„Gut Hub“

Völkerverständigung: Neue Glocke erklingt an Penzberger Martin-Luther-Kirche

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Die Glocke läuten: (v.l.) Der katholischer Pfarrer Bernhard Holz, die evangelischen Pfarrer Sandra Gassert und Julian Lademann sowie Imam Benjamin Idriz setzten ein Zeichen.
  • Max Müller
    VonMax Müller
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Penzberg – Die evangelische Martin-Luther-Kirche in Penzberg hat eine neue Glocke. Bei der Einweihung am vergangenen Mittwoch wurde die „Völkerverständigung“ erstmals geläutet.

Die Martin-Luther-Kirche wirkt derzeit wegen der Sanierung wie ein bauliches Skelett. Gerüste zieren den Innenbereich und die Fassade des religiösen Gebäudes. „Das war auch notwendig, um die Glocke überhaupt in den Kirchturm zu bekommen“, betont der evangelische Pfarrer Julian Lademann.

Bereits im März wurde das neue Exemplar präsentiert (Rundschau berichtete). Die Kosten für die Glocke, die nach dem Thema „Völkerverständigung“ gestaltet und benannt wurde, liegen bei rund 5000 Euro – das Gewicht bei 180 Kilogramm. Daher waren auch Kran und Gerüst nötig um das Exemplar aus Kupfer-Zinn in die Spitze des Kirchturms zu hieven.

Quartett für die Völkerverständigung

Andernfalls hätten Lademann, seine Pfarrerskollegin Sandra Gassert sowie der katholische Pfarrer Bernhard Holz und Imam Benjamin Idriz wohl selbst Hand anlegen müssen. Die Vertreter des Christentums und des Islams waren vor Ort, um die neue Glocke das erste Mal zu schlagen und ein Zeichen für Völkerverständigung zu setzen – getreu des Glockenmottos. Imam Idriz wünschte sich, dass die neue Glocke „alle zur Besinnung bringen würde – Christen, Muslime, Ungläubige und Andersgläubige.“ Zudem bat Idriz, dass die Glocke für die nächsten 700 Jahre ein Zeichen für „eine schöne Stimmung“ in Penzberg sei.

Mit dem Kommando von Lademann fuhr die Glocke dann gen Himmel auf: „O‘zapft is, oder Heb auf“, war vom Pfarrer zu hören. Doch aus den Reihen der Zuschauer kam ein wesentlich passenderer Vorschlag: „Gut Hub“ – die evangelische Gemeinde hatte zuletzt das städtische Areal für Gottesdienste genutzt.

Die 500 Jahre alte „Vater unser“-Glocke soll sich auf den Weg nach Polen machen.

Die alte „Vater unser“-Glocke darf allerdings noch ein wenig in Penzberg bleiben. Doch schon bald soll sie ihren Weg nach Hause antreten. 1952 kam die 500 Jahre alte Glocke aus einer evangelischen Kirche in Pommern, die inzwischen katholisch ist. Die Besitzverhältnisse scheinen allerdings noch nicht ganz geklärt. Laut Lademann ist es auch eine Option die Glocke einfach nach Polen zu schenken. Die ursprüngliche Kirche steht nämlich noch.

Einzug erst im Juli

Die neue Glocke ist schon da, doch der Einzug in die evangelische Martin-Luther-Kirche verzögert sich noch. Ein statisches Gutachten hatte die Renovierungsarbeiten im Zeitplan zurückgeworfen

Seit zwei Wochen steht ein Gerüst an der Fassade der Martin-Luther-Kirche...

Seit zwei Wochen steht ein Gerüst an der Fassade des Penzberger Gotteshaus, auch im Innenraum wird fleißig gearbeitet. Die Renovierung an der Martin-Luther-Kirche schreitet voran. Dabei war die Einweihung der neuen „Völkerverständigungs“-Glocke der nächste Schritt. Eigentlich wollten die Verantwortlichen die Kirche im Mai wieder öffnen. Daraus wird aber nichts. Laut dem evangelischen Pfarrer Julian Lademann verzögern sich die Renovierungsarbeiten wegen einem statischen Gutachten. „Man wollte prüfen ob die Decke auch wirklich hält“, so Lademann. Die gute Nachricht für die Kirchengemeinde: Die Decke hält. Einziehen will man nun Mitte Juli.

...auch in der Penzberger Kirche schreiten die Renovierungsarbeiten voran...

Evangelische Alternativen

Die Taufen wurden nach Seeshaupt ausgelagert, die Gottesdienste finden derzeit im Garten der Penzberger Kirche oder im nahen Gemeindehaus statt. Durch die Verzögerung bei den Arbeiten stiegen auch die Baukosten – doch Lademann bestätigte, dass „diese den Rahmen nicht sprengen“. Ursprünglich hatten man mit 460.000 Euro gerechnet. Bezuschusst wurde man nun auch vom Bezirk Oberbayern: Dieser steuert 22.700 Euro zur Renovierung bei.

Informieren und Spenden

Weitere Infos zur evangelischen Gemeinde gibt es auf der Homepage der evangelischen Gemeinde. Dort können Interessierte auch für die Rennovierungsarbeiten spenden und aktuelle Bilder einsehen.

Vergangenes Jahr gab die Landeskirche grünes Licht für das Bauvorhaben (Rundschau berichtete). Die baulichen Mängel in dem 1904 eingeweihten und denkmalgeschützten Bau – Elektrik und ein großer Riss über dem Altarraum – waren zu schwerwiegend.

...vergangenen Mittwoch wurde die neue Glocke im Kirchturm angebracht.

Zwar muss Pfarrer Lademann sich noch mit dem Einzug in das renovierte Gotteshaus ein wenig gedulden, doch in der Zwischenzeit kann er auf Unterstützung von katholischer Seite bauen. Die zwölf anstehenden Konfirmationen können nämlich in der Kirche „Zu Unserer Lieben Frau von Wladimir“ im Penzberger Ortsteil Steigenberg gefeiert werden.

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