Stefan Korpan und Michael Schmatz wollen CSU-Bürgermeisterkandidat werden

Eine fast widerliche Harmonie

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Beschwingt in den Wahlkampf: Penzbergs CSU-Chef Nick Lisson (Mitte) freut sich über eine Premiere, mit Michael Schmatz (links) und Stefan Korpan hat der Ortsverband erstmals zwei Bewerber, die Bürgermeister werden möchten.

Penzberg – Selten in der jüngeren Geschichte hat man Penzbergs CSU so beschwingt erlebt wie an diesem Abend, was diesmal aber nicht nur an Nick Lissons radioerprobter Gute-Laune-Moderation lag, sondern vor allem dem Umstand geschuldet war, dass der Ortsverband gleich zwei Premieren feierte.

Erstens wurde dieser Abend live auf Facebook übertragen, was immerhin 222 Menschen vor das Handy oder den PC lockte, und zweitens präsentierte Lisson, der Ortsvorsitzende mit Michael Schmatz und Stefan Korpan erstmals überhaupt zwei Bewerber um die Bürgermeisterkandidatur. 

„Wir haben das in einer fast schon widerlichen Harmonie ausgemacht“

Vor einem Jahr etwa haben sich die Christsozialen auf die Suche nach Leuten aus den eigenen Reihen und darüber hinaus gemacht, die Elke Zehetner aus dem Amt kegeln und Penzbergs nächster Bürgermeister werden wollen. „Nach verschiedenen Vorstellungsrunden“, so Lisson, haben sich dann der 57-jährige Schmatz und der 35-jährige Korpan herauskristallisiert. Jetzt saßen die beiden auf dem Präsentierteller und verströmten dabei so viel Eintracht, dass Nick Lisson strahlte wie ein Honigkuchenpferd. „Wir haben das in einer fast schon widerlichen Harmonie ausgemacht“, sagte er und meinte damit die Art und Weise, wie Schmatz und Korpan das Rennen um die Mehrheit bei der auf den 1. Juni terminierten Nominierungsversammlung der CSU angehen. Korpan, der Polizist und Trainer der ESV Penzberg, tat sich mit dem Vokabular naturgemäß etwas einfacher, weil es zum Tagesgeschäft eines Übungsleiters gehört, viel von Teamgeist und mannschaftlicher Geschlossenheit zu referieren. 

Von der Stärkung des Mittelstands bis zur Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung

Im Gegensatz zu Korpan, der ein kommunalpolitischer Neuling ist und sich erst seit kurzem aktiv für die Stadtpolitik interessiert, „weil hier vieles nicht so läuft, wie soll“, kann Schmatz schon auf reichlich Erfahrung verweisen. Vor seinem Umzug nach Penzberg gehörte er viele Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender der CSU einem Münchner Bezirksausschuss an. Als Betriebsprüfer bei der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd ist er zudem ein ausgewiesener Experte in sozialpolitischen Fragen, was sich auch in seinem Engagement für die Katholische Arbeitnehmer Bewegung und die Christlich Soziale Arbeitnehmer Union niederschlägt. Und in Penzberg fungierte er auch schon mal als CSU-Ortsvorsitzender. Dass so einer sich die Bürgermeisterkandidatur zutraut, erscheint deshalb beinahe logisch. Entsprechend ist Schmatz auch konkreter und griffiger bei seinen Vorstellungen, was er als Bürgermeister anpacken würde. Während Korpan ganz allgemein von einer Stärkung des Mittelstands spricht und mit Blick auf Roche sagt, die Stadt dürfe nicht nur auf einem Bein stehen, formuliert Schmatz: „Im Nonnenwald muss auch Platz für andere sein.“ Und während Korpan einen „neuen und zeitgemäßen“ Flächennutzungsplan fordert (womit man garantiert keine Wahl gewinnt), sagt Schmatz unter Verweis auf die Bahnhofstraße: „Ich gehe ungern an leeren Schaufenstern vorbei.“ Deshalb fordert er sogleich eine komplette Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung im Rathaus. Und mit Blick auf ein in Amberg funktionierendes Modell wirft er noch einen verlockenden Vorschlag in den Raum: einen Bürgerhaushalt. Der soll von der Stadt mit einem gewissen Budget ausgestattet werden, um daraus Ideen und Anregungen aus der Bürgerschaft umzusetzen. 

Keine Blutgrätsche im innerparteilichen Wettstreit

Allerdings ist es nicht so, als hätte Korpan keine Ahnung von dem, was ankommt, weshalb auch er einen hübschen Satz parat hat: „Wir brauchen Ausgehmöglichkeiten für die Jugend, eine Bar oder eine Disco. So was wäre leicht zu erreichen.“ Und er hat noch was Schönes auf Lager: Als Fußballtrainer sei er es gewohnt, im Umgang mit anderen Menschen den richtigen Ton zu finden. „Ich bin keiner, der Kreide fressen muss“, sagte er, ein vom Saal mit Gelächter quittierter Seitenhieb auf Bürgermeisterin Elke Zehetner, deren bisweilen harsche Ansprache sie selbst zu der Erkenntnis gebracht hat, dass ein wenig Kreide angebracht erscheint. Ansonsten erfährt man an diesem ausgelassenen Abend noch, dass Stefan Korpan früher, in seiner aktiven Zeit, ein beinharter Verteidiger war, der auch vor der Blutgrätsche nicht zurückgeschreckt hat, für die er sich heute, als Polizist, wohl selbst in Gewahrsam nehmen würde. Dies dürfe nun aber nicht so gedeutet werden, beteuert Korpan mit treuherzigem Augenaufschlag, dass er gedenke, Michael Schmatz im innerparteilichen Wettstreit mit derart rustikalen Mitteln zur Strecke zu bringen. Im Gegenteil: „Wir sind ein Team.“ Angesichts solcher Aussagen strahlt Nick Lisson noch etwas mehr in die Handykamera, die all das der Facebook-Gemeinde live serviert: „Wir sind jetzt im Wahlkampf, und die CSU kämpft mit zwei Köpfen. Das ist doch optimal.“ Nun ja, kämpfen wollen Schmatz und Korpan bis zum 1. Juni nicht, aber in „kleineren Diskussionsrunden in den einzelnen Stadtteilen“, wie Lisson das nennt, sollen sie sich nicht nur intern, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. 

„Das müsste er dann aushalten“

Gerne hätte man an diesem Abend auch erfahren, was die Penzberger CSU-Legende Ludwig Schmuck dazu sagt, dass seine Partei gleich zwei Herausforderer für die von ihm verehrte amtierende Bürgermeisterin aufbietet. Schmuck war aber nicht da. Was der wohl sagen werde, wenn Schmatz oder Korpan tatsächlich gegen Zehetner gewinnen, will man wissen. Da flüstert einem einer ins Ohr: „Das müsste er dann aushalten.“ Möglicherweise müsste Schmuck in der nächsten Legislaturperiode sogar beide aushalten, denn Schmatz wie Korpan haben versichert, ungeachtet des Ausgangs der Nominierungsversammlung, für den Stadtrat zu kandidieren. Aussichtsreiche Listenplätze dürften ihnen garantiert sein. la

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