Der Fluss des Lebens

Von München bis ins Schwarze Meer gepaddelt

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Sie brennen für ihre Sache: Pascal Rösler und Julia Wolff von „Pure Water for Generations“ mit Claudia und Markus Wenzl vom KinoP. (von links).

Penzberg – Von München bis ins Schwarze Meer, nicht ans Schwarze Meer: Pascal Rösler aus München trat keine Urlaubsreise an, sondern eine Mission: 2.467 Kilometer legte er in 63 Tagen auf dem Stand-Up-Paddle-Board zurück, um aufzurütteln. Eine Reise, die nun in Penzberg auf die Leinwand kam.

Vor zwei Jahren startete Pascal Rösler seine Mission, auf die weltweit steigende Verschmutzung des Wassers und der Flüsse aufmerksam zu machen. Doch Rösler ist einer, der will gar nicht groß über seine enorme Leistung sprechen, denn ihm liegt die Sache an sich am Herzen. Dabei ist es wirklich beachtlich, was der Wahlmünchner geschafft hat: unglaubliche 2.467 Kilometer allein auf dem Stand-Up-Paddle-Board in 63 Tagen von München bis ins Schwarze Meer. 360 Stunden hat der gebürtige Dillinger auf dem Board verbracht und es dabei auf 600.000 Paddelschläge gebracht. Ein Abenteurer? Nein, ganz im Gegenteil: Pascal Rösler will aufmerksam machen, will zum Nachdenken animieren und vor allem will er etwas beisteuern zur Gesundung der Natur. Wasser als Grundlage allen Lebens – genau da setzt der 46-Jährige an, mit seinen Dokumentarfilmen, in Vorträgen und jetzt sogar in Schulprojekten. 

Zum 35. Mal hat er nun seinen Film „2.467 Kilometer – eine Reise bis ins Schwarze Meer“ gezeigt, diesmal im Kino P. in Penzberg, und immer ist er persönlich zugegen, um Fragen zu beantworten und um weitere Mitstreiter für seine große Vision zu finden. „Ich will, dass man bis zum Jahr 2042 das Donauwasser wieder trinken kann“, so Rösler mit einer Überzeugung, die keinen Widerspruch duldet. Im Film schildert er seine ganz persönlichen Empfindungen und Begegnungen, welche ihn besonders bewegt haben. 

Die Initialzündung für das Projekt kam ihm natürlich auf dem Wasser. 2016 fasste er den Entschluss, Verantwortung zu übernehmen und der Natur etwas zurückzugeben. Damals paddelte er von München bis Wien, sammelte für jeden Flusskilometer Spenden. Am Ende verteilte er mehr als 8.500 Euro an lokale Wasserschutzprojekte. Vor zwei Jahren gründete er den Verein „Pure Water for Generations“, die große Tour bis ins Schwarze Meer folgte, und im vergangenen Jahr paddelte er auf der Salzach vom Ursprung bis zur Mündung. Rösler zeigt eindringlich, wie wichtig es ist, in der Achtsamkeit bei sich selbst anzufangen. „Wenn jeder auf einem Spaziergang nur drei achtlos weggeworfene Gegenstände von Gewässerufern oder Wegen mitnehmen würde, wäre das schon ein Riesenfortschritt“, so Rösler. Auch mit Politikern war er schon des Öfteren im Gespräch. 

Inzwischen konzentrieren sich Pascal Rösler und „Pure Water for Generations“ zunehmend auf die junge Generation: „Wir müssen den Kindern diese Achtsamkeit lernen, sie sensibler für die Natur und deren Zusammenhänge machen. Sie sollen lernen mit dem Herzen zu spüren“, sagt er. Über 15 Schulen hat er schon besucht, in Kürze wird er auch an der Realschule Penzberg mit etwa 100 Schülern einen Wassertag veranstalten. 

Auf Fragen zu seiner persönlichen Erfahrung auf der langen Reise allein sagte Rösler: „Die ersten ein bis zwei Stunden sind immer sehr entspannend. Es geht immer um den nächsten Paddelschlag. Das Wasser schiebt dich an, wie auch das Leben einen anschiebt. Man bekommt ein Gefühl für Langsamkeit und spürt wahrlich den Fluss des Lebens.“

Der Film zeigt aber ebenso die Belastung der Natur durch Industrialisierung, den Ausbau und die Begradigung der Donau und den immer präsenten Plastikmüll. In den 63 Tagen hat Rösler nur sieben Mal im Zelt übernachtet, da, wo einfach kein Mensch in der Nähe lebte, ansonsten suchte er immer das Gespräch mit Einheimischen und paddelte täglich sechs bis acht Stunden: „Ich dachte mir oft, jetzt bist du soviel auf dem Wasser und kannst es nicht trinken.“ So entstand die Vision, das Donauwasser trinkbar zu machen. Wesentlich sei hierbei der Erhalt und die Verbesserung der Wasserqualität aller Nebenflüsse und Bäche, so Rösler. Hier kommt auch ein Penzberger ins Spiel, den Rösler beim Surfen kennenlernte. André Wacke, selbst begeisterter Stand-up-Paddler, initiierte vergangenes Jahr eine Aufräumaktion der Loisachufer. Am Ende füllte der gesammelte Müll zwölf große blaue Säcke. Im Juli wird diese Aktion wiederholt, natürlich auf dem SUP-Board. au

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