Abschied von der Bahnhofsmission

Innenarchitekt aus Hannover präsentiert bestechende Ideen für das neue Bad

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Fast wie im Hotel: der erste Entwurf für die Gastronomie im neuen Bad.

Penzberg – Wenn CSU-Veteran Ludwig Schmuck nicht zu kollabieren beginnt, sondern sich ein deutlich Vernehmbares „Da hat sie Recht“ abringt, nachdem Kerstin Engel das Wort ergriffen hatte, muss sich Ungeheuerliches zugetragen haben. Und in gewisser Weise hat es das auch.

Vergangenen Mittwoch im Verwaltungsrat der Stadtwerke konnte sich Jens-Wilhelm Brandt, der Projektsteuerer des Neubaus, ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen, als das Gros der politischen Vertreter sichtlich beeindruckt und Bürgermeisterin Elke Zehetner sogar nachgerade verzückt war. Irgendwann in den vergangenen Monaten hatte sich bei den verantwortlichen Bauleuten die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Architekt Wolfgang Gollwitzer zwar trefflich auf das Planen von Hüllen versteht, es aber behufs des Interieurs Leute gibt, die das viel besser können. Leute wie Innenarchitekt Torsten Michelmann vom Büro Michelmann aus Hannover, der eines Tages dort stand, wo das neue Bad errichtet wird und die Umgebung auf sich wirken ließ. „Er hat die Berge gesehen, die Natur und den Wald. Und er hat ans ehemalige Bergwerk gedacht“, sagte Brandt, der dabei gewesen war. Daraus entstand schließlich in Hannover ein Konzept, das so einfach wie überzeugend ist: Hatte Gollwitzer in seinem ersten Vorschlag noch kalte Farben wie bei einer öffentlichen Badeanstalt aus der Nachkriegszeit dominieren lassen, möchte Michelmann die Natur und Penzbergs Geschichte in das neue Bad holen. Und das sieht dann beispielsweise so aus, dass der Saunabereich Anleihen aus dem Bergwerk aufnimmt, die Umkleidekabinen an die verschiedenen Bodenschichten erinnern sollen, der Ruhebereich sich wie eine Höhle ausnimmt, das Foyer etwas von einem Wald hat und der Schwimmbadbereich den Eindruck vermittelt, als sei man im hochalpinen Bereich, wobei das Wasser im großen Becken mittels spezieller Beleuchtung wie ein Bergsee aussehen soll. „Das wirkt nicht kitschig, sondern authentisch“, sagte Brandt und hatte damit vollkommen Recht. Und weil man schon mal mittendrin war in der gestalterischen Debatte, regte der Mann mit der Franz-Müntefering-Stimme auch noch an, im Foyer eine Kaffeebar zu installieren, „damit der Eingangsbereich dann nicht mehr wie bei der Bahnhofsmission, sondern wie in einem Hotel wirkt“. 

Innenarchitekt Torsten Michelmann aus Hannover präsentiert Ideen für das neue Familienbad

Wald, Berge, Bergwerk: Michelmanns Konzept für das neue Familienbad in Penzberg. © Michelmann
Wald, Berge, Bergwerk: Michelmanns Konzept für das neue Familienbad in Penzberg. © Michelmann
Wald, Berge, Bergwerk: Michelmanns Konzept für das neue Familienbad in Penzberg. © Michelmann

Bürgermeisterin Elke Zehetner tat bei der Ansicht der Bilder das, was sie nicht oft tut: sie sagte nichts, sondern staunte, um einen Tag später zu erklären: „Das ist großartig.“ Auch Kerstin Engel zeigte sich sehr angetan. „Das ist weniger ein Schwimmbad als vielmehr eine Wellness-Oase“, sagte sie und forderte umgehend zweierlei: erstens, dass man sich auf jeden Fall von den anderen Bädern der Gegend unterscheiden müsse, und zweitens, dass Michelmann („ein begabter Innenarchitekt“) dem Verwaltungsrat der Stadtwerke ein Gesamtkonzept vorlegen soll, „damit nicht wir in unserer kleinbürgerlichen Sichtweise über alle Details befinden müssen“. Diese Sichtweise meldete sich aber umgehend zu Wort, als Adrian Leinweber (SPD) anmerkte, man dürfe sich auf keinen Fall zu sehr von den anderen Bädern abheben (warum eigentlich?) und müsse vielmehr ein Familienbad bleiben. Die Bedenkenträger rüsten also schon mal auf. la

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