Bücherschrank auf dem Rathausplatz

Literatur im Hunt

Penzberg -  Nein, der Recyclinghof in Schönmühl hat nach wie vor geöffnet, auch kann man dort unvermindert Alteisen los werden. Das verrostete Teil, das auf dem Rathausplatz in der Vertikalen weiter korrodiert, ist der Bücherschrank, den die Bürger für Penzberg (BfP) so nachhaltig gefordert hatten.

Zur Ehrenrettung der BfP muss gesagt werden, dass eigentlich eine gute alte, gelbe Telefonzelle dafür vorgesehen hatten. So eine, wie sie in der Layritz-Halle abgestellt war. Aber dann hat der Gartenbauer Ale­xander Lachmuth, der sich in nämlicher Halle eingemietet hat, die Telefonzelle kurzerhand auf Ebay angeboten - und verkauft. Bürgermeister Elke Zehetner zürnte vernehmlich, forderte Schadensersatz, zeigte sich dann aber versöhnlich: Wenn es die Telefonzelle nicht mehr gibt, dann nehmen wir halt einen Hunt aus dem Bergwerk, meinte sie. Gesagt, getan. Allerdings ist so ein altes Wägelchen, mit dem unter Tage dereinst Kohle transportiert wurde, eher ein Zweckgegenstand denn eine ästhetische Erbauung. Und genau danach sieht es jetzt auf dem Rathausplatz aus. Da konnte Stadtrat und Zimmerer Hardi Lenk noch so ein schönes Bücherregal mitsamt gläserner Tür basteln: ein Hunt ist ein Hunt, zumal wenn er rostet.

Um mit Luther zu sprechen, steht er nun also hier und kann nicht anders. Der Hunt wartet nun darauf, dass er von wohlmeinenden Zeitgenossen mit Literatur gefüttert wird, die dann der Allgemeinheit offen steht. Man nimmt sich ein Buch heraus, setzt sich hin und liest. Mann kann das Buch auch mit nach Hause nehmen, alles völlig legal. Das Konzept funktioniert aber nur, wenn jemand bereits ist, dort auch Gedrucktes zu deponieren. Und darauf hofft Elke Zehetner. Zugleich appelliert sie an die Penzberger, den Bücher-Hunt vor Vandalismus zu verschonen. Und für den Fall, dass dort niemand ein Buch hinterlässt, hat sie auch schon vorgebaut: In das Regal passen Aktenordner wunderbar hinein. „Das wäre doch was“, lacht sie, „wir könnten hier unliebsame Akten einfach los werden.“ Eine charmante Idee, bislang aber hat man lediglich den Eindruck, die Stadt wollte einen verrosteten Hunt los werden. Das zumindest ist geglückt .la

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