Hoffen auf die plündernde Pippi

Oberlander Volkstheater stellt seinen Spielbetrieb wegen Corona ein

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Kulissen aus vergangenen Tagen auf einer menschenleeren Bühne: Claudia Herdrich vom Oberlandler Volkstheater würde im Herbst gerne wieder proben.

Penzberg – Hinter dem Glas des Schaukastens leuchtet in Königsblau das Plakat, das eigentlich niemand wirklich lesen möchte, da es in großen Lettern verkündet, dass es 2020 keine Vorstellungen gibt. Beim Oberlandler Volkstheater hat Corona für völligen Stillstand gesorgt. Bereits der Starkbieranstich wurde nur als Livestream realisiert, danach gingen die Lampen dann endgültig aus. Geprobt wird schon seit vielen Wochen nicht mehr.

Sie holt tief Luft. „Es riecht nach frischer Farbe“, meint Claudia Herdrich, als sie die Tür zur Probebühne an der Winterstraße aufschließt. Die Vorsitzende des Oberlandler Volkstheaters betrachtet die Wände. Frisch gestrichen sind sie nicht, hie und da sind Kratzer und Schrammen zu sehen. Es scheint fast so, als ob ihr die Räumlichkeiten ein wenig fremd geworden sind, denn seit Wochen wird wegen der Corona-Pandemie nicht mehr geprobt werden. Sämtliche Stücke wurden abgesagt, der Krimi „Mörderische Ferien“ unter der Regie von Ramona Frick und Andrea Brandl in der Probebühne genauso wie der Klassiker „Die Geierwally“ in der Stadthalle. Und auch das Kinderstück „Pippi plündert den Weihnachtsbaum“, wobei es dafür noch „eine Resthoffnung gibt“, sagt Herdrich. Doch die ist recht gering, immerhin brauchen die Kinder viel Zeit zum Proben. Außerdem sollte das Stück im Dezember in der doch recht kleinen Probebühne aufgeführt werden. Wenn im Winter nach wie vor die Abstandsregelungen zu wahren sind, könnten nur wenige die Aufführung der Jugendgruppe „Lampenfieber“ sehen. Dennoch will Herdrich Vorstellungen „nicht kategorisch ablehnen“, vielleicht könne das Stück in einer abgespeckten Variante präsentiert werden, macht sie sich selbst ein wenig Hoffnung. 

Besonders für die Kinder sei diese Zeit schwer, „für sie fällt alles weg“, sagt Herdrich mit Blick auf die dezimierten Unterrichtszeiten und Wochen ohne Vereinssport und Musikstunden. Und auch ohne Bühne. „Die Stücke werden teilweise gestrichen, teilweise verschoben, voraussichtlich“, sagt Herdrich. Denn unklar ist schließlich, welche Regisseure und Darsteller nächstes Jahr noch Zeit haben. Von Gewissheiten will sie nicht sprechen, als sie an der Theaterkasse steht und schließlich die Tür zur Bühne öffnet. Überbleibsel verschiedener Kulissen stehen auf und neben der Bühne, alle Holzsitze sind hochgeklappt, ihre Lasur reflektiert das Licht. 

Auf Biegen und Brechen unter Auflagen proben und Stücke präsentieren, das möchte Herdrich nicht, „wir machen das in der Freizeit“, sagt sie. Doch es gebe viele Theaterer, die vom Schauspiel leben und in Corona-Zeiten enorm leiden. „Wenn die Leute Lust auf Theater haben, sollen sie zu den Profis“, sagt Herdrich solidarisch. Sie selbst habe festgestellt, dass bei kulturellen Veranstaltungen, und sei es eine Kino-Vorstellung, viele Plätze leer bleiben, „die Leute kommen nicht, weil sie Angst haben“, meint sie. 

Der Theaterverein wird dieses Jahr ohne Spielzeit überstehen. Dank eines finanziellen Polsters, das man sich über die Jahre angelegt hat, aber auch dank des Starkbieranstichs. Der konnte heuer nicht vor Publikum aufgeführt werden, stattdessen wurde er aus der Stadthalle via Livestream in Penzberger Haushalten erlebbar gemacht. Da waren schon zahlreiche Tickets verkauft. „So viele Leute haben gespendet und wollten die Karten nicht zurückgeben“, lächelt Heidrich. Knapp die Hälfte wollte ihr Geld nicht wieder haben. Und Pacht für die Probebühne muss der Verein heuer auch nicht mehr zahlen, „die Stadt hat die Miete erlassen, von ganz allein“. 

Claudia Herdrich hofft jetzt, im Herbst ohne große Widrigkeiten wieder proben zu können. Das Programm für 2021 muss schließlich erarbeitet werden. Für das kommende Jahr hat sie auch schon mal „Termine in der Stadthalle blockiert“, für den Starkbieranstich und die Herbstaufführungen. ra

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