Ruine bleibt Ruine

Bauausschuss lehnt Ansiedlung eines Gartenbaubetriebs am alten Pumpwerk ab

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Verfällt mit jedem Tag ein Stück mehr: das alte Pumpwerk in Maxkron. Daran wird sich vorerst nichts ändern, denn ein Gartenbaubetrieb darf da nicht hin.

Penzberg – Erst sollte dort ein Oldtimerforum entstehen, später eine Einrichtung zur Kindertagesbetreuung. Nun lag dem Bauausschuss eine neue Idee für das Areal des alten Pumpwerks in Untermaxkron vor: Ein Unternehmen für Garten- und Landschaftsbau würde hierher gerne seinen Betrieb verlagern.

Nur daraus wird wohl nichts, denn die Aufstellung eines Bebauungsplans sowie die nötige Änderung des Flächennutzungsplans lehnte das Gremium nach intensiver Vorberatung ab. Der Grund: Zu massiv wären die Belastungen für die Nachbarn in den Häusern auf der anderen Straßenseite. 

Das Unternehmen hat seine Lagerflächen derzeit an der Layritzhalle, die der Stadt gehört. Im Zuge des Umbaus der Halle in ein Blaulichtzentrum muss der Betrieb diese Flächen frei machen. Als Alternative schien die Fläche um das Pumpwerk perfekt geeignet zu sein, denn in ersten Skizzen waren Lagerflächen für Humus, Häcksel- und Schüttgut sowie Pflaster oder Kies ebenso eingezeichnet wie ein bepflanzter Wall und – entlang der Staatsstraße nach Beuerberg – ein Streifen zur Nachzucht von Bäumen und Sträuchern. Auch eine Betriebsleiterwohnung und Stellplätze für Lkw und Bagger sollten entstehen. Der Turm sollte zwar nicht genutzt, als Wahrzeichen aber erhalten bleiben. Der marode Verbindungsbau zwischen Turm und Halle hingegen sollte abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. „Auch mehrere kleinere Hallen und Nebengebäude sind angedacht“, so Günter Fuchs vom Bauamt. 

Wie er weiter ausführte, wäre ein sehr umfangreiches Verfahren zur Prüfung des Vorhabens nötig, weil nicht nur ein Bebauungsplan aufgestellt, sondern auch der Flächennutzungsplan geändert werden müsste. Zudem wären mehrere Gutachten und eine schalltechnische Untersuchung nötig. Fuchs verwies ferner auf den Hochwasserschutz und eine artenschutzrechtliche Prüfung. Denn als vor 13 Jahren an ein Oldtimerforum gedacht war, wurden geschützte Arten festgestellt, so Fuchs. „Das müsste nach so langer Zeit erneut überprüft werden“, betonte er. Das Hauptproblem ist aber die Nähe zur Siedlung nördlich des Geländes. „Das ist reines Wohngebiet“, so Fuchs. Ob die dort geltenden Lärmrichtwerte durch einen Gartenbaubetrieb eingehalten werden könnten, bezeichnete er als fraglich. Städteplanerisch würde jedenfalls eine neue Gemengelage entstehen: „Zwei Nutzungen, die grundsätzlich nicht miteinander vereinbar sind, nämlich Wohnen und Gewerbe.“ 

Kritisch beäugte das Vorhaben dann auch der Ausschuss: Ludwig Schmuck (CSU) verwies auf die vier in Penzberg vorhandenen Gewerbegebiete. „Nun einen neuen Gewerbestandort aufzumachen, ist schwierig“, so Schmuck, der vor allem eine Zunahme des Verkehrs befürchtet. „Ich sehe da kein Land“, sagte er. Aus diesem Grund hätten es die weit verträglicheren Vorhaben, das Oldtimer-Forum und die Kindertagesstätte, auch nicht geschafft. „Gegen den Gartenbaubetrieb wären das aber Schlafunternehmen gewesen“, sagte der dritte Bürgermeister. 

Auch Johannes Bauer (Grüne) plädierte dafür, „nicht ein neues Fass aufzumachen“. Statt dessen verwies er auf gut platzierte Gewerbegebiete in der Stadt. Zudem sei der Standort in Untermaxkron ein ökologisch sensibler Bereich. Und nicht zuletzt: „Auch der Anwohner ist eine zu schützende Art.“ 

Dem stimmte Hardi Lenk (SPD) zu. Der Standort sei in der Vergangenheit intensiv abgewogen worden, und die viel harmloseren Nutzungen seien schon nicht genehmigt worden, erinnerte er und meinte: „Das ist einfach nicht der richtige Standort.“ 

Bürgermeisterin Elke Zehetner ergänzte, dass Gewerbebetriebe eine vernünftige Erschließung bräuchten: „Schwere Lkw verursachen Lärm.“ An anderer Stelle diskutiere der Stadtrat über Tempo 30 und ruhiges Wohnen, da könne hier nicht konträr agiert werden. „Wir sind alle nach bestem Gewissen bemüht, dem Unternehmen an anderer Stelle einen Gewerbeplatz zu geben. Aber nicht in freier Natur und dort, wo Menschen wohnen“, erklärte Zehetner. 

Armin Jabs (BfP) plädierte indes dafür, dem Unternehmen zumindest die Verträglichkeitsuntersuchung zu gewähren. Schließlich seien die Rahmenbedingungen inzwischen anders: „Bis dato war es so, dass das Grundstück nie einem Eigentümer alleine gehört hat.“ Das habe die Verhandlungen über den Lärmschutz erschwert, meinte er. „Wir sollten es mal versuchen, ob man diesem alt eingesessenen Betrieb nicht doch eine Ansiedlung ermöglichen kann.“ 

Jack Eberl (FLP) schloss sich dem an und mahnte: „Ich warte nur darauf, bis ein Jugendlicher da in der Baurui­ne verunglückt.“ Zwar verstehe er Anwohner, so Eberl, nur: „Ein Gartenbaubetrieb ist ja kein produzierendes Gewerbe.“ Und Lkw seien auf der Staatsstraße ohnehin genug unterwegs. Eberl plädierte deshalb dafür, dem Unternehmen zumindest die Möglichkeit zu geben, ein Gutachten zu erstellen: „Vielleicht ist die Belastung am Ende nicht so schlimm.“ 

Bürgermeisterin Zehetner sicherte zu, dass der Stadtrat dem Unternehmer helfen wolle, geeignete Flächen zu finden. „Aber wenn es geht, an anderer Stelle, nicht hier.“ Gegen die Stimmen von Jabs und Eberl lehnte es der Bauausschuss schließlich ab, dem Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans zu empfehlen. dd

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