Riss durch Penzberg befürchtet

Geistliche wehren sich in offenem Brief gegen Vorwürfe aus E-Mails

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Der Stein des Anstoßes: Dieser Flyer (Bild zeigt lediglich Ausschnitt) von Elke Zehetner hat Penzbergs Geistlichen offenbar Kritik im Vorfeld der Stichwahl eingetragen. In einem offenen Brief weisen sie nun den Vorwurf der Wahlbeeinflussung zurück.

Penzberg – Es muss offenbar etwas vorgefallen sein, im Vorfeld der Stichwahl um das Bürgermeisteramt, das Penzbergs Geistlichkeit schwer getroffen hat.

In einem offenen Brief an alle Penzberger haben sich nun jedenfalls Stadtpfarrer Bernhard Holz, seine evangelischen Kollegen Julian Lademann und Sandra Gassert sowie Imam Benjamin Idriz gegen den Vorwurf der Wählerbeeinflussung gewehrt und ihrerseits Vorwürfe gegen eine „politische Gruppierung“ erhoben, ohne diese aber beim Namen zu nennen. Zugleich befürchten sie, dass der zuletzt sehr hitzig geführte Wahlkampf einen Riss quer durch die Stadt zur Folge haben könnte. 

Auslöser für den offenen Brief waren offenbar kritische Reaktionen auf dem letzten Wahlkampfflyer von Elke Zehetner, der die scheidende Bürgermeisterin auf einem Bild mit Holz, Lademann und Idriz zeigt. Die Zustimmung der drei Geistlichen zur Verwendung dieses Fotos hatte Zehetner nicht eingeholt, weshalb es in dem offenen Brief auch heißt: „Um Einverständnis wurden wir vorher nicht gefragt, und wir finden die Wahl des Fotos unglücklich.“ Allerdings erkennen sie darin auch keine sonderliche Dramatik, „denn auf dem Foto sehen wir ein gelungenes Stadtfest, eine öffentliche Veranstaltung der Stadt und öffentliche Personen und Ämter in guter Zusammenarbeit“. 

Offenbar hat es daran aber Kritik gegeben, denn die Geistlichen erklären weiter: „Mit Sorge betrachten wir den Umgangston in Öffentlichkeit, Leserbriefen, Facebook-Kommentaren und sehen hier die Gefahr eines Risses durch die Stadt.“ Vor allem in den letzten beiden Wochen vor der Stichwahl seien die Emotionen so hochgekocht, dass sich „manches Wort nicht mehr zurücknehmen lässt“. Deshalb sei es eine herausfordernde Aufgabe für den neuen Stadtrat und den neuen Bürgermeister Stefan Korpan, „wieder zu einem respektvollen Miteinander zurückzukehren“. Dazu wollen die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie der Islamischen Gemeinde „unser Bestmögliches beitragen“. 

Und dann folgt eine nicht näher erklärte Andeutung: „Auch wir Pfarrer und der Imam wurden in den Wahlkampf gezogen und unter anderem aus den Kreisen einer politischen Gruppierung sehr vorwurfsvoll angegangen.“ Art und Ton hätten auch die jeweiligen Gemeindevorstände und Gremien schockiert, weil den Geistlichen offenbar Schlagwörter wie „Verlust der Neutralität, Instrumentalisierung, Wählerbeeinflussung und Parteilichkeit“ vorgeworfen worden seien. Und: „Kritisiert wurden unter anderem unsere Maßnahmen und die Zusammenarbeit mit der Stadt Penzberg im Rahmen unserer kirchlichen Nachbarschaftshilfe.“ Von wem die Kritik kam und was genau kritisiert wurde, bleibt aber unklar. 

Offenbar und mit Blick auf den Zehetner-Flyer mit dem umstrittenen Bild geht es dabei um eine vermeintlich zu große Nähe mit der noch amtierenden Bürgermeisterin. Dazu erklären die Geistlichen: „Nun gehört es zu unseren Aufgaben in unserem Amt, so gut wir können mit der Institution der Stadt, aber eben auch mit dem demokratisch gewählten Stadtoberhaupt zusammenzuarbeiten. Wir haben das nach besten Wissen mit Frau Zehetner getan, werden dies aber genauso auch mit Herrn Bürgermeister Korpan uneingeschränkt tun. Das ist für uns selbstverständlich.“

Elke Zehetner jedenfalls habe sich intensiv um den Austausch mit den Religionsgemeinschaften bemüht: „Sie war es, die uns im Namen der Stadt immer wieder an einen Tisch gebracht hat. Man kann sagen, dass hier einer der Schwerpunkte ihrer Amtszeit lag.“ Das Rathaus und das Büro des Bürgermeisters als Motor sind für die Geistlichen „der richtige neutrale Ort des Zusammenkommens, parteipolitische Interessen haben wir dahinter nie vermutet“. Genau solche Fotos wie vom Stadtfest wünsche man sich auch in Zukunft, „von gelungenen Veranstaltungen und respektvoller Zusammenarbeit von Stadt, Stadtrat, Rathaus und den Religionsgemeinschaften“. 

Und dann verliert sich dieser offene Brief wieder im Ungefähren, wenn es heißt: „Unsere Gemeindemitglieder halten wir für demokratische Menschen, die sich selbst ihr persönliches Urteil bilden können und auch politisch ganz unterschiedlich engagiert und aktiv sind. Beeinflussung oder Wahlempfehlungen – wie uns vorgeworfen – innerhalb der Moschee oder in unseren Kirchen, im Einzelgespräch, auch nicht in den Jugendgruppen, hat zu keiner Zeit stattgefunden. Dagegen wehren wir uns mit aller Entschiedenheit.“ Ihre eigenen politischen Einstellungen, so die Geistlichen, „können wir gut für uns behalten und werden unsere Ämter nicht beschädigen, auch wenn uns Gegenteiliges vorgeworfen wird“. Dies mache sie jedenfalls „sehr traurig“, weil „nicht nur geistliche, sondern auch politische Menschen eine Vorbildfunktion haben“. 

Im Zentrum der Kritik, die zu dem offenen Brief geführt hat, steht offenbar der evangelische Pfarrer Julian Lademann. „Ihm wurde vorgeworfen, dass er in seinen Jugendgruppen eine Wahlempfehlung ausgesprochen haben soll“, sagt Imam Benjamin Idriz. Der katholische Pfarrer Bernhard Holz erklärt dazu: „In verschiedenen Mails wurde uns durch die Blume eine Wahlbegünstigung von Bürgermeisterin Zehetner vorgehalten.“ Da man nicht auf die einzelnen Mails antworten wollte, „haben wir uns zu dem offenen Brief entschieden“, so Holz. la

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