Die eigenen Fesseln sprengen

Leonhardifahrt in Benediktbeuern: Prächtiges Spektakel und nachdenkliche Predigt

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Fein herausgeputzte Rösser, festliche Trachten bei der diesjährigen Leonhardifahrt im Klosterdorf.

Benediktbeuern – Bei der Wallfahrt zu Ehren des Heiligen Leonhards zogen am gestrigen Sonntag fünfzig prächtig herausgeputzte Pferdegespanne durch Benediktbeuern in den Innenhof des Klosters. Dort erhielten Wallfahrer und Pferde den Segen der Geistlichkeit.

Dunkle Wolken hingen am Himmel, hielten ihr Nass aber zurück, so dass an die 6.000 Besucher und Wallfahrer den festlichen Zug zu Ehren des Patrons der Gefangenen und der Stalltiere ohne Schirm verfolgen konnten. Über die Dorfstraße und Bahnhofstraße zogen die festlich geschmückten Gespanne und Motivwagen mit Kindern, Frauen in traditionellen Trachten, Schützenkompanien, Musikkapellen und Goaßlschnalzern zum Klosterhof. Unter den Gästen waren auch einige Zimbern aus Norditalien, die mit dem Klosterdorf eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet. 

Früher zogen die Gespanne nach dem erhaltenen Segen vom Klosterinnenhof an der Leonhardisäule vorbei. Weil dies nicht mehr möglich ist, wurde das Gebet, welches Pfarrer Heiner Heim dort sprach, in die voll besetzte Basilika übertragen. Heim freute sich über die Zusage von Pater Lukas Wirth aus dem Kloster Scheyern, an dem Ort, an dem dieser vor Jahren seine Ausbildung absolvierte, die Festpredigt zu halten. Darin ging der Pater auf das Wirken des Heiligen Leonhard ein, der einst Gefangenen das Evangelium gepredigt und ihnen den Weg in ein freies Leben gewiesen hat, indem er versuchte, ihre kriminelle Energie in gute Bahnen zu lenken. 

Leonhardifahrt in Benediktbeuern 2019

Rund 6.000 Besucher bestaunten die Pferdegespanne bei der diesjährigen Leonhardifahrt in Benediktbeuern © cw
Rund 6.000 Besucher bestaunten die Pferdegespanne bei der diesjährigen Leonhardifahrt in Benediktbeuern © cw
Rund 6.000 Besucher bestaunten die Pferdegespanne bei der diesjährigen Leonhardifahrt in Benediktbeuern © cw
Rund 6.000 Besucher bestaunten die Pferdegespanne bei der diesjährigen Leonhardifahrt in Benediktbeuern © cw
Rund 6.000 Besucher bestaunten die Pferdegespanne bei der diesjährigen Leonhardifahrt in Benediktbeuern © cw
Rund 6.000 Besucher bestaunten die Pferdegespanne bei der diesjährigen Leonhardifahrt in Benediktbeuern © cw

Heutzutage seien die Menschen in sich selbst gefangen und steckten viel Energie und Kraft darin, „andere schlecht zu machen, zu beobachten und nur auf deren Fehler zu warten“, kritisierte Wirth. Von diesen Fesseln müsse man sich befreien und stattdessen alle Kraft für ein gutes Miteinander einsetzen, was auch bedeute, seinen Mitmenschen immer wieder aufs Neue eine neue Chance zu ermöglichen. „Es wäre ein Glück, wenn Menschen all ihren Einsatz nicht egois­tisch für sich selbst, sondern zum Wohle aller einbrächten“, mahnte Pater Lukas, denn „das Reden übereinander bewirkt gar nichts, nur Reden miteinander kann Mauern einreißen, Ketten sprengen und die Zukunft ermöglichen“. In diesem Zusammenhang lobte er die Jugendbewegung „Fridays for future“, die zeige, dass man auch bei großen Herausforderungen wie dem Klimaschutz etwas bewirken könne. 

Zuversicht zeigte Wirth auch gegenüber der Flüchtlingsproblematik. „Wer die Flüchtlingssituation für sein politisches Interesse ausnutzt, verkennt, dass viele der Geflüchteten bei uns schon in Lohn und Brot stehen und integriert sind“, betonte er und unterstrich, dass viele Betriebe auf den Zustrom von Auszubildenden und Mitarbeitern angewiesen seien. Freiheit sei den Menschen als Kinder Gottes nicht nur für sich selbst geschenkt, schloss Pater Lukas und gab den Anwesenden mit auf den Weg, daraus „mit Phantasie und Mut und vollem Einsatz“ etwas für die Zukunft der Allgemeinheit zu machen. cw

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