Bürgerversammlung zum Vier-Sterne-Hotel

Blamage oder Standortsicherung?

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Penzberg - Der Andrang war groß: Sitzplätze gab es schnell keine Plätze mehr in der Tenne von Gut Hub. Am Ende waren es 450 Penzberger, die sich die Bürgerversammlung zum geplanten Vier-Sterne-Hotel nicht entgehen lassen wollten.

Sachliche Fragen und emotionale Einschätzungen: dazwischen lagen die Wortmeldungen der über dreistündigen Diskussion. Viele Menschen äußerten sich dabei erwartungsgemäß kritisch über das Hotelpro- jekt. Doch gab es auch Appelle für die Vier-Sterne-Herberge.

Erich Sczepanski etwa warnte vor zu hohen Erwartungen an das Grundstück. Seiner Meinung nach sei der extrem hohe Grundwasserspiegel problematisch für die Gründung. Er monierte, dass noch kein Bodengutachten vorliege, um Klarheit zu haben, ob das Areal für ei-nen Hotelneubau überhaupt geeignet sei. Und Sczepanski brachte als erster die Standortfrage nochmal aufs Tablett - worüber an diesem Abend noch oft gesprochen werden sollte. Für Sczepanski ist der Stadtplatz das am besten geeignete Areal. Und einen Namen für das Hotel gebe es dann auch schon: „Staltacher Hof“. Wolfgang Scherl indes wollte wissen, wie sich ein geeigneter Investor eigentlich definiert. Wie Otto Gaßner, Jurist und Hotelexperte, sagte, unterscheide sich der Hotelbetreiber zu 98 Prozent vom Eigentümer. Es gebe aber auch Management-Vertretungen, wo der Eigentümer einen Manager einsetze, „der dann wie ein angestellter wirtschaftlicher Eigentümer ist“. Idealerweise trete aber eine anerkannte Hotelkette in Erscheinung.

Albert Lantenhammer wollte wiederum wissen, wie viel Wald abgeholzt werde. Was Stadtbaumeister Justus Klement noch nicht abzuschätzen vermag: „Das weiß heute keiner hier im Saal.“ Die angebrachten Markierungen im Wald orientierten sich in etwa an vergleichbaren Hotelprojekten.

Liselotte Schlossbauer präzisierte dies später für ihn anhand des neuen Lanserhofs am Tegernsee. Für das Fünf-Sterne-Hotel seien 20.000 Quadratmeter Fläche nötig gewesen. Allerdings 20.000 Quadratmeter auf der Ebene. In Penzberg, wo auch noch Bergblick geschaffen werden müsste, würden am Ende von dem 60.000-Quadratmeter-Wald bestimmt 50.000 Quadratmeter abgeholzt, mutmaßte sie.

Und Albert Lantenhammer betonte mit unverhohlener Süffisanz, dass man das Hotel schon als Baumhaus errichten müsse, um überhaupt einen Bergblick zu erhalten. Anwohner Werner Czurda äußerte Bedenken wegen möglicher Bauschäden in der Nachbarschaft im Zuge des Neubaus, was Stadtbaumeister Justus Klement entkräftete. Es erfolge eine Bestandsaufnahme, und natürlich liege die Haftungspflicht bei den Projektträgern, versicherte Klement.

Albert Brunner forderte Bürgermeisterin Elke Zehetner auf, die interessierten Investoren zu benennen. Was die Rathauschefin aber verweigerte. „Wenn wir genügend haben, werden wir sie auch vorstellen“, sagte sie. Selbst der Stadtrat sei noch nicht vollumfänglich über die Interessenten informiert. Zehetner brachte aber die Option ins Spiel, einen Wettbewerb auszurufen, um einen geeigneten Investor zu finden. Angelika Franke hielt sodann ein emotionales Plädoyer für den Wald. „Ich habe dort etwa den Eisvogel gesehen, das ist ein wirkliches Erlebnis“, sagte sie. Und eben das wünsche sie auch ihren Enkelkindern. Robert Riedl indes sprach sich für das Hotelprojekt am Huber See aus. „Wir tun ja grad so, als holzen wir hier brasilianischen Regenwald ab“, betonte er. Und an die Kritiker gewandt sagte er: „Manche Leute müssten für ihre Ansicht auch mal die Stadtgrenzen verlassen.“ 

Burkhard Kreße empfahl den Stadtverantwortlichen dringend, einen Plan B vorzuhalten. Denn zerschlage sich der derzeit favorisierte Standort, dann stehe Penzberg gegenüber den Investoren am Ende ohne eine Alternative und letzten Endes dann auch ohne Investor da. Günther Pfannkuch wies darauf hin, dass der Wald zur Penzberger Geschichte gehöre. Mit einem Hotelbau in dem Wald wäre eine rote Linie überschritten. Pfannkuch warnte deshalb davor, wieder Flächen zu versiegeln. Oberbayern sei auf diesem Ge- biet ohnehin führend, werden hier doch täglich 4,8 Hektar verbaut. Pfannkuch zufolge gebe es auch zwischen den „Fichtenstangerln“ wertvolle Ökosysteme: „Man muss da nur mal genau hinschauen“, rief er aus.

Als Bürgerpflicht sah es Arthur Weiglmeier an, für einen alternativen Standort zu suchen - und er hat einen gefunden. Zumindest verteilte er ein Portfolio mit einem möglichen Standort westlich der Kapellenwiese. Mit dem derzeit angepeilten Areal in dem Wald am Kreisverkehr blamiere sich Penzberg vor der ganzen Welt, die in dem Hotel absteige. Weiglmeiers Forderung: „Suchen wir uns doch a besseres Platzerl!“ Bürgermeisterin Elke Zehetner versprach abschließend, den Prozess mit viel Fingerspitzengefühl weiterzuführen. arr (mehr in der Printausgabe)

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