Der Hüne boxt nicht mehr

Penzberger Stadtrat verabschiedet Grünen-Urgestein Klaus Adler

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Abschied: Klaus Adler mit seinen Ex-Kollegen Kerstin Engel und Johannes Bauer (von links).

Penzberg – Mit Laugengebäck samt Aufstrich wurde er nach fast drei Jahrzehnten verabschiedet. Klaus Adler hat den Stadtrat verlassen. Jedoch nicht klammheimlich: Zum Abschied würdigten Gremiumskollegen sein Wirken fernab jeglicher Eitelkeiten.

Nach 29 Jahren im Stadtrat für die Grünen ist Schluss: Klaus Adler schied aus persönlichen Gründen aus dem Gremium aus und machte damit den Weg frei für Wolfgang Schweiger. Dieser übernahm bei der jüngsten Sitzung den Platz seines Vorgängers, nachdem der von seinen Kollegen gebührend verabschiedet und mit Geschenken wie Butterbrezen und Wein überhäuft worden war. 

Johannes Bauer, langjähriger Weggefährte von Adler in Reihen der Grünen, blickte weit zurück ins Jahr 1984. Damals wurde im Stalt­acher Hof der Ortsverband der Grünen gegründet, es war der zweite in Bayern. Adler war seinerzeit ebenso dabei wie bei der Gründung der Grünen auf Bundesebene einige Jahre früher. „Hier sitzt der dienstälteste Grüne Deutschlands“, sagte Bauer und bescheinigte Adler, „immer unser grünes Gewissen“ gewesen zu sein. 

Fraktionsübergreifend würdigten alle Stadträte das Wirken Adlers. „Persönliche Eitelkeit ist dir fremd“, betonte etwa Jack Eberl (FLP), das habe sich schon bei der Gründung der Grünen in den Achtzigerjahren gezeigt. Adrian Leinweber (SPD) nannte Adler „ein Vorbild für alle hier“. Und Nick Lisson (CSU) erinnerte sich an eine Anekdote aus der 12. Klasse im Gymnasium mit Adler als Lehrer. Das simple und ungläubige „Viel Glück“ des Pädagogen, nachdem Lisson seinen Berufswunsch „Ich möchte ins Radio“ gesagt hatte, habe ihn stark motiviert. „Dem Adler zeige ich es“, so Lisson. Hat geklappt – Lisson moderiert bei Antenne Bayern so gut gelaunt jeden Stau, dass Adler seine helle Freude haben dürfte. Bürgermeisterin Elke Zehetner schließlich sprach vom Ende einer Ära des „Boxkampfhünen“, dem sie „Scharfzüngigkeit, Sachlichkeit und pointiert rhetorische Fähigkeiten“ attestierte. 

Klaus Adler hatte das letzte Wort, hielt sich aber kurz. Er habe bei den Lobreden das Prinzip seines politischen Wirkens erkannt: „Vernunft und Leidenschaft.“ Und er gab seinen ehemaligen Kollegen mit auf den Weg: „Lasst euch nicht irre machen und lasst die Demokratie nicht beschädigen.“ 

Anschließend wurde Wolfgang Schweiger vereidigt. Eigentlicher Listennachfolger für Adler wäre Thomas Heinemeyer gewesen, doch der sagte aus beruflichen Gründen ab. Somit rückte Schweiger nach und schwörte Treue dem Grundgesetz und der Verfassung des Freistaats Bayern. akr

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