Der Wanderer aus Maxkron

Mit diesem T-Shirt läuft der Bert Mann seit 31 Jahren beim „Vierdaagse“ in Nijmegen mit, der größten weltweit größten Wanderveranstaltung mit 45.000 Teilnehmern.

Mit Mitte 50 wurde Bert Mann von Herz-Kreislauf-Beschwerden geplagt. Der Rechtsanwalt gab seine Kanzlei in München auf und begann zu wandern. Jetzt ist er 90 Jahre alt und das Wandern is seine große Leidenschaft. „Das ist meine Arznei, die Bewegung an der frischen Luft“, sagt Bert Mann, der seit gut zehn Jahren im Penzberger Ortsteil Maxkron lebt.

Höhepunkt im Jahreskalender des rüstigen Pensionärs ist das im Juli stattfindende „Vierdaagse“ in Nij- megen in den Niederlanden. Dort nahm er heuer zum 31. Mal in Folge teil. Der gebürtige Frankfurter trägt dabei immer das gleiche gelbe T-Shirt. Früher, so berichtet Bert Mann, habe er bei der viertägigen Wanderveranstaltung mit 45.000 Teilnehmern aus aller Herren Länder immer jeden Tag 50 Kilometer absolviert. In den vergan- genen Jahren begnügte er sich mit gut 30 Kilometern täglich und kam heuer letztlich auf 125,4 Kilometer. Es war Mitte der siebziger Jahre. Bert Mann wurde krank. „Schreibtischstress“, nennt es der 90-Jährige, sein Herz-Kreislauf-System spielte verrückt. Er erhielt einen Schwerbehindertenausweis und übergab sei- ne Kanzlei an seinen Neffen. Ein Bekannter empfahl ihm zu wandern, auch sein Arzt riet ihm dazu. Einmal ausprobiert, war Mann nicht mehr zu stoppen: „Wandern bedeutet mir gesundheitlich alles. So viel wie möglich zu wandern, ist meine Medizin gegen die Krankheit.“ Bert Manns Sportwanderkarrriere kam Ende der siebziger Jahre richtig ins Rollen. Er war gut zehn Jahre Präsidiumsmitglied eines internationale Volkswanderverbands und gründete einen Mehrtage-Marathon in den Alpen. Darüber hinaus führte er Wandergruppen zu Spezialreiseveranstaltungen in der ganzen Welt, etwa in Jerusalem und Australien. Vor allem tat Mann eines: wandern. Er absolvierte mehr als 1.000 Nonstop-Märsche von 40 bis 80 Kilometer Länge und nahm weltweit an mehr als 2.000 Wanderungen des Internationen Volkssportverbands teil. „Ich bin deutlich mehr als einmal um die Erde marschiert“, sagt der 90-Jährige. Vor seiner Wanderkarriere betrieb Bert Mann ganz wenig Sport, fuhr nur selten mal Fahrrad. Das änderte sich mit Mitte 50 schlagartig. „Nicht übertreiben und nicht aufhören, das ist mein Grundsatz“, erklärt er. Noch heute wandert er mehrmals in der Woche auf dem Loisachdamm und auf der Berghalde acht bis zehn Kilometer weit. Nebenbei unterstützt er seinen Nachfolger in der von ihm gegründeten Rechtsanwaltskanzlei, um geistig fit zu bleiben. Von Verletzungen blieb Bert Mann weitgehend verschont. Lediglich ein Fersensporn zwang ihn vor einigen Jahren zu einer mehrmonatigen Pause. Absolutes Highlight im Jahr ist für den Maxkroner das „Vierdaagse“ in Nijmegen. Heuer wurde er als ältester Teilnehmer im Ziel vom Bürgermeister empfangen, die Zuschauer sangen ihm ein Lied. „Es hörte sich wie ,Hoch soll er leben’ auf Holländisch an“, berichtet Mann. Sogar „De Telegraaf“, eine große niederländische Tageszeitung, brachte einen Artikel samt Bild. „Vielleicht probiere ich es nächstes Jahr wieder“, sagt Bert Mann und lächelt verschmitzt

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