Aufklären, nicht auffordern

Am Tag der Organspende wird im Penzberger Gymnasium auf das Innere des Menschen geblickt

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Generalprobe vor dem großen Abend: Vor ihren Mitschülern hielten die Zehntklässler im Atrium Vorträge über Organspende.

Penzberg –Es ist ein Thema, das an die Nieren geht: Am Organspendetag des Gymnasiums setzen sich Schüler der zehnten Jahrgangsstufe der evangelischen Klasse von Thomas Peter mit der Verpflanzung von Herz, Lunge und Dünndarm auseinander.

Zwei Schulstunden lang wollen sie in Vorträgen ihre Mitschüler über Organspende aufklären, ehe am Abend Empfänger ihre Geschichte erzählen. Keine Veranstaltung, die „auf das Verteilen der Ausweise“ ausgerichtet ist, betont dabei Lehrer Peter, dem die Aufklärung über Transplantation in besonderem Maße am Herzen liegt, denn er selbst trägt Spenderorgane. Ein Glück, denn laut Umfragen finden 84 Prozent der Deutschen Organspende zwar gut, doch nur rund ein Drittel trägt einen ausgefüllten Spendeausweis mit sich. Und das, obwohl mit einem Organspendeausweis den Angehörigen im Fall der Fälle die Entscheidung abgenommen wird, einem der über 9.000 Menschen, welche auf ein Organ warten, ein neues Leben zu schenken - oder nicht. 


Der Lehrer als Leitbild

Über den Fall der Fälle machten sich Penzberger Gymnasiasten im evangelischen Religionsunterricht Gedanken, zusammen mit ihrem Lehrer Thomas Peter, der seit 16 Jahren mit einer fremden Niere und einer fremden Bauchspeicheldrüse im Körper lebt. Anlässlich eines Organspendetags stellten seine Schüler Dokumentationen zusammen, die unter dem Titel „Organe spenden - Leben retten“ am Vormittag Mitschülern im Atrium präsentiert wurden. Und ihr Lehrer konnte als Beispiel für eine geglückte Organspende viel zu den Arbeiten beitragen. 

Erst die Nieren, dann die Leber und schließlich das Herz 

Zunächst beleuchteten zwei Schüler die Geschichte der Organspende, die bereits um 1880 einsetzt. Ausgehend von besagtem Datum, an welchem erstmals Gewebe verpflanzt wurde, durchliefen die beiden Schüler die Jahrzehnte und berichteten über die zahlreichen Fortschritte: Nieren werden verpflanzt, gefolgt von der ersten Lebertransplantation, dann wird das erste Herz und schließlich die erste Lunge verpflanzt. Dass erst bei nachgewiesenem Hirntod einem Menschen Organe zur Spende entnommen werden dürfen, erläuterten daraufhin zwei Schülerinnen, sie sprachen von den körperlichen Anzeichen und den Tests, welche Ärzte an einem für hirntot Gehaltenen durchführen, um endgültige Gewissheit zu erlangen. 

Ursachen für Organversagen

Was passiert, wenn ein Organ den Körper eines Menschen verlässt, um im Leib eines anderen zu funktionieren, erläuterte das nächste Referenten-Team. Von der Warteliste über den Transport bis zur Transplantation und dem Leben mit einem fremden Organ spannten sie einen weiten Bogen. Dabei betonten sie, dass das Leben des Empfängers mit einem fremden Organ ein anderes sei, der Patient müsse sich „gesund ernähren“, dürfe keine „kraftintensiven Sportarten“ ausüben und sollte auf „Rauchen und Alkohol“ verzichten. Rauchen und Alkohol, beides mögliche Ursachen für Organversagen, klärte im Anschluss daran das nächste Team auf. Nicht selten sei auch Diabetes Typ I oder eine Krebserkrankung dafür verantwortlich, dass die Nieren nicht mehr arbeiten oder die Bauchspeicheldrüse nicht mehr funktioniert. 

Vom Nutzen des Empfängers und Schaden des Spenders

Doch nicht nur nach dem Tod, auch davor, könne ein Mensch das Leben eines anderen retten, mit einer Lebendspende, wie zum Abschluss der Vortragsreihe zwei Schüler erklärten. Meist seien es Verwandte, Lebens- oder Ehepartner, persönlich Verbundene, die diesen großen Schritt wagen. Dabei sei eine solche Spende streng geregelt, der Spender müsse volljährig sein, bei geistiger und körperlicher Gesundheit und umfassend von Medizinern und Psychologen über die Risiken und das Leben nach der Spende aufgeklärt werden. Bei dieser Form der Spende müsse eines aber stets beachtet werden: „Der Nutzen des Empfängers muss den möglichen Schaden des Spenders überwiegen“, betonten die Referenten. 

Leben und Tod, ein präsentes Thema

Nach den Vorträgen, der Generalprobe für den Abend, zeigte sich Lehrer Thomas Peter sichtlich stolz auf seine Schüler, die sich „unglaublich interessiert“ dem Thema gewidmet haben. Einem Thema, das Peter viel bedeutet, schließlich trägt er seit 2003 selbst ein Spenderorgan, nachdem Diabetes Typ I seine Nieren angegriffen hatte. Nun sehe er es als „Bildungsauftrag“, über Transplantation aufzuklären. Weshalb gerade die Schüler seiner evangelischen Klasse zu Referenten wurden: weil „Tod und Leben“ in Religionskursen ein präsentes Thema seien, mit dem es sich auseinanderzusetzen gilt, meint Peter. 

Aus dem Leben von Spendern und Empfängern

Am Abend geht es für die Zehntklässler dann vor großes Publikum. Schulleiter Bernhard Kerscher konnte dabei den Leiter Stefan Günther des Weilheimer Gesundheitsamtes, das sich an der Aktion beteiligt, die stellvertretende Landrätin Regina Bartusch, Bürgermeisterin Elke Zehetner, ihren Vertreter Ludwig Schmuck sowie mehrere Stadträte im Atrium begrüßen. Doch nicht nur die Schüler ergriffen abermals das Wort, auch Spender und Empfänger sprachen an dem Abend vor, um zum Nachdenken anzuregen. Darunter Sandra Zumpfe und ihr Mann Matthias. Die Münchnerin lebt seit sechs Jahren mit einem neuen Herzen. Schon als Kind wurde bei ihr eine schwere Herzkrankheit diagnostiziert. Ein Weiterleben war nur noch mit einem fremden Organ möglich. Einige Jahre nach der Herztransplantation streikten schließlich auch die Nieren. Dank der Lebendspende ihres Ehemanns konnte ihr Leben erneut gerettet werden. Ihnen gehe es gut, sagten die beiden, die sich beim Bundesverband der Organtransplantierten engagieren. fw/ra        

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