Animalisches in Guss

Franz Marc Museum: Skulpturen im Internet

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Pulsierende Körper: Seine verschlungenen „Zwei Pferde“ ließ Franz Marc im Jahr 1909 zweimal gießen.

Kochel – Derzeit ist es still im Franz Marc Museum, der Corona-Pandemie wegen. Dennoch will das Kunsthaus seinen in die eigenen vier Wänden verbannten Besuchern den Genuss der aktuellen Ausstellung „Franz Marc. Die Skulpturen“ nicht verwehren.

Jeden Freitag stellt das Museumsteam nun im Internet eine Werkgruppe vor. „Unsere Website wird zum provisorischen Ausstellungsraum“, heißt es auf der Homepage des Museums. Doch auch in dem provisorischen Ausstellungsraum lassen sich die Skulpturen des Expressionisten sehen. 

Selbst wenn Künstler oftmals nicht viel mit Geld und Wohlstand am Hut haben, müssen auch sie schauen, wo sie bleiben. Auch Franz Marc. Der entschloss sich zwischen 1904 und 1914 nämlich, Skulpturen zu fertigen um diese dann gewinnbringend zu verkaufen. Marc war dabei der einzige Künstler aus der Gruppe der „Blauen Reiter“, der sich dem plastischen Arbeiten verschrieb, wenngleich nur für eine gewisse Zeit. Einen Großteil von den 16 Werken, die dabei entstanden, präsentiert das Franz Marc Museum nun in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle und mit dem Lembachhaus in München sowie dem Schlossmuseum Murnau in der Ausstellung „Franz Marc. Die Skulpturen“. Derzeit jedoch hinter verschlossenen Türen. Doch einmal in der Woche, jeden Freitag, präsentiert das Museum eines der 14 gezeigten Werke, und zwar vom Wachsmodell bis zur Endausführung. 

Die meisten Bronzegüsse entstanden erst nach Marcs Tod und wurde nur in geringer Anzahl gefertigt. Die Ideen für seine plastischen Tierdarstellungen holte sich Marc unter anderem im Berliner Zoo. Doch nicht allein dort, denn die mehrfarbige Schafgruppe modellierte Marc in Wachs zwischen 1905 und 1907, als er die Sommermonate auf der Staffelalm verbrachte. Diese Gruppe sollte vermutlich nie gegossen werden, im Gegensatz zu den später entstandenen Modellen für die Skulptur „Zwei Pferde“, die er 1909 gleich zweimal gießen ließ. Danach war er sich scheinbar im Klaren darüber, dass ihm damit ein Schritt in eine künstlerische Richtung gelungen war, die er in seiner Malerei bis dahin vergeblich verfolgt hatte. Die plastischen Arbeiten, sie waren eine Art Katalysator für den Expressionisten, dienten als Vorläufer der bedeutenden Gemälde, die nach ihnen entstehen sollten. In einem Text zum Buch „Das Tier in der Kunst“, in dem die Plastik „Zwei Pferde“ abgebildet war, schrieb Marc: „Ich sehe kein glücklicheres Mittel zur Animalisierung der Kunst als das Tierbild, darum greife ich danach. Meine Plastik ist ein tastender Versuch nach derselben Richtung. Das Kreisen des Blutes in den Pferdekörpern, ausgedrückt durch die mannigfachen Parallelismen und Schwingungen der Linie.“ Im Jahr 1912 schuf er in Sindelsdorf eine Katze aus Stein, deren lebendiges Vorbild im Atelier stets ein- und ausging. Beim weiblichen „Torso“ aus den Jahren 1908 bis 1910 ist dagegen der Einfluss des großen französischen Bildhauers Au­guste Rodin unübersehbar. 

Marcs Tierplastiken sind aber keineswegs Kopien, sondern eigenständige Werke, die einen neuen Ansatz zeigen: Sie sind durch eine abstrakte Vorstellung geprägt, die Bewegungen der Tiere fügen sich in einen imaginären, übergreifenden Rhythmus der Natur ein. fw/ra 

Trotz Schließung lassen sich die Kunstwerke im Franz Marc Museum weiterhin bewundern, wenngleich nur in einzelnen Dosen: Auf der Homepage des Museum (www.franz-marc-museum.de/­ausstellung/highlight-der-woche) wird jeden Freitag eine Skulptur aus der aktuellen Ausstellung „Franz Marc. Die Skulpturen“ mit Bildern und informativen Texten vorgestellt. Und jeden Dienstag wird außerdem ein Blick auf ausgewählte Werke der Sammlung geworfen.

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