Warnstreik der IG Metall

Nur die Roboter arbeiten

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Penzberg - Vor den Werkstoren von Hörmann Automotive Penzberg traten rund 400 Mitarbeiter in den Warnstreik. Sie fordern von ihrem Arbeitgeber 5,5 Prozent mehr Lohn.

Nach Ende der Friedenspflicht, bei der Gewerkschaften und Betriebsräte Streiks zu unterlassen haben, startete die Metall- und Elektroindustrie nun mit Warnstreiks. Auch in Penzberg legten die Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg (HAP) die Arbeit nieder. Zwei Stunden lang folgten am Dienstag die Früh- und die Mittagsschicht dem Aufruf der IG Metall vor den Werkstoren des Unternehmens. Dienstag um halb zwei vor HAP: Die Belegschaft der Frühschicht, das sind etwa 200 Mitarbeiter, drängt nach draußen, formiert sich am Werkseingang. Christian Giljohann, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, verteilt in aller Eile rote IG Metall-Schirmmützen. Es ist Warnstreik. Schnell werden Fahnen und Banner hervorgeholt, Trillerpfeifen und Ratschen verteilt. Aus großen Autoboxen dröhnt Jazz- und Swingmusik. Mitarbeiter von Hoerbiger Penzberg sowie von Weber Schraubenautomaten in Wolfratshausen solidarisieren sich mit den HAP-Kollegen und reihen sich ein. Mit viel Krach verleihen die Mitarbeiter den Forderungen des Betriebsrats Nachdruck: 5,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten sowie 60 Euro mehr für Auszubildende im Monat. „Größere Kaufkraft kurbelt die Wirtschaft an“, ruft Georg Rottach, der Betriebsratsvorsitzende. Er und Daniela Fischer, die erste Bevollmächtigte der IG Metall Weilheim, erhalten für ihre Forderungen die volle Zustimmung der Streikenden. Um die Binnennachfrage zu erhöhen, müsse es Lohnerhöhungen geben, sagt Rottach. Während des Warnstreiks stehen in den Werkshallen die Maschinen still. „Nur zwei Roboter schweißen weiter“, erklärt Rottach. Bis auf ganz wenige haben alle Mitarbeiter die Hallen verlassen, um sich dem Warnstreik anzuschließen. „Ein paar verirrte Schäflein haben wir in einer Halle jetzt gerade noch zusammengeklaubt“, meint Rottach, der Wert darauf legt, dass sich möglichst viele am Streik beteiligen. Der Betriebsratsvorsitzende forderte die Belegschaft auf, den Warnstreik „diszipliniert durchzuziehen“. Und das tun die HAP-Arbeiter und ihre Solidarisierer, auch als die Frühschicht gegen halb drei von der rund 200 Mann starken Mittagsschicht abgelöst wird, die ebenfalls eine Stunde vor den Werkstoren streikt. Rund 70 Prozent sind bei HAP gewerkschaftlich organisiert. Gibt es eine Einigung bei den Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern und der Gewerkschaft, werden die Warnstreiks ausgesetzt. Ein Konsens scheint aber nicht in Sicht. „Nach einer Einigung sieht es nicht aus“, erklärt Daniela Fischer. So steht zu befürchten, dass die Warnstreiks weitergehen, an denen sich bayernweit mehr als 60 Betriebe beteiligen. Gibt es von Seiten der Arbeitgeber auch dann keine Bewegung, sich den Angeboten der IG Metall zu nähern, „bereiten wir uns auf die Urabstimmung vor“, sagt Daniela Fischer. Das bedeutet: Alle Mitglieder der Metall- und Elektroindustrie, die von der Tarifforderung betroffen sind, werden befragt, ob Streiks eingeleitet werden sollen. Stimmen 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder dafür, darf die IG Metall einen Betrieb bestreiken.

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