr gewartet werden und Fehlermeldungen unmittelbar an Vispiron nach München gesandt werden. 

Solche „Fehlermeldungen kommen oft vor“, meint Projektentwickler Stefan Fußeder, schließlich könne es schon einmal passieren, dass „eine Sicherung rausfliegt“. Die Defekte lassen sich aber meist schnell und per Fernsteuerung beheben, so dass derartige Anlagen „quasi wartungsfrei sind“, wie Fußeder sagt. Gesetzlich müssen die Module aus der Ferne „regelbar sein und das in einer bestimmten Zeit“, so Fußeder. Im Fall der Fälle fährt eben ein Fachmann aus München an die Bichler Straße - „sollte ein Schaf Probleme bereiten“, grinst der Projektentwickler. Vorerst dürfte das aber nicht passieren, „denn es gibt wenig Schafe in der Umgebung“, meint Schönberger. Auf Ziegen wolle man aber nicht setzen, denn die drohen auf die Module zu springen. Und dann bestehe nicht nur das Risiko, dass die Zellen beschädigt werden, sondern auch die Gefahr, dass ungewollter Schatten auf die Platten fällt - und ohne Sonne, kein Strom. ra

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