Die Courage bleibt

Trotz Corona: Wasserwacht behält die Ruhe

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Müssen auch auf den Osterseen Maske tragen: Christian Seiderer (links) und Fabian Atzenbeck von der Wasserwacht Penzberg/Iffeldorf.

Penzberg/Iffeldorf – Eine ruhige Stimme, die fröhlich wirkt, und entspannt. Nein, gestresst ist Elisabeth Seiderer, Vorsitzende der Wasserwacht Penzberg-Iffeldorf, wirklich nicht. Vielleicht, weil sie und ihr Team aus 36 aktiven Ehrenamtlichen mit der Corona-Pandemie und den vielen zuhause gebliebenen Urlaubern nicht mehr Arbeit bekommen haben. Dennoch sind die freiwilligen Helfer auf Corona und Einsätze in dieser kritischen Zeit bestens vorbereitet. Angst auszurücken hat niemand im Team.

„Keiner hat gesagt, dass er wegen Corona nicht mehr fahren will“, sagt Seiderer. Bei der Wasserwacht Penzberg/Iffeldorf hat sich in den Köpfen der Helfer nichts geändert, zumindest nicht, wenn es um ihre Courage geht. Voller sind die Köpfe aber schon geworden, denn während der Corona-Zeit haben sich die Helfer bei Online-Schulungen auf die Krisenzeit vorbereitet, damit sie wissen, was auf sie zukommt und wie sie mit neuen Vorgehensweisen umzugehen haben. Berührungspunkte mit Corona, beispielsweise bei der Rettung eines Infizierten, habe es bislang noch nicht gegeben, sagt Seiderer erleichtert. Und auch mehr Einsätze als gewöhnlich standen für die Wasserretter bislang nicht an, wenngleich wohl deutlich mehr Menschen als gewöhnlich die heimischen Seen und Weiher ansteuern, weil Urlaub zuhause derzeit schwer in Mode ist. Da es an den Osterseen bei schönem Wetter aber ohnehin immer zugehe wie die Hölle, „haben wie heuer noch keinen Anstieg ausmachen können“, meint Seiderer.

Wie zugeparkt Iffeldorf aber immer wieder ist, hat sie schon genau mitverfolgt. Denn nicht allein das nasse Terrain interessieren sie und ihr Team, „wir helfen ja nicht nur im Wasser“, sagt sie. Auch bei Unfällen auf den Liegewiesen sind die Retter zur Stelle. Wenn sie nun ausrücken müssen, dann mit ausreichend Abstand untereinander, etwa im Auto oder im Boot, was zur Folge hat, dass nun weniger Leute in den Fahrzeugen Platz finden. Und auch ein Mundschutz ist Pflicht, wobei Seiderer mit Blick auf sämtliche Vorkehrungen sagt: „Natürlich haben wir Kontakt zu den Patienten.“ Doch beim Retten wird nun vermehrt auf Eigenschutz geachtet, die Wasserwacht wurde hierfür mit einer umfangreichen Ausrüstung ausgestattet, von Masken über Schutzbrillen bis zu Ganzkörperanzügen. Und „wir folgen klaren Anweisungen, etwa wie viele Leute nun im Boot sitzen dürfen“. Welche Anweisungen es zu befolgen gilt, wissen die Retter genau, schließlich stehen sie in engem Kontakt zur Kreiswasserwacht, welche die Informationen „ständig aktualisiert“, lobt Seiderer, die nun abwarten möchte, wie sich die Lage weiter entwickelt. „Wir müssen schauen, was noch auf uns zukommt“, sagt sie. Bis jetzt war es aber recht entspannt, eine Lage, „von der wir echt positiv überrascht sind“ und von der Seiderer hofft, dass sie auch in den kommenden Wochen anhält. 

Dennoch sollten nicht nur die Was­serwachtler, sondern auch die Badegäste weiterhin wachsam bleiben, wenn sie in die Fluten tauchen. Jürgen Kräkel, langjähriges Mitglied der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, warnt vor „Leichtsinn und Selbstüberschätzung“, Eigenschaften, die auch geübte Schwimmer in Gefahr bringen können. Kräkel rät: „Im Notfall soll man sich in die Rückenlage bringen“. Dann gilt es ruhig zu atmen und um Hilfe zu rufen. Wer sich nicht wohl fühlt, sollte gar nicht erst ins Wasser gehen. Und was riesige luftgefüllte Flamingos und Einhörner betrifft: „Gummitiere sind ein Sicherheitsrisiko.“ Genauso wie Schwimmhilfen, auf die man nicht voll und ganz vertrauen sollte. Kräkel hat dabei nicht allein Kinder im Blick, denn „viele Erwachsene, die sich im Freibad noch einigermaßen sicher im Wasser bewegen, sind in den Badeseen überfordert“. Während im Chlorbecken das Wasser still steht und nichts die Zehen streift, wird der Schwimmer in der Natur mit kalten Strömungen und diversen Wasserpflanzen konfrontiert, die bei dem ein oder anderen panische Reaktionen hervorrufen. Dabei lautet für Kräkel das oberste Gebot im Wasser: „Ruhe bewahren“. ra

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