Weltentdecker mit Lesezeichen

Realschule und Gymnasium versuchen mit Wettbewerben, die Lesefreude zu wecken

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Bücherwürmer, die sich durchbissen: Mona Gömenn, Sofia Gerhard und Sofia Degen (linkes Bild von rechts) waren an der Realschule die besten Vorleser.

Penzberg – Sowohl im Gymnasium als auch in der Realschule wurden heuer wieder unter den Sechstklässlern die besten Vorleser auserkoren. Dabei ging es nur um das Eine: Die Lust am Lesen zu wecken. Denn um in fremde Welten zu tauchen, braucht es an technischen Spielereien höchstens eine Leselampe.

Sonnengelb leuchtet die Birne auf der Bühne. Eine einsame Lampe neben einem ebenso einsamen Lederstuhl. Lange muss die Sitzgelegenheit aber nicht auf ein Gesäß warten. Denn die diesjährigen Lesepaten des Vorlesetags, die den Fünftklässlern der Realschule Geschichten aus dem Buch „Dirk und ich“ von Andreas Steinhöfel vortragen wollen, setzen sich nun nacheinander hin und zeigen den Unterstufenschülern, wie lebendig ein Buch wird, sobald jemand dem Inhalt mit Liebe zu jedem Vokal und Konsonanten eine Stimme gibt. Doch eigentlich wissen die Schüler bereits, wie sich Gedrucktes gut vortragen lässt, denn zuvor hatte jede der 6. Klassen ihren besten Vorleser ermittelt: Mona Gömenn, Sofia Gerhard und Sofia Degen, die schließlich gegeneinander antraten. Zunächst galt es, einen selbstgewählten Text vorzutragen, ehe es an einen Fremdtext, „Momo“ von Michael Ende, ging. Sofia Gerhard schlug „Gangsta-Oma“ von David Walliams auf. „Es ist ein lustiges Buch“, begründet sie ihre Wahl. Nicht so lustig war dagegen ihre Vorbereitung: „Ich hab die ganze Zeit geübt“. Selbst die Hausaufgaben mussten da erst einmal aufgeschoben werden. Gereicht hat es dennoch nur für den dritten Platz, hinter Sofia Degen. Und das, obwohl diese „ziemlich aufgeregt war“, als sie aus dem siebten Band von „Die drei Fragezeichen“ vorlas. Doch die Fünftklässlerin wusste genau, dass es sich aus diesem Buch „gut vorlesen“ lässt. Mona Gömenn, die von der Jury, bestehend aus Astrid Rostek von der Bibliothek, Schulleiter Severin Hammel, Buchhändlerin Karin Rolles und Lehrerin Gabriele Janocha, zur Siegerin gekürt wurde, entschied sich dagegen für „Gregs Tagebuch 6“ von Jeff Kinney. Nicht nur, weil es lustig sei, sondern auch, weil „es um Schnee geht“, sagte Mona. Und der passe schließlich perfekt in die Jahreszeit. Für alle drei gab es Bücherpreise, aber nur für die Siegerin die Einladung zum Regional­entscheid nach Peißenberg. 

Schnee spielt auch in den Geschichten aus „Dirk und ich“ eine zentrale Rolle, dem Buch aus dem die Lesepaten den Realschülern nach dem Wettbewerb in der Aula vorlesen. Unter den Paten ist, wie bereits im vergangenen Jahr, Petra Mursch. Als sie das Buch aufschlägt und von den Brüdern Andreas und Dirk erzählt, die beim Schlittenfahren in einen eiskalten Bach plumpsen, heißen Kakao auf der Couchdecke verschütten und Möbel zertrümmern, Spaghetti mit Soße mit der Hand essen oder sich über Verwandte beklagen, die immer nur Unterwäsche zum Geburtstag verschenken, ist ihre Stimme genauso bunt wie das Leben der beiden Pro­tagonisten. Mit ihrer variantenreichen Mimik kommentiert sie das Gelesene, flüsterleise erzeugt sie Spannung, weinerlich Mitgefühl. 

Eine Atmosphäre, eine Welt mit ihren Worten aufziehen, das wollten auch die lesebegeisterten Sechstklässer des Gymnasiums. Dort wurden ebenfalls zunächst fünf Klassensieger gekürt, die anschließend mit einem selbst ausgewählten Text überzeugen wollten, ehe sie sich „Das Blaubeerhaus“ von der diesjährigen Urmelpreisträgerin Antonia Michaelis vornahmen. In der Jury saß abermals Karin Rolles, dieses Mal jedoch neben Stadtbüchereileiterin Katrin Fügener, den beiden Deutschfachbetreuern Heinrich Grupp und Brigitte Sengenberger, Deutschlehrerin Christiane Herold und Vorjahressiegerin Matilda Schäfer. Um sich und die Bücher bestmöglich präsentieren zu können, wurden die Kinder im Unterricht entsprechend geschult, die richtige Technik, aber auch die richtige Textstellenauswahl will schließlich gelernt sein. Vor allem aber gehe es darum, den Inhalt gut rüberzubringen, erklärt Karin Ammann-Losert, die Organisatorin des Wettbewerbs, daher werde „die Interpretation stark bewertet“. Die wohl beste Interpretation gelang dabei Sonja Herr, die Leone Hille, Manuel Pfenninger, Magdalena Huber und Peter Gahn auf die hinteren Ränge verwies. Und das mit einem Buch, das ihr ihre Mutter als Kind immer vorgelesen hat: „Das Unkrautland“ von Stefan Seitz. Für die Sechstklässlerin geht es nun zum Regionalentscheid nach Weilheim. Vielleicht wird sie dort ja auch ein Buch vorlesen, dass sie bestens kennt, denn wenn der Schülerin ein Buch besonders gut gefällt, dann kann es schon einmal vorkommen, dass sie es mehrere Male durchschmökert. Beim Lesen fühle sie sich „wie in einer anderen Welt“, erklärt Sonja ihre Leidenschaft für das gedruckte Wort. Ein Gefühl, das sie vermutlich mit den anderen Leseratten teilt, die sich nur mit einem Lesezeichen im Gepäck auf Weltreisen begeben. ra

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